Große PWM-Marktstudie 2020, Teil 1 Die liebe Not der Wealth Manager im Niedrigzins

Cover der 2020er der Private-Banking-Studie der Stephan Unternehmens- und Personalberatung: Wieder haben die Studienautoren rund 1.000 Private Banker zu Trends in ihrer Branche befragt  | © Stephan Unternehmens- und Personalberatung

Cover der 2020er der Private-Banking-Studie der Stephan Unternehmens- und Personalberatung: Wieder haben die Studienautoren rund 1.000 Private Banker zu Trends in ihrer Branche befragt Foto: Stephan Unternehmens- und Personalberatung

Im Rahmen der seit 1999 erscheinenden Wealth Management Studie befragt die Stephan- Unternehmens- und Personalberatung, Bad Homburg in ihrer aktuellen Ausgabe rund 1.050 Wealth Manager nach ihrer Meinung, wie gut (Privat-)Banken, unabhängige Vermögensverwalter und Family Offices diesen Herausforderungen gewachsen sind.

Das Ergebnis auf den Punkt gebracht: Je diverser und risikoaffiner der Anleger agiert, je höher also die Komplexität der Vermögensallokation ist, umso größer die Schwierigkeiten der Wealth-Management-Anbieter, diese umzusetzen. So zumindest die Einschätzung der Befragten. Das Leistungsversprechen einer oftmals postulierten ganzheitlichen Beratung, wozu auch ein Abheben im Investment-Management gegenüber Retail- und Affluent-Geschäft sowie Online-Banking gehört, scheint bei höheren Komplexitätsgraden zu wanken.

Der risikofreudige Kunde

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass risikofreudige Anleger mit einer global und nach ESG-Kriterien ausgerichteten Aktienquote von über 40 Prozent, einer hohen Anlagebereitschaft in Private-Debt- und Private Equity-Investments, einem Faible für sogenannte Liebhaber-Assets wie Kunst, Oldtimer und Uhren sowie einer geringen Gewichtung in Rentenanlagen und Liquidität nur unzureichend betreut werden können.

Auf die Frage, ob die Asset Allocation eines solchen, risikofreudigen Anlegers im eigenen Institut im Wesentlichen umgesetzt werden kann, antworteten lediglich 4 Prozent der befragten Private Banker und Wealth Manager mit „Ja“.  Über die Hälfte der Befragten gaben an, dass solch ein Anlegerprofil im eigenen Institut nur eingeschränkt bearbeitet werden könne. 43 Prozent gaben an eine solche Anforderung an die Vermögensallokation in ihrem Institut nicht leisten zu können.

Absolut risikoavers

Anders bei einem leichteren, weil risikoaversen Anleger: Dessen Rentenquote beträgt mehr als 30 Prozent und wird von Staatsanleihen dominiert. Die Immobilienquote liegt bei 27 Prozent, davon 85 Prozent in Direktanlagen und 15 Prozent in indirekten Immobilien-Investments. Die Aktienquote beläuft sich auf lediglich rund 10 Prozent. Besagte Liebhaber-Assets, Private Equity, Private Debt, Hedgefonds und sonstigen Real Assets spielen kaum eine Rolle. Drei Viertel der Befragten gaben an, dass ihr Institut die Umsetzung einer solchen Asset Allocation leisten könne.

Fazit

Die genannten Ergebnisse legen die Schlussfolgerung nahe, dass nicht wenige Wealth-Management-Institute den Anspruch ihrer vermögenden und hochvermögenden Kunden in Fragen der Vermögensallokation nicht oder nur unzureichend erfüllen können – zumindest wenn es um zeitgemäße Strategien im Niedrigzins geht. Lediglich eine in ihrer Komplexität und Struktur durchschnittlich herausfordernde Anlagestrategie können die meisten Instituten auf die Beine stellen.

Was vielen fehlt, ist eine klare und vor allem qualitative Abgrenzung des Wealth Managements zum Privatkundengeschäft und Online-Banking. In vielen Instituten scheint die Dienstleistung des Wealth Managements lediglich eine punktuell erweiterte Version des standardisierten Retail-Geschäftes zu sein. Das sollte nachdenklich machen.