Die Vontobel Holding plant laut Unternehmensangaben, ihren Hauptsitz von Zürich nach Baar zu verlegen. Bislang war Vontobel auf sieben Gebäude im Zürcher Stadtgebiet verteilt; künftig sollen die dort ansässigen mehr als 1.500 Mitarbeiter in einem einzigen, neuen Campus in Baar zusammengeführt werden. Der Bebauungsplan für das Projekt wurde laut Vontobel bereits per Volksabstimmung genehmigt.
Mit dem Wechsel nach Baar zieht es die Privatbank in eine Gemeinde, die zu den steuergünstigsten der Schweiz zählt. Vontobel wäre nicht das erste Finanzunternehmen, das sich in Baar ansiedelt: Auch die Partners Group hat dort ihren Hauptsitz.
Neuer Campus in Baar soll 2030 eröffnen
Für den neuen Standort hat Vontobel einen langfristigen Mietvertrag für ein Areal im Lindenpark in Baar unterzeichnet. Der Neubau soll rund 15.000 Quadratmeter Bürofläche umfassen, die Eröffnung ist für 2030 vorgesehen.
Nach Angaben des Unternehmens soll der Bau aktuellen Bürostandards entsprechen, unter anderem mit fortschrittlicher Gebäudetechnologie und energieeffizienten Lösungen, und die Zusammenarbeit zwischen Teams und Bereichen erleichtern.
Vontobel begründet die Wahl des Standorts unter anderem mit der Lage in einer wirtschaftlich geprägten Region mit wachsender Unternehmensdichte sowie mit der guten Verkehrsanbindung. Co-CEOs Christel Rendu de Lint und Georg Schubiger bezeichnen die beiden Bauprojekte in Baar und Zürich als „Ausdruck unseres langfristigen Vertrauens in die Zukunft von Vontobel“.
Zürich bleibt als Kundenstandort erhalten
Auch wenn Zürich den Hauptsitz-Status verliert, zieht sich Vontobel nicht aus der Stadt zurück: Aus dem Gebäude am Bleicherweg entsteht ein Standort für mehr als 300 Mitarbeiter, der laut Unternehmensangaben künftig ausschließlich auf die Kundenbetreuung ausgerichtet ist. Geplant sind unter anderem erneuerte Empfangs- und Besprechungsbereiche sowie ein Private-Dining-Restaurant. Zudem soll dort künftig die Vontobel-Kunstsammlung untergebracht werden.
Von den Umbauplänen unberührt bleiben laut Vontobel die Kundenbetreuung und die Büros in Basel, Bern, Chur, Genf, Lausanne, Locarno, Luzern, Lugano, St. Gallen, Winterthur sowie im Ausland.
Die NZZ bezeichnete die Entscheidung von Vontobel als „Warnsignal“ für den Standort Zürich. Der Standort brauche bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Finanzsektor ist wichtiger Wirtschaftsfaktor für Zürich
Wie bedeutend der Finanzsektor für den Wirtschaftsraum Zürich ist, zeigt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Oliver Wyman im Auftrag des Zürcher Bankenverbands. Demnach erwirtschaftet der Finanzsektor gut 26 Prozent der Wertschöpfung in der Stadt Zürich. Rund die Hälfte der Unternehmenssteuern kommen hier von Banken und Versicherungen.