Private-Equity-Investoren auf dem Vormarsch Die wertvollsten Fußballvereine der Welt
Platz 30: Austin FC
Wert (Enterprise Value): 855 Millionen US-Dollar
Liga: MLS
Wertentwicklung zum Vorjahr: 4 %
Umsatz: 94 Millionen US-Dollar
Eigentümer: Anthony Precourt und Eddie Margain
Die Rangliste basiert auf den jüngsten Daten von Forbes (Stand Mai 2026), die mehr zeigen als eine bloße Liste der Unternehmenswerte. Sie lassen zudem erkennen, wie sich Eigentümerstrukturen verschieben, welche Regionen an Bedeutung gewinnen – und wo das Geld im globalen Fußball zurzeit wirklich sitzt.
England dominiert mit der Premier League, die USA holen auf
Elf der 30 wertvollsten Fußballklubs spielen in der englischen Premier League – kein anderes Land in Europa kommt dabei auch nur annähernd mit. Italien kann vier Top-Adressen vorweisen. Spanien und Deutschland bringen jeweils drei Klubs in die Top 30, Frankreich und Portugal je einen.
Die eigentliche Überraschung liefert die Major League Soccer: Sieben US-amerikanische Klubs schaffen es in das Ranking – das sind mehr Teams als in jeder europäischen Liga außer England.
Private Equity und Staatsfonds übernehmen das Kommando
Von den 30 Klubs im Ranking sind nur noch sechs klassisch in den Händen der Mitglieder: Real Madrid, Barcelona, Bayern München, Borussia Dortmund, VfB Stuttgart und Benfica. Das heißt, in der englischen Königsklasse beispielsweise kein einziger Verein mehr. Der Rest der Klubs gehört Einzelinvestoren, Familien, Staatsfonds und auch zunehmend Private-Equity-Firmen.
Apollo Sports Capital beispielsweise hält Atlético Madrid, Oaktree Capital Management kontrolliert Inter Mailand und Redbird Capital Partners steht hinter dem AC Milan. Clearlake Capital ist der Miteigentümer des FC Chelsea. Hinzu kommen etwa Staatsfonds aus Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die PSG, Newcastle United und Manchester City sowie New York City FC dirigieren. Der europäische Fußball ist kaum noch Vereinssport im traditionellen Sinn, sondern ein globaler Investmentmarkt.
Amerikanische Investoren prägen das Bild
Blickt man auf die Herkunft der Eigentümer, fällt ein Muster ins Auge: Die meisten der Premier-League-Klubs befinden sich mehrheitlich in amerikanischer Hand oder gehören in den USA ansässigen Unternehmen. Zu den US-geführten Top-Klubs zählen neben den MLS-Teams auch Arsenal, Liverpool, Chelsea, Manchester United, AC Milan, Inter Mailand sowie AS Roma und Everton – letztere im Besitz der Friedkin Group aus Houston.
Der europäische Fußball ist für amerikanische Investoren attraktiv, weil die Einstiegsbewertungen trotz aller Zuwächse noch deutlich unter den Multiplikatoren der nordamerikanischen Profiligen rangieren, zum Teil bei weniger als einem Drittel. Dass diese gigantischen Unterschiede entstehen konnten, liegt nicht zuletzt an Hürden für Investoren, die sich auch nach dem Einstieg noch von Europas Verbänden gegängelt fühlen. Auch gibt es Gefahren wie Abstiege in die zweite Liga eines Landes, die den Wert der Klubs massiv mindern. Doch solche Bedenken schwinden wohl, weitere Geldgeber aus den Vereinigten Staaten wollen einsteigen.
Die größten Gewinner – und nur ein Verlierer
Denn die Chancen sind enorm: Die stärksten Wertzuwächse im Ranking verzeichnen Klubs, hinter denen entweder ein spektakulärer Eigentümerwechsel oder eine außergewöhnlich gute sportliche Saison steht – häufig beides. Atlético Madrid legte nach der Übernahme durch Apollo um 74 Prozent zu.
Inter Milan gewann nach dem Einstieg von Oaktree 57 Prozent. Aston Villa verbesserte sich um 56 Prozent, befeuert durch die erstmalige Champions-League-Teilnahme. Arsenal verzeichnete mit plus 59 Prozent den stärksten Anstieg in den Top-10, Ergebnis einer beeindruckenden sportlichen Renaissance und wachsender kommerzieller Stärke. Im Schnitt stieg der Wert der Top-30-Vereine in einem Jahr um 21 Prozent auf 2,9 Milliarden US-Dollar. Dem stehen zum Teil auch hohe Umsätze gegenüber: Real und Barcelona führen in dieser Disziplin und weisen jeweils mehr als eine Milliarde Dollar jährlich aus.
Nur ein Top-Verein büßt an Wert ein
Einziger Klub mit negativer Entwicklung in der Rangliste 2026: Tottenham Hotspur, dessen Wert um 9 Prozent auf 3 Milliarden Dollar sank – ein Spiegelbild einer enttäuschenden Saison, in der der Klub knapp den Abstieg vermied.
Neu im Ranking sind dagegen in diesem Jahr Benfica, Everton und VfB Stuttgart – drei Klubs, die auf unterschiedlichen Wegen in die Star-Liga der wertvollsten Fußballunternehmen der Welt vorgestoßen sind: Benfica durch ständige europäische Präsenz, Everton nach dem Einzug in sein neues Stadion unter Friedkin-Eigentümerschaft, Stuttgart neben dem Pokal-Finale durch seinen gewaltigen Aufstieg in der Bundesliga und die damit verbundene Champions-League-Qualifikation.
Zur Methodik:
Die Bewertungen globaler Fußballklubs von Forbes sind Unternehmenswerte (Eigenkapital plus Nettoverbindlichkeiten). Für europäische Klubs spiegeln die Schätzungen zu Umsatz und Betriebsergebnis (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) die Saison 2024/25 wider und sind auf den nächsten Millionenbetrag gerundet. Für amerikanische Klubs beziehen sich die Zahlen auf die reguläre MLS-Saison 2025 und entstammen den im Februar 2026 veröffentlichten jährlichen Forbes-Bewertungen der MLS-Teams.
Die Teamwerte berücksichtigen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Stadions, schließen jedoch den Wert der Stadionimmobilie selbst nicht ein. Anteilsbeteiligungen an anderen sportbezogenen Vermögenswerten sowie Immobilienprojekte mit gemischter Nutzung bleiben ebenfalls unberücksichtigt.
Forbes schließt Spielertransfers und Erlöse aus der Veräußerung von Spielerregistrierungen aus seinen Berechnungen zu Betriebsergebnis und Umsatz aus. Bei MLS-Klubs werden zudem Playoff-Spiele sowie gemeinsame Ausschüttungen der Liga nicht eingerechnet.
Verbindlichkeiten werden als verzinsliche Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr gemessen (einschließlich Stadionschulden). Da der Unternehmenswert eine kapitalstrukturneutrale Kennzahl ist, soll er den Vergleich von Klubs mit unterschiedlicher Schulden- und Eigenkapitalstruktur ermöglichen.