Raus aus der Nische Serviced Apartments: Kleine Immobilien mit großen Möglichkeiten

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Hohes Potenzial bei Geschäftsreisenden und Touristen

Da die Geschäftsreisetätigkeit in Deutschland seit zwei Jahren wieder kontinuierlich zunimmt, ist davon auszugehen, dass das Nachfragepotenzial für Serviced-Apartments bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Je nach Konzeptvariante gelten für Serviced Apartments unterschiedliche Standort-kriterien. Als Standortvorteil für Apartmenthotels ist in der Regel die innerstädtische Lage in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern entscheidend. Auch die internationale Verflechtung der ansässigen Unternehmen ist ein wichtiger Aspekt für diese Märkte. In den Metropolen stellen vor allem die Fach- und Führungskräfte und Berufspendler die Hauptnachfrage nach Serviced Apartments dar. In diesem Kontext haben Messe- und Kongressbesucher, die Kreativwirtschaft, Freiberufler und Selbstständige in den Metropolen erwartungsgemäß eine höhere Relevanz für die Nutzung von Serviced Apartments als an den Sekundärstandorten.

Gleichwohl verfügen neben den Hochburgen auch Sekundärstandorte wie zum Beispiel Mannheim (SAP), Städte mit einem hohen Anteil an wissenschaftlichen Wirtschaftszweigen (Leipzig) oder Messe- und Kongressstädte (Hannover) über ein großes Potenzial. Neben der Gruppe der Geschäftsreisenden werden Touristen, ob als Individualreisende oder in Gruppen, organisiert über Reiseveranstalter als weitere bedeutende Zielgruppe angesehen. Diese sogenannten „Millennials“ in einem Alter zwischen 20 und 40 Jahren zeichnen sich durch eine hohe Reisefreudigkeit aus.

In Deutschland ist München mit knapp 1,5 Millionen Übernachtungen in Serviced Apartments der größte deutsche Boardinghausmarkt mit einem Marktanteil am Übernachtungsvolumen von rund elf Prozent gefolgt von Düsseldorf mit 6,5 Prozent. Bei den Sekundärstädten rangiert die Messestadt Hannover an erster Stelle. Hier erreicht der Anteil der Übernachtungen in Serviced Apartments an den gesamten Übernachtungen 13,2 Prozent. In Wirtschaftsmetropolen wie zum Beispiel Hamburg und Frankfurt werden hingegen relative geringe Marktanteile beobachtet. Hier liegen die Anteile lediglich bei 5,4 Prozent beziehungsweise 5,0 Prozent. Zu den Top-Standorten für Apartmenthotels zählen München mit 9 Hotels (1065 Wohneinheiten), Berlin mit 8 Aparthotels (811 WE), Frankfurt mit 3 (546 WE) sowie Hamburg und Düsseldorf mit je 2 Hotels (255 beziehungsweise 226 WE). Zurzeit stehen in der Bundesrepublik etwa 25.100 Apartments in 760 Anlagen zur Verfügung. Pro Jahr verbucht das Hospitality-Segment der Serviced Apartments allein in Deutschland mehr als sechs Millionen Übernachtungen.

Noch ist der Anteil entsprechender Übernachtungen an allen Hotel-Buchungen von derzeit etwa einem Prozent gering, dürfte sich aber in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. In den Groß-städten liegt die Quote im Langzeit-Segment bereits bei mehr als 5 Prozent, Tendenz steigend. Weil sich die Arbeitswelt und die Vorlieben der Business-Reisenden ändern, muss folgerichtig auch das Übernachtungsgewerbe reagieren: Die wachsende Schar flexibler Projekt-Arbeiter, häufig für mehrere Monate an einem Ort tätig, stellt andere Anforderungen an die Zimmerausstattung als bei einem Aufenthalt von wenigen Nächten. Als problematisch für die Branche könnte sich die sogenannte „Shared Economy“ erweisen beziehungsweise der Umgang mit Portalen wie Airbnb und Co. Auch der geringe Bekanntheitsgrad steht einem größeren Wachstum bisher entgegen.