Raus aus der Angstkasse Anleihedepots in Zeiten der Zinswende

Lutz Röhmeyer, früher LBB-Invest, jetzt Capitulum Asset Management, erklärt, wie man die Rentenseite in Zeiten der Zinswende wetterfest macht..  | © Sven Jakobsen

Lutz Röhmeyer, früher LBB-Invest, jetzt Capitulum Asset Management, erklärt, wie man die Rentenseite in Zeiten der Zinswende wetterfest macht.. Foto: Sven Jakobsen

Aktuell stark diskutiert werden die von den USA ausgehenden Politikänderungen und insbesondere die erwarteten Negativfolgen für die Schwellenländer. Bedingt durch die Abwesenheit von Marktteilnehmern traten mangels Handelsaktivität stark verzerrte Kursbilder in den globalen Rentenmärkten auf.

Die größte Sorge ist die abnehmende Liquidität, die in Folge der weiteren Geldpolitiknormalisierung erwartet wird. Bereits jetzt sehen wir große Zurückhaltung bei den Anlegern, die schon heute ihre Investitionen einstellen oder auf liquide Anlagen beschränken. Sie befürchten, während der nächsten globalen Rezession am Ende des laufenden Spätkonjunkturzyklus bei sinkenden Handelsumsätzen nicht mehr aus ihren Anleihen herauszukommen.

2018 ist kein Extremjahr

Damit zählt das Jahr 2018 nunmehr zu den vier negativsten Jahren, die es jemals für Anleihespezialitäten aus den Schwellenländern gab. Die aktuelle Konjunkturlage ist aber keinesfalls mit den anderen Extremjahren 1998 mit der Asienkrise und dem Zahlungsausfalls Russlands, 2001 mit dem Platzen der Technologieblase oder 2008 mit der globalen Finanzmarktkrise vergleichbar. Angesichts der aktuellen Marktentwicklung entsteht der Eindruck, dass der eigentlich positive Ausstieg aus den Krisenbewältigungsmaßnahmen im Zuge der Geldpolitiknormalisierung seitdem irrationaler Weise als dramatischer angesehen wird als der Auslöser.

Nach der Rückkehr aus der Sommerpause denken Teile der Investoren wieder konstruktiver. Sie erkennen antizyklische Chancen und die aufgebaute Angstkasse wird angesichts des anhaltenden Anlagedrucks wieder in Schwellenländer angelegt. Dabei wird aufgrund der massiven Verluste einiger Lokalwährungen auf der Rentenseite zumeist auf Bekanntes zurückgegriffen, wie die Staatsanleihen der aufstrebenden Nationen in harten Währungen.

Die Rendite einer in US-Dollar denominierten Schwellenlandanleihe ist dabei nichts anderes, als die Summe der sicheren Verzinsung in laufzeitgleichen US-Anleihen und dem Zinsaufschlag für das entsprechende Schwellenländerrisiko. Dieses kann aus geringerer Bonität, mangelnder Handelsliquidität oder anderen Faktoren herrühren.

Im Regelfall entfallen damit durchschnittlich 55 Prozent der Gesamtablaufrendite im Index auf den Zinsaufschlag (Spread) für das Schwellenländerrisiko.