Von hochentwickelten Drohnen und KI-gestützten Systemen bis hin zu Cybersicherheitslösungen und neuen Dual-Use-Technologien – privates Kapital ist der wesentliche Motor dieser Entwicklungen. Zu diesem Schluss kommt Loredana Muharremi, Aktienanalystin bei Morningstar, und blickt voraus: „Diese dynamische und sich schnell entwickelnde Branche verspricht enormes Potenzial, dessen volles Ausschöpfen durch verstärkte Zusammenarbeit und strategische Konsolidierung erreicht werden könnte.“ Letzteres gilt wohl insbesondere für die stark fragmentierte Verteidigungsbranche in Europa.
Technologischer Wandel durch private Investitionen
Das Kapital aus den Privatmärkten fließt hauptsächlich in innovative Spitzentechnologien wie Drohnen, KI-gestützte Systeme und Cybersicherheit. Die Pluspunkte liegen dabei in den Dual-Use-Anwendungen, also militärisch und zivil, der Skalierbarkeit der Lösungen und den kürzeren Markteinführungszeiten. „Startups, die sich auf KI-gestützte unbemannte Systeme, Cyber-Resilienz und modulare Lösungen spezialisiert haben, gewinnen schnell an Bedeutung. Unternehmen wie Helsing, Anduril und Aerovironment verdrängen traditionelle Platzhirsche in Nischenbereichen“, sagt Muharremi.
Grafik 1: Defense-Startups in den USA
Regionale Ungleichgewichte und Europas Nachholbedarf
Trotz des globalen Trends gibt es ein deutliches regionales Ungleichgewicht. Der Großteil des privaten Verteidigungskapitals konzentriert sich auf die USA, während weniger nach Europa und nur ein kleiner Teil in Schwellenmärkte fließt. Die Vereinigten Staaten bleiben der klare Vorreiter bei der Integration von privatem Kapital in die Verteidigungsinnovation, bestätigt auch die Morningstar-Analystin.
Europa mache zwar stetige Fortschritte, angetrieben durch Nato-Politik und die jüngsten Steigerungen der europäischen Verteidigungsausgaben, so Muharremi, dennoch bestehe weiterhin ein erheblicher Bedarf an struktureller Unterstützung, um die Lücke bei öffentlichen und privaten Verteidigungsinvestitionen zu schließen.
Grafik 2: Defense-Startups in Europa
„Frühe Marktführer haben einen Wettbewerbsvorteil in innovationsreichen Märkten wie etwa der Verteidigung des Meeresbodens und Drohnen“, erklärt Muharremi das besondere Investoreninteresse an Startups.
Wagniskapital und die Rolle von Startups
Die USA führen wenig überraschend auch bei der Startup-Dichte in kritischen Bereichen wie Drohnen, Luftfahrt und Cyber-Technologien. Nato-Initiativen fördern derweil Europas Beteiligung an mehr Gründungsaktivitäten. Seit dem Ausbruch des Russland-Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2022 ist ein Anstieg strategischer Akquisitionen zu beobachten.
Branchenführer erwerben Technologie-Startups, um Zugang zu neuartigen Lösungen zu erhalten. Im Gegenzug profitieren Startups vom Zugang zu langfristigen Beschaffungsverträgen und gesteigerter Glaubwürdigkeit.
„Interessanterweise haben die durchschnittlichen Deal-Größen trotz geringerer Transaktionszahlen erheblich zugenommen, was auf steigende Budgets und die Skalierbarkeit technologieorientierter Unternehmungen zurückzuführen ist“, urteilt Muharremi. EU-Anreize wie der Critical Raw Materials Act und erhöhte Nato-Haushaltszusagen könnten Wagniskapital-Startups ermutigen, sich auf Dual-Use-Produkte zu konzentrieren, was zusätzliche Wege für Private Equity und Venture Capital eröffne.
Aufgabe: Strategisch konsolidieren
Im Gegensatz zum konsolidierten US-Markt bleibt Europas Verteidigungsmarkt fragmentiert und wird von zahlreichen kleineren, nationalen Unternehmen dominiert. Eine stärkere Konsolidierung könnte die Beschaffung optimieren und das Interesse von Kapitalgebern steigern, erwartet die Morningstar-Expertin. Initiativen wie die Europäische Verteidigungsindustriestrategie (EDIS) zielen bereits darauf ab, den Markt zu vereinheitlichen und den Weg für privat kapitalgetriebene Konsolidierungen zu ebnen.
Der IPO-Markt: Ein Blick in die Zukunft
Auch der IPO-Markt im Verteidigungssektor zeigt Muharremi zufolge erste Anzeichen eines Aufschwungs. Die Prognosen stimmten jedoch optimistisch: „IPOs nehmen zu, wenn auch langsam. Und wir glauben, dass der Schwung gerade erst beginnt. Der IPO-Markt ist für einen Anstieg des Aktivitätsvolumens in den kommenden Jahren positioniert, unterstützt durch strukturelle Ausgabensteigerungen und eine gesunde private Pipeline, die durch erhöhte Venture-Capital- und Private-Equity-Investitionen aufgebaut wird. Es wird erwartet, dass die Zunahme der Aktivität in den kommenden Jahren beschleunigt wird, und dies ist sicherlich ein Bereich, den man genau beobachten sollte.“
Die Aktienanlystin ist überzeugt, dass private Investitionen und Wagniskapital eine treibende Kraft hinter der Innovation im globalen Verteidigungssektor bleiben: „Die Zukunft verspricht weiterhin ein dynamisches Wachstum, das von strategischen Akquisitionen, steigenden Budgets und einem zunehmenden IPOs getragen wird.“ Während die USA die Führung noch inne haben, arbeite Europa daran, seine Position zu stärken.