Private Markets Wie Fonds die Finanzierungslücken der Verteidigungsbranche schließen können

Stefan Thevajegan leitet den Bereich Sales & Product Management bei Hansainvest. 

Stefan Thevajegan leitet den Bereich Sales & Product Management bei Hansainvest.  Bildquelle: Hansainvest

Wenn es um die Finanzierung europäischer Sicherheit geht, kreisen die Debatten häufig um Verteidigungsbudgets der Staaten, um EU-Mittel und hin und wieder vielleicht noch um die Aktienkurse von Unternehmen wie Rheinmetall oder BAE Systems. Aber auf die Frage nach der weiteren Mobilisierbarkeit von Kapital gibt es auch noch eine weitere Antwort – die in Europa im internationalen Vergleich aber selten gegeben wird.

Vom Kapitalproblem zur Strukturfrage

Denn abseits der Budgets aus der öffentlichen Hand und der Aktienmärkte schlummert zwar Kapital. Es zeigt sich aber, dass Europa im Bereich spezialisierter Fonds- und Private-Market-Strukturen für Sicherheit und Verteidigung noch kein breites und tief verwurzeltes Ökosystem ausgebildet hat.

Das hat auch die Europäische Kommission erkannt und will mit der Neuauflage der „Defence Equity Facility“ (Defence Equity Facility 2.0) mindestens eine Milliarde Euro Ankerkapital für private Märkte in einer Fund-of-Funds-Struktur bereitstellen. Die politische Rückendeckung scheint gegeben, aber trotzdem fehlt es noch an einer kritischen Menge an skalierbaren Vehikeln, die institutionelles Kapital effizient in sicherheitsrelevante Innovation, Infrastruktur und industrielle Kapazitäten übersetzen.

 

Pensionskassen, Versicherungen und langfristig orientierte Asset Owner verfügen dabei über erhebliche Mittel, die grundsätzlich auch für sicherheits- und verteidigungsbezogene Investments in Frage kommen.

Die Fondsindustrie als strategischer Akteur

Wenn das Ökosystem wachsen soll, muss das auch die Rolle der Fondsindustrie. Asset Manager waren bisher reine Intermediäre. In der europäischen Sicherheitsarchitektur sind sie aber als aktive Mitgestalter gefordert. Diese Funktion ist neu in ihrer strategischen Bedeutung.

Ihre Aufgabe besteht in dieser Branche nicht nur darin, Kapital zu bündeln und zu allokieren, sondern investierbare Eintrittsmöglichkeiten zu einem für Institutionelle bisher eingeschränkt zugänglichen Sektor zu schaffen. Sie fungieren damit als Brückenbauer zwischen institutionellem Kapital und sicherheitsrelevanten Unternehmen vom etablierten Industrieakteur bis hin zu hochspezialisierten Technologieunternehmen in unterschiedlichen Reifestufen.

Die Fondsindustrie kann hier als komplementärer Akteur im Finanzierungsökosystem agieren. Während viele Verteidigungsunternehmen von Finanzierungshürden bei klassischen Banken berichten, können spezialisierte Fonds diese Lücke schließen, da sie flexibel, marktnah und zugleich regulatorisch anschlussfähig an die Anforderungen institutioneller Investoren sind. Zunächst müssen die Akteure dafür geeignete Strukturen schaffen, die entsprechende Anlageprodukte überhaupt marktfähig machen. Erst dann geht es um die Auflegung neuer Fonds.

Ein denkbares Modell wären Joint Ventures zwischen Industrieunternehmen und Asset Managern: Asset Manager bringen ihr Strukturierungs-Know-how, ihre regulatorische Expertise und ihre Erfahrung in der Entwicklung investorenfähiger Produkte ein. Die Industriepartner liefern das notwendige Fachwissen und stärken in einem komplexen Markt die Glaubwürdigkeit der Angebote. Solche Strukturen können Vertrauen und Sicherheit für alle Beteiligten schaffen – einschließlich der Kapitalverwaltungsgesellschaften, die die Produkte auflegen und letztlich verantworten.

Neue sicherheitsrelevante Wertschöpfung jenseits klassischer Rüstung

Die Dynamik dieses Marktes verschiebt sich dabei zunehmend: Neben klassischen Rüstungsindustrien – in denen die staatlichen Budgets die Nachfrage bestimmen – kommen weitere Säulen dazu. Relevante Player sind hier vor allem technologiegetriebene Segmente mit hohen Dual-Use-Anteilen wie Cybersecurity, Künstlicher Intelligenz, Satelliten- und Kommunikationstechnologien sowie Sensorik- und Robotik.