Prozess beginnt Jugendlicher verkauft Sparkasse Falschgold für 300.000 Euro

Nicht alles Gold, was glänzt: Gold in Münzen- und Barrenform, oben links in der Blisterpackung.  | © Getty Images

Nicht alles Gold, was glänzt: Gold in Münzen- und Barrenform, oben links in der Blisterpackung. Foto: Getty Images

Wären Image- und finanzieller Schaden nicht, hätten wohl selbst die Sparkassen-Verantwortlichen schmunzeln müssen: Ein damals 18-Jähriger kauft im Herbst 2016 wertloses Altmetall bei eBay, vergoldet es oder malt es teils sogar nur mit goldener Farbe an und kreuzt dann damit bei der Sparkasse Göttingen auf, um es als echtes Gold zu verkaufen.

Zunächst schöpft niemand Verdacht, im Gegenteil. Die Sparkasse kauft dem Realschul-Absolventen, der sich als aufstrebender Goldhändler darstellt, nicht nur die erste Charge von vier vermeintlichen Standard-Goldbarren, sondern in den folgenden Monaten neun weitere Lieferungen ab – am Ende für insgesamt mehr als 300.000 Euro.

Auf die Schliche kommt die Sparkasse dem Betrüger schließlich nicht etwa wegen des falschen Edelmetalls, sondern wegen Geldwäscheverdachts. Einem Bankmitarbeiter erscheint es seltsam, dass ein junger Mann mit derart hohen Vermögenswerten umgeht. Das verhindert zumindest, dass der Fall weiter eskaliert: Als die Mutter des Jungen, der heute 21 Jahre alt ist, der Sparkasse ebenfalls Falschgold verkaufen will, ist Schluss.

Mutter und Sohn müssen sich nun wegen Betrugs vor Gericht verantworten. Der Prozess, der Ende Oktober beginnt, ist bereits der zweite, nachdem ein erster im Sommer vergangenen Jahres für ein Gutachten ausgesetzt worden war. Bereits dieser erste Anlauf, von dem das „Göttinger Tageblatt“ zuerst berichtet hatte, hatte weitere Details zutage gefördert. So soll die Sparkasse den Jugendlichen nach Darstellung seines Anwalts mehrfach angerufen und nach weiteren Goldbarren gefragt haben.

Besonders pikant und für die Beweisführung schwierig: Einen Teil des Goldes soll die Sparkasse zudem bereits eingeschmolzen haben, womit potentiell verunreinigtes Edelmetall in Umlauf gekommen sein könnte. Weitere Goldbarren sollen zudem an die Nord LB weiterverkauft worden sein.

Ebenfalls im ersten Prozess hatte ausgerechnet ein Jurist der Sparkasse vorgeführt, wie leicht die Fälschungen zu entlarven gewesen wären, indem er die goldene Lasur schlicht abkratzte und darunter das wertlose Schwermetall zum Vorschein kam.

Zur kleinen Ehrenrettung der Sparkassen-Verantwortlichen sei jedoch nicht verschwiegen: Möglicherweise um genau das zu verhindern, hatte der vermeintliche Goldhändler alle Barren in handelsübliche sogenannte Blisterverpackungen eingeschweißt und die Täuschung so noch echter wirken lassen.