Interview mit Steffen Sihler von der SV Sparkassenversicherung „Regel Nummer eins sollte immer sein: den Überblick nicht verlieren“

Steffen Sihler leitet seit November 2024 die 30 Milliarden Euro schwere Abteilung Kapitalanlagen – liquide Assets, Private Markets und Strategie der SV Sparkassenversicherung. Er leitete zuvor die Finanzsteuerung bei der Wüstenrot & Württembergischen.

Steffen Sihler: „Ich würde mit Motivation rangehen, würde sagen: „Macht das doch einfach mal, treibt das Thema voran.“ Es muss Gestaltungsspielraum geben, damit die Verantwortlichen Lust haben, ihre Aufgaben zu erfüllen. Die meisten haben Kinder – man darf das nicht unterschätzen. Wir wollen, dass die Welt weiter besteht.“ Bildquelle: SV Sparkassenversicherung

private banking magazin: Herr Sihler, Sie sind seit November 2024 für die Anlagen der SV Sparkassenversicherung in Höhe von knapp 30 Milliarden Euro federführend verantwortlich. Wie kam Ihr neuer Arbeitgeber durch die vergangenen Jahre, geprägt von Zinswende, Angriffskrieg und Co., und welche Themen wollten Sie sofort anpacken?

Steffen Sihler: Sehr gut. Das wird an den stabilen Ergebnissen und an der im Marktvergleich guten Solvency-II-Quoten sichtbar. Hier haben die verschiedenen internen Markt- und Marktfolgeeinheiten in den Krisen zielgerichtet zusammengearbeitet.

Können Sie das konkretisieren?

Sihler: Wesentliche Stellhebel waren ein breit diversifiziertes Portfolio in liquide und illiquide Anlageklassen für flexible Ergebnissteuerung und besonders bei der Lebensversicherung eine im Marktvergleich kurze Duration des Zinsportfolios. Hier kommen wir dann auch zu Ihrer Frage, welche Themen ich sofort anpacken wollte: Insbesondere den Vorteil der kurzen Duration im Zinsanstieg wollte ich auf Basis des aktuellen Zinsniveaus einloggen. Wir arbeiteten daher die vergangenen Monate daran, das Durations-Gap zur Passivduration zu reduzieren.

Ihr Vorgänger sagte uns 2021, Private Debt wird im Portfolio bleiben ...

Sihler: Diese Anlageklasse wird nicht mehr verschwinden, da es die vergangenen Jahre – fast schon Jahrzehnte – Veränderungen struktureller Natur bei Finanzierungen gab. Diese werden nicht vollumfänglich zurückgedreht. Eine Herausforderung für den Private-Debt-Markt sehe ich jedoch darin, die Zuordnung, die Strukturen und die Risiken transparent, verständlich und kalkulierbar zu machen.

Was meinen Sie damit?

Sihler: Private-Debt-Investitionen reichen von Windpark-Finanzierungen über besicherte Mittelstandsdarlehen bis zu unbesicherten Mezzanine-Immobiliendarlehen – ein breites Spektrum mit unterschiedlichsten Facetten. In unserem Kapitalanlageportfolio der Lebensversicherung liegen wir bei 12 Prozent Alternative Investments. Wesentliche Quotenveränderungen sehe ich aktuell nicht.

Warum nicht?

Sihler: Die Herausforderungen sehe ich – auch in Anbetracht der globalen Lage – eher darin, die Portfolios innerhalb dieser Anlageklassen robust und effizient aufzustellen. Beispielsweise planen wir, den Anteil an Private Debt zu erhöhen, wobei unsere Alternative-Investments-Quote nahezu konstant bleibt. Das liegt daran, dass unser Fokus aktuell stärker auf regelmäßigem Cashflow liegt.

Sie diversifizieren also nur weiter innerhalb der bisherigen Portfolioaufteilung?

Sihler: Wir schauen uns die Kapitalanlage an sich an. Dabei geht es nicht immer nur um mehr. An der einen oder anderen Stelle sehe ich sehr viel Diversifikation. Man sagt ja immer, Diversifikation ist gut. Aber ich bin der Meinung: Diversifikation muss man auch steuern können.

Wollen Sie weniger Diversifikation?

Sihler: Ich würde es eher so formulieren: Punktuell muss man sich fragen, ob bestimmte zusätzliche Assetklassen wirklich diversifikationseffektiv sind.

 

Gibt es bereits Assetklassen, bei denen Sie den Rotstift ansetzen?

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