Asien verzeichnete 2025 ein starkes Jahr, und der Optimismus ist weiterhin deutlich spürbar. Starke Märkte bringen jedoch ihre eigenen Risiken mit sich. Heute scheinen viele aktive asiatische Fondsmanager auf derselben Welle zu reiten: Mehr als 80 Prozent von ihnen halten die fünf größten Aktien im MSCI Asia ex Japan Index – TSMC, Samsung, Tencent, SK Hynix und Alibaba.
Einige dieser Drachen haben wesentlich zur langfristigen Wertentwicklung beigetragen, doch ein großer Teil der Chancen liegt bei den weniger sichtbaren Salamandern. Als aktive Manager ist es entscheidend, dass wir klar benennen können, worin wir uns vom Markt unterscheiden.
Keine Frage des „Ob“, sondern des „Wann“
Für uns besteht ein klarer Unterschied zwischen „Eigentümerschaft“ und einer „engagierten und überzeugten“ Eigentümerschaft. In einige große, weithin bekannte Unternehmen wie Samsung und Tencent investieren wir bereits wesentlich länger und mit größeren Positionen.
Das hat sich stärker auf die Ergebnisse unserer Kunden ausgewirkt. Nahe an den großen Benchmark-Titeln zu bleiben, ist in volatilen Zeiten kein Kunststück. Überzeugung entsteht vielmehr daraus, ein Unternehmen so gut zu kennen und beurteilen zu können, dass man ein mehrjähriges Gewinnwachstum über verschiedene Konjunkturzyklen hinweg fundiert einzuschätzen vermag.
Unsere Asia-ex-Japan-Strategie investierte erstmals in den 1990er-Jahren in Samsung Electronics und hält die Position seit 2009 ununterbrochen. In dieser Zeit haben wir sieben Boom-and-Bust-Zyklen bei Speicherchips erlebt, während sich die Branche von mehr als einem Dutzend Herstellern auf nur noch drei führende Produzenten im technologischen Spitzenbereich konsolidiert hat.
Diese Erfahrung ist wichtig. Sie ermöglicht es uns, das Unternehmen unter sehr unterschiedlichen operativen Rahmenbedingungen zu beurteilen – in Phasen von übermäßigem Optimismus ebenso wie in Zeiten echter zyklischer Belastungen und in Momenten, in denen der Markt die Wettbewerbsposition des Unternehmens infrage stellte.
2024 erreichte die Bewertung von Samsung Electronics einen Tiefpunkt von weniger als dem Einfachen des Buchwerts. Die Schlagzeilen konzentrierten sich auf den Rückstand des Unternehmens bei neuen Speichertechnologien, den wachsenden Abstand zu TSMC bei Logikchips sowie eine zyklische Abschwächung im Smartphone-Geschäft.
Anstatt die Markteinschätzung zu übernehmen, wonach Samsung strukturell geschwächt sei, haben wir geprüft, ob die Grundlagen seines langfristigen Erfolgs weiterhin intakt waren. Dabei kamen wir zu einem anderen Schluss: Samsungs technologische Herausforderung schien eher eine Frage des Timings als Ausdruck eines dauerhaften Niedergangs zu sein. Die Rückkehr zur Profitabilität war für uns keine Frage des „Ob“, sondern des „Wann“.
Das gab uns Zuversicht. Noch wichtiger ist jedoch, dass wir verstehen, wo und warum unsere positive Einschätzung tatsächlich von einem Marktnarrativ abwich, das ausgesprochen negativ geworden war, sich aber nur schwach durch Fakten untermauern ließ.
Die wenig beachteten Unternehmen
Doch jenseits der bekannten Schwergewichte – der Drachen – wird es unserer Ansicht nach noch interessanter. Einer der großen Vorteile von Investments in Asien besteht darin, dass die Wahrnehmung makroökonomischer Risiken dazu geführt hat, dass viele hervorragende Unternehmen nur wenig analysiert werden und in den Portfolios vieler Anleger unterrepräsentiert sind.
Dadurch entsteht eine Informations- und Analyselücke: Für mehr als die Hälfte der Unternehmen im Asia-ex-Japan-Index gibt es nicht einmal Analystenschätzungen zum Gewinnwachstum über einen Zeitraum von fünf Jahren; zugleich erfassen die Analystenprognosen weniger als die Hälfte der extrem schnell wachsenden Unternehmen der Region. Genau darin liegt die Chance für einen spezialisierten, aktiven Asien-Manager.
Mehrere Unternehmen verdeutlichen dies:
Luckin hat Starbucks in China in den vergangenen Jahren übertroffen. Kein klassisches westliches Lehrbuch-Geschäftsmodell könnte das Unternehmen angemessen beschreiben: Luckin ist nicht einfach ein Konsumgüterunternehmen, das „Technologie nutzt und gut umsetzt“. Es ist vielmehr ein Technologieunternehmen, bei dem die Kundenbeziehungen über die App und durch Datenintelligenz vertieft werden, statt primär über physische Filialen. Aufgrund früherer Bilanzierungsprobleme werden die Aktien außerbörslich (OTC) gehandelt. Das Unternehmen ist nicht im Index vertreten, und die meisten Manager interessieren sich entweder nicht dafür oder scheuen das damit verbundene Risiko.
Chroma ATE ist ein taiwanisches Unternehmen, das Prüftechnologien und Testausrüstung anbietet. In hochentwickelten Industrien wie der Halbleiterbranche sind Tests in jedem Schritt von entscheidender Bedeutung: bei Design, Zerlegung, Ätzung und Packaging. Chroma ist vergleichbar mit dem Trainer, der Olympioniken auf ihren Wettkampf vorbereitet: zu 100 Prozent notwendig, aber normalerweise nicht im Rampenlicht. Weniger als 20 Prozent der vergleichbaren Asia-ex-Japan-Manager halten das Unternehmen.
Disziplinierte Geduld
Neben solchen verborgenen Perlen stellen zyklische Chancen einen weiteren häufig übersehenen Bereich dar. Rohstoffpreise sind volatil, Boom-and-Bust-Zyklen können brutal sein, Wachstumsprofile gelten traditionellen Growth-Managern oftmals als nicht „attraktiv“ genug, und insgesamt ist es schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Mehr als 30 Jahre Erfahrung in Schwellenländern und Asien haben uns jedoch gezeigt, dass es einen Weg gibt, daraus Kapital zu schlagen: Das Geheimnis besteht nicht darin, das Timing perfekt zu beherrschen, sondern darin, beim Timing diszipliniert vorzugehen.
Im Bergbau entstehen die besten Chancen häufig während Abschwungphasen oder zu Beginn einer Erholung, wenn die Rohstoffpreise niedrig sind, die kurzfristigen Gewinne schwach aussehen und die Kurs-Gewinn-Verhältnisse unverhältnismäßig hoch erscheinen. Überzeugung aufzubauen, wenn alles unattraktiv aussieht, erfordert die Fähigkeit, über Zyklen hinwegzublicken, echte makroökonomische Wendepunkte zu erkennen und geduldig darauf zu warten, dass sich die Investmentthese entfaltet.
MMG Ltd ist hierfür ein gutes Beispiel: ein mittelgroßes, in Hongkong börsennotiertes Bergbauunternehmen mit erstklassigen Kupferanlagen in Peru. Wir investierten 2020, als sich der Kupferpreis auf einem zyklischen Tiefstand befand. Unsere These beruhte nicht auf einer Preiserholung innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Vielmehr gingen wir davon aus, dass wir uns an einem Wendepunkt befanden und Kupfer in den kommenden Jahren – aufgrund umfangreicher Investitionen in neue Energieinfrastruktur bei gleichzeitig unzureichenden Investitionsausgaben im Bergbau – in ein strukturelles Angebotsdefizit geraten würde. Der Kupferpreis stieg 2021 kurzzeitig stark an, doch der Angebotsengpass entwickelte sich erst 2024 zu einem bedeutenden Faktor. Seitdem hat sich zunehmend ein Marktkonsens herausgebildet, und wir haben unsere Position entsprechend schrittweise reduziert.
Differenzierung in all ihren Formen
Ein durchgängiges Prinzip prägt unseren Ansatz seit drei Jahrzehnten: Was auch immer wir halten, wir müssen es auf Grundlage einer differenzierten Perspektive halten, wenn wir dauerhaft eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erzielen wollen. Diese Differenzierung kann sich in einer längeren Haltedauer, einer größeren Positionsgröße, in übersehenen Chancen oder in disziplinierten Verkäufen ausdrücken, wenn wir der Meinung sind, dass unsere differenzierte Sichtweise nicht mehr im gleichen Maße Bestand hat.
Unserer Erfahrung nach ist die Kraft des Zinseszinseffekts, die aus differenzierten Einschätzungen entstehen kann, nach wie vor sehr lebendig.
Wichtige Informationen
Dieser Artikel stellt keine unabhängige Finanzanalyse dar und unterliegt nicht den für unabhängige Finanzanalysen geltenden Schutzbestimmungen. Baillie Gifford und seine Mitarbeiter können mit den betreffenden Anlagen gehandelt haben. Die geäußerten Ansichten sind keine Tatsachenbehauptungen und sollten weder als Beratung noch als Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten einer bestimmten Anlage verstanden werden.
Baillie Gifford Investment Management (Europe) Ltd (BGE) ist von der Central Bank of Ireland als AIFM gemäß den AIFM Regulations sowie als OGAW-Verwaltungsgesellschaft gemäß der UCITS Regulation zugelassen. BGE verfügt zudem über aufsichtsrechtliche Genehmigungen zur Ausübung von Tätigkeiten im Bereich der individuellen Portfolioverwaltung. BGE erbringt Anlageverwaltungs- und Beratungsdienstleistungen für europäische, getrennt verwaltete Kundenmandate (mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs). BGE wurde als OGAW-Verwaltungsgesellschaft für die folgende OGAW-Dachgesellschaft bestellt: Baillie Gifford Worldwide Funds plc. BGE ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Baillie Gifford Overseas Limited, die ihrerseits vollständig im Besitz von Baillie Gifford & Co ist. Baillie Gifford Overseas Limited und Baillie Gifford & Co sind im Vereinigten Königreich von der Financial Conduct Authority zugelassen und werden von ihr beaufsichtigt.