Blackberry, iPhone & Co. Psychologen raten: Aktienkurse nur selten betrachten

Smartphones wie das iPhone erlauben es Anlegern die Entwicklung ihrer Aktie live mitzuverfolgen. Experten raten davon aber ab. | © Getty Images

Smartphones wie das iPhone erlauben es Anlegern die Entwicklung ihrer Aktie live mitzuverfolgen. Experten raten davon aber ab. Foto: Getty Images

Investoren können zwar durch Blackberry, iPhone und Co. praktisch pausenlos die sekündlichen Aktienkursschwankungen live miterleben. Doch genau davor warnen die Experten von Behavioural Finance.

Die Psychologen Kahnemann und Tversky fanden in ihrer jüngsten Studie heraus, dass das häufige Überprüfen der Aktienkurse auf Dauer arm und unglücklich macht.

Darin stellen sie zunächst einmal fest, wie Menschen den Erfolg einer Aktie  bemessen. Sie setzen immer den letzten Kurs mit jenem Kurs ins Verhältnis, den sie beim letzten Prüfungstermin festgestellt hatten. Und hierbei stellten sie fest, dass Verluste deutlich stärkere Emotionen beim Anleger auslösen als Gewinne.

Das Beispiel der Forscher sieht wie folgt aus: Man stelle sich eine Aktie vor mit einer erwarteten Rendite von 8 Prozent pro Jahr und einem erwarteten Risiko von 15 Prozent.

Wenn man den Aktienkurs nach einer Minute wieder abfragt, beträgt die Wahrscheinlichkeit einer tieferen Notierung fast 50 Prozent. Wiederholt man das einen Tag lang, ergibt man 241 gute und 239 unerfreuliche Erfahrungen. Was einen entsprechend stark emotional belastet. Was man vor allem spürt, ist die Volatilität der Aktie und nicht deren Rendite.

Die Chance einen Gewinn zu beobachten, liegt schon deutlich höher, wenn man den Aktienkurs nur einmal im Monat überprüft: bei 55,9 Prozent. Am besten wäre ein Check nur alle fünf Jahre, dann würde man nur in 8,1 Prozent aller Fälle einen Verlust feststellen müssen.

Anleger, die selten ihre Aktienkurse überprüfen, sind also zunächst einmal glücklicher. Hinzu kommt allerdings noch, dass die Gefahr von Fehlentscheidungen steigt, je häufiger man sich mit den Geldanlagen auseinandersetzt.

Investoren tendieren nämlich dazu, gute Investitionen zu früh und schlechte zu spät zu verkaufen. Weitere Studien belegen, dass dieses Verhalten bis zu 3 Prozent Performance im Jahr kostet. Auch institutionelle Investoren sind vor diesem Problem nicht geschützt und vergeben dadurch rund 1,5 Prozent Performance im Jahr. Zudem bringt jede Depot-Veränderung auch Handelskosten mit sich.

Wer sich dagegen aufgrund eines Hirnschadens nicht von Emotionen leiten lassen kann, hat das Problem nicht, belegen weitere Studien.

Daraus ziehen die Psychologen folgenden Schluss: Der ständige Zugang zu Daten bringt mehr Nachteile als Vorteile. Das Bauchgefühl bringt Anleger dazu, Veränderungen im Portfolio als viel wichtiger wahrzunehmen, als sie tatsächlich sind.

Die Experten raten dazu, ein mittel- oder langfristig ausgerichtetes Portfolio möglichst emotionslos und ohne große Eingriffe für sich arbeiten zu lassen. Möchte man nun aber doch auf Kursschwankungen reagieren, solle man zumindest noch eine Nacht darüber schlafen.