Professor Scott Galloway Rede zum OMR-Start – Zwischen Trefferquote und Thesenfeuerwerk

Professor Scott Galloway, Stern School of Business der New York University

Professor Scott Galloway, Stern School of Business der New York University, spricht auf der OMR. Bildquelle: Imago, Eventpress

Prognosen sind ein undankbares Geschäft. Entweder sie treten nicht ein oder sie wirken, wenn sie eintreten, plötzlich banal. 

Professor Scott Galloway, New York University
Professor Scott Galloway prüft in seiner Eröffnungsrede auf der OMR seine These für 2025. | Bildquelle: Malte Dreher, OMR

Scott Galloway kennt dieses Dilemma bestens. Umso bemerkenswerter: Seine Vorhersagen für 2025 lagen so oft richtig, wie selten zuvor.

Er setzte auf Alphabet und bekam ein klassisches Bewertungsargument bezahlt. Die Aktie lief. Er erkannte früh die Machtachse aus Open AI und Nvidia, das moderne Pendant zu „Wintel“. Auch das traf zu.

Software wurde „agentisch“, Podcasts wuchsen schneller als klassische Werbeplattformen, und Youtube festigte seine Stellung als dominierende Medienplattform. Selbst bei geopolitischen Kapitalströmen lag Galloway richtig: Schwellenländer schlugen erstmals seit fast zwei Jahrzehnten die USA.

 

Und dann war da noch seine vielleicht provokanteste Diagnose: 2025 sei politisch vom „Chemikalienfaktor Testosteron“ geprägt gewesen. Junge Männer fühlten sich ökonomisch abgehängt und sozial übersehen – ein Stimmungsbild, das politische Folgen hatte, nicht zuletzt bei der Wiederwahl von Donald Trump.

Professor Scott Galloway hält die Eröffnungsrede der OMR 2026. Rechts neben ihm Moderator Kai Pflaume. | Bildquelle: Malte Dreher, OMR

Kurz: selten so viele Treffer. Was, so Galloway selbstironisch, nur eines bedeutet – die Prognosen für 2026 werden vermutlich schlechter.

Galloways Vorschau für 2026 schwankt zwischen KI-Realismus und gesellschaftlichem Sprengstoff:

1. Die KI-Euphorie bekommt Risse

Die große KI-Erzählung stößt an Grenzen. Nicht technologisch – sondern gesellschaftlich. Rechenzentren, das Rückgrat der KI, werden zunehmend zum politischen Problem: hoher Energieverbrauch, steigende Strompreise, kaum lokale Jobs. Widerstand formiert sich.

Gleichzeitig bröckelt die Dominanz einzelner Player. Neben Open AI drängen neue Anbieter in den Markt, etwa Anthropic. Der Wettbewerb verschärft sich – und die Erwartungshaltung könnte sich als zu hoch erweisen.

2. Der wahre Gewinner: Anwendung statt Infrastruktur

Nicht die KI selbst, sondern ihre Anwendung wird den größten Wert schaffen. Galloways Favorit: Amazon. Warum? Weil das Unternehmen bereits heute über eine der größten Robotik-Flotten der Welt verfügt und Effizienzgewinne in der Logistik realisieren kann, von denen andere bislang nur sprechen. KI wird hier nicht diskutiert – sie wird umgesetzt.

3. Der nächste Billionenmarkt liegt im All

Sinkende Startkosten verändern die Raumfahrt grundlegend. Einst staatliche Prestigeprojekte – heute kommerzielle Spielwiese der Tech-Milliardäre.

Dominant bleibt Space X von Elon Musk. Doch auch hier sieht Galloway Bewegung. Neue Anbieter könnten aufholen. Der Markt wächst schnell genug für mehrere Gewinner – vor allem im Bereich Verteidigung und Infrastruktur.

4. Hollywood vor der Disruption

Die Unterhaltungsindustrie steht vor einem radikalen Umbau. Filme mit Tausenden Beteiligten wirken im Vergleich zu KI-gestützter Produktion zunehmend ineffizient.

Podcasts zeigen bereits, wie Inhalte mit einem Bruchteil der Kosten produziert werden können. Die Konsequenz: weniger Jobs, mehr Automatisierung und ein struktureller Wandel in Hollywood.