Reaktionen auf das Wahlergebnis „Deutschland ist über Nacht weniger berechenbar geworden“

Plenum des Deutschen Bundestages: Angela Merkel dürfte Kanzlerin bleiben, muss sich aber auf zwei Koalitionspartner einstellen.  | © Getty Images

Plenum des Deutschen Bundestages: Angela Merkel dürfte Kanzlerin bleiben, muss sich aber auf zwei Koalitionspartner einstellen. Foto: Getty Images

Das Chief Investment Office Wealth Management der Schweizer Großbank UBS kommentiert:

„Im Augenblick sieht es ganz nach einer Koalition von CDU/CSU mit den Freien Demokraten (FDP) und den Grünen aus. Die Grünen sind zwar eine weitgehend proeuropäische Partei, doch die Präsenz der FDP in der Koalition könnte Merkels Wunsch verwässern, eine engere Allianz mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu bilden, um eine stärkere europäische Integration zu fördern.

Die FDP ist gegen steuerliche Beihilfen für die höher verschuldeten Peripherieländer Europas. Infolgedessen könnten sich die Risikoprämien zwischen deutschen Bundesanleihen und den Staatsanleihen Italiens, Spaniens, Griechenlands und Portugals ausweiten. Die Märkte dürften allerdings die politischen Erklärungen der neuen Koalition abwarten, bevor sie eine solche Anpassung vornehmen. Der Euro könnte zwar niedriger eröffnen, weil die Märkte enttäuscht sind, dass es keine grosse Koalition geben wird.

Doch die Präsenz der FDP in der Regierung könnte zu einem stärkeren deutschen Druck für Haushaltsdisziplin in den Peripherieländern führen, was für  die Währung langfristig positiv wäre. Der Euro hat in diesem Jahr bereits knapp 14 Prozent gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. Wenn die FDP in eine Koalition eintritt, könnte sie auch versuchen, die Pläne zu blockieren, den Europäischen Stabilitätsmechanismus, der Finanzhilfen für angeschlagene Staaten der Eurozone bereitstellt, zu einem dauerhaften Währungsfonds zu machen. Letztlich könnte sich die FDP gegen eine tiefere fiskalische Integration durch die Ernennung eines Finanzministers für die Eurozone stemmen.“