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Rebalancing Aufräumen im Depot

Das ausgewogene Zusammenspiel der Portfoliobausteine bringt den Anlageerfolg: Wirken unerwartete Marktkräfte auf die Allokation, kommen Anleger um ein Ausbalancieren ihrer Assets nicht herum. | © imago images / Panthermedia

Das ausgewogene Zusammenspiel der Portfoliobausteine bringt den Anlageerfolg: Wirken unerwartete Marktkräfte auf die Allokation, kommen Anleger um ein Ausbalancieren ihrer Assets nicht herum. Foto: imago images / Panthermedia

In normalen Zeiten ist die Neuausrichtung des Portfolios eine recht einfache Aufgabe, die rasch durchgeführt werden kann. In turbulenten Zeiten fällt der Ansatz einer Neugewichtung jedoch viel komplexer aus. Und im Gegensatz zu vielen anderen Aspekten des Investierens ist Rebalancing für viele Anleger nicht selten ungewohntes Terrain.

Durchdachte Vermögensallokation

In den vergangenen Monaten gab es massive Kurseinbrüche bei den als risikoreich eingestuften Vermögenswerten, bei gleichzeitigen Wertsteigerungen von als weniger riskant geltenden Vermögenswerten. Die Preise von Anlagen hingegen, die nicht börsentäglich bewertet werden, wie beispielsweise Private-Equity-Anlagen und Immobilien, können Assets auf dem börsennotierten Markt um mehrere Quartale hinterherhinken. Anleger sollten dennoch davon ausgehen, dass diese Positionen sich parallel zum Gesamtmarkt bewegen dürften.

Was sollten Anleger also tun, wenn die durchdachte Vermögensallokation in turbulenten Zeiten ins Wanken gerät? Einfach laufen lassen? Mikro-Management der Investitionen betreiben, um die Zielallokation zu erreichen? Oder ein bisschen von beidem?

Warum Anleger eine Neuausrichtung vornehmen sollten

Rebalancing ermöglicht es Anlegern, bei sich ändernden Marktbedingungen eine ausgewogene Mischung von risikoreicheren und risikoärmeren Anlagen aufrechtzuerhalten. Die neu adjustierte Balance zwischen beiden Anlagetypen ermöglicht eine stabilere Aufstellung gegenüber Risiken und stellt die Zielallokation wieder her. Ein völliges Ignorieren einer Neugewichtung kann dazu führen, dass wichtige Diversifikationsvorteile verloren gehen.

Ein Beispiel: Im Portfolio B schwankt die Aktienallokation von 56,1 Prozent auf 73,5 Prozent, was im Gegensatz zur konstanten 60-Prozent-Allokation für Portfolio A steht. Die Volatilität steigt ohne Neugewichtung von 7,3 Prozent auf 8,6 Prozent – das wirkt sich auf die Gesamtrendite aus, die von 5,7 Prozent auf 5,0 Prozent sinkt. Natürlich ist es nie ganz so einfach: Zum Rebalancing gehören Transaktionen auf dem Markt, also Kauf und Verkauf und alle damit verbundenen Kosten, einschließlich Provisionen und Steuern.

Welche Möglichkeiten des Rebalancing gibt es?

Kalendergestütztes Rebalancing ist die einfachste Methode; sie kann beispielsweise vierteljährlich angewendet werden. Anleger gewichten oft jedoch auch auf der Grundlage eines monatlichen oder lediglich jährlichen Turnus neu.

Bereichsbasierte Neugewichtung: Wenn eine bestimmte Investition außerhalb eines vordefinierten Bereichs zu liegen kommt, werden Maßnahmen empfohlen. Viele institutionelle Anleger mit speziellen Vorgaben zur Anlagepolitik verwenden diesen Ansatz.

Bei der risikobasierten Neugewichtung kommt es zur Verschiebung der Allokation der Vermögenswerte, wenn das Gesamtrisikoniveau des Portfolios nahe an einem vordefinierten Ziel gehalten werden soll. Wenn erwartet wird, dass Aktien künftig mehr Risiko zum Gesamtportfolio beitragen, dann würde ihr Gewicht proportional reduziert, um das gewünschte Gesamtrisikoniveau beizubehalten.

Institutionelle setzen auf „Overlay-Programme“

Viele private Investoren fragen sich, wie institutionelle Anleger an die Herausforderungen der Neugewichtung herangehen. Einige Institutionelle nutzen so genannte „Overlay“-Programme, bei denen ein kleiner Teil des Portfolios in Aktien- und Anleihederivate investiert wird, während die übrige Allokation unverändert bleibt. Somit werden Positionen mit Hebelwirkung eingegangen, die flexibel zugeschaltet werden können, um sicherzustellen, dass das Gesamtportfolio im Gleichgewicht bleibt. Ein „Overlay“-Programm unterliegt jedoch aufgrund der Risiken gewissen Limitierungen – es kann daher unumgänglich sein, dass eine tatsächliche Neugewichtung zwischen den Portfoliokomponenten erforderlich ist, wobei die „Overlay“-Engagements zurückgenommen werden.

Fazit: Durch Rebalancing der Rendite ein Stück näher

Bei der Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen den Vermögensklassen im Portfolio geht es ebenso sehr um die Verringerung des Risikos wie um die Erzielung von Rendite. Gerade in Drawdown-Phasen am Markt hat Rebalancing zunächst das Ziel, das Portfolio robuster aufzustellen. Gelingt dieser Schritt, bleiben Zeit und Mittel, um die letztlich angestrebte Rendite wieder in den Blick zu nehmen.