Prozessauftakt gegen Vermögensverwalter Alexander Seibold drohen drei Jahre Haft

Ihm wird Veruntreuung vorgeworfen, wofür möglicherweise drei Jahre Haft drohen: Alexander Seibold

Ihm wird Veruntreuung vorgeworfen, wofür möglicherweise drei Jahre Haft drohen: Alexander Seibold

In München hat der Prozess gegen Alexander Seibold begonnen. Dem Chef der insolventen Vermögensverwaltung Dr. Seibold Capital drohen drei Jahre Haft. Er muss sich wegen des Vorwurfs, zwei Millionen Euro veruntreut zu haben, vor dem Landgericht München II verantworten.

Das berichtet die Münchner Tageszeitung Merkur, die zwar Seibolds Namen in Verbindung mit dem Prozess nicht direkt nennt. Bei der anonymen Beschreibung vom 55-jährigen Chef einer Vermögenverwaltung in Tegernsee dürfte es sich allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit um Seibold handeln.

Im Ermittlungsverfahren soll Seibold eine Art Geständnis abgelegt haben. „Er hat eingeräumt, einen großen Fehler begangen zu haben“, berichtete ein Beamter als Zeuge vor Gericht. Seibold habe nicht gewusst, was ihn angetrieben hat. Zudem soll der 55-Jährige echte Reue gezeigt haben.

Seibolds Kunden waren vermögende Privatkunden, die zum Teil in den USA leben. Laut Staatsanwaltschaft kaufte er Anteile eines Anlegers auf, der samt Familie ausstieg – und zwar zu einem überhöhten Preis mit Geld eines anderen Kunden. Dadurch entstand ein Schaden in Höhe von 1,9 Millionen Euro.

Wie die unsauberen Geschäfte ans Tageslicht kamen, blieb im Prozess unklar. Am Donnerstag soll der Investor als Zeuge geladen sein, der noch rechtzeitig seine Anlage zurückzog. Möglicherweise könne er weitere Details zur Klärung beitragen, so der Bericht.

Im Rahmen der Finanzkrise 2008 rutschte der Wert der Fondsanteile von Dr. Seibodl Capital in etwa auf die Hälfte ab. Der 55-Jährige soll im Laufe der folgenden Jahre seine Kunden in dem Glauben gelassen haben, der Wertverlust könne wieder aufgeholt werden. Auch sein Ende 2012 aufgelegter Fonds Active Multiple Strategy rutschte sechseinhalb Monaten nach Auflegung um 25 Prozent ins Minus und führte im Mai 2013 die Liste der Verlierer-Produkte an.

Im Januar 2014 verhängte das Amtsgericht Wolfratshausen schließlich das vorläufige Insolvenzverfahren über die Vermögensverwaltung in Gmund am Tegernsee. Dr. Seibold Capital war nicht mehr in der Lage, seine Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften zu erfüllen, hieß es in einer Mitteilung der Bafin damals. Im Februar 2017 hatte die Staatsanwaltschaft München II rund zwei Jahre nach der Insolvenz die Anklageschrift gegen die Vermögensverwaltung eingereicht.