Der deutsche Private-Equity-Markt (PE) hat im zweiten Quartal 2026 einen Exit-Wert von 38,2 Milliarden Euro erreicht – das stärkste Quartal der vergangenen fünf Jahre. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Trendwende nach mageren Jahren. Der Eindruck täuscht.
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Der deutsche Private-Equity-Markt (PE) hat im zweiten Quartal 2026 einen Exit-Wert von 38,2 Milliarden Euro erreicht – das stärkste Quartal der vergangenen fünf Jahre. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Trendwende nach mageren Jahren. Der Eindruck täuscht.
Denn hinter dem Rekord steht im Wesentlichen eine einzige Transaktion: Der finnische Konzern Kone übernahm den Aufzughersteller TK Elevator für 29,4 Milliarden Euro. Allein dieser Deal macht rund drei Viertel des Quartalswerts aus. Ein ähnliches Muster zeigt die Deal-Seite: Der PE-Transaktionswert kletterte auf 20 Milliarden Euro, ein Plus von 97,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal – doch zwei Käufe, die Übernahme der Volkswagen-Tochter Everllence durch Bain Capital (7,4 Milliarden Euro) und Tritons Kauf von Flender (3 Milliarden Euro), stehen für gut die Hälfte davon.
Auch im Venture Capital (VC) trügt die Oberfläche. Der Investitionswert sank zwar um 45 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro, liegt damit aber nahe am Quartalsdurchschnitt seit 2021. Getragen wird das Geschäft zunehmend von zwei Themen: Verteidigung und Künstliche Intelligenz (KI). Der Rüstungsentwickler STARK sammelte 500 Millionen Euro bei einer Bewertung von 3,5 Milliarden Euro ein, der Raketenbauer Isar Aerospace 270 Millionen Euro. In KI-Unternehmen flossen im ersten Halbjahr bereits 3,8 Milliarden Euro – mehr als im gesamten Jahr 2025.
Die Spitzenwerte im Venture Capital würden derzeit von Verteidigung und KI getragen, und dies dürfte sich im zweiten Halbjahr fortsetzen, schreibt Nalin Patel, Leiter des Bereichs EMEA Private Capital Research bei Pitchbook.
Standortvergleich: Berlin trägt das deutsche Ökosystem
Regional bleibt die Aktivität stark konzentriert. Über den Zeitraum 2016 bis 2026 kommt Berlin auf einen kumulierten VC-Deal-Wert von 36,1 Milliarden Euro aus 3.777 Finanzierungsrunden und führt die deutschen Standorte damit mit Abstand an, gefolgt von München (14,1 Milliarden Euro aus 1.569 Runden).
Im europäischen Vergleich rangiert Berlin beim VC-Deal-Wert hinter London (131,7 Milliarden Euro) und Paris (47,2 Milliarden Euro) auf Rang drei – jeweils kumuliert über den Zehnjahreszeitraum. Über die reinen Quartalszahlen hinaus ordnet Studienautor Patel Deutschlands Rolle im internationalen Vergleich ein:
„Die Platzierung Deutschlands zeigt, dass es nach wie vor das zweitstärkste VC-Ökosystem in Europa hinter Großbritannien ist. Zwar ist Deutschland aufgrund seiner Gesamtpunktzahl in der globalen Rangliste um einen Platz zurückgefallen, belegt aber immer noch den fünften Platz und zählt damit zu den bedeutendsten Zentren weltweit. Auch pro Kopf schneidet Deutschland angesichts der hohen Bevölkerungszahlen Chinas und Indiens gut ab“, sagt Patel gegenüber dem private banking magazin.
Wer stellt das Kapital?
So weit die Zuflüsse in den Markt. Auf der Kapitalseite zeichnet die Studie ein gegenteiliges Bild – und hier liegt die eigentliche Geschichte. Das Fundraising der deutschen PE-Fonds ist nahezu zum Erliegen gekommen: Im ersten Halbjahr 2026 sammelten lediglich zwei Fonds zusammen 600 Millionen Euro ein. Zum Vergleich: 2025 waren es 2,9 Milliarden Euro über sieben Fonds. Sowohl das eingeworbene Kapital als auch die Zahl der Fondsschließungen sinkt bei deutschen PE-Fonds seit 2023 Jahr für Jahr.
Im Venture Capital fällt der Rückgang weniger drastisch aus, doch auch hier lässt das Fundraising nach. Elf Fonds warben im ersten Halbjahr 1,2 Milliarden Euro ein – 2025 waren es 3 Milliarden Euro über 23 Fonds. Der größte Abschluss war der Earlybird DWES Fund VIII mit 360 Millionen Euro. Entsprechend schrumpft das sogenannte Dry Powder, das noch nicht investierte Kapital: Es fiel von 9 Milliarden Euro (2024) auf 6,9 Milliarden Euro (2025).
Wird das Kapital knapper, rückt die Frage in den Vordergrund, wer es überhaupt bereitstellt. Auf der Geberseite im VC dominieren staatsnahe Institutionen: Über die Jahre 2021 bis 2026 ist der Europäische Investitionsfonds (EIF) mit 45 Zusagen der größte Kapitalgeber (Limited Partner) für deutsche VC-Fonds, gefolgt von NRW Bank und KFW Capital mit je zwölf.
Auch bei den nach Investitionszahl aktivsten VC-Investoren desselben Zeitraums führen mit High-Tech Gründerfonds (298), Innovationsstarter (222) und Bayern Kapital (140) durchweg öffentlich getragene Häuser. Im PE-Segment ist das Bild internationaler: Aktivster Investor ist der Schweizer Sponsor Ufenau Capital Partners (133), vor dem schwedischen Haus EQT (90). Die Abhängigkeit von öffentlichen und ausländischen Geldgebern verschärft die Frage, woher künftiges Wachstumskapital kommen soll.
Deal-Struktur: getrieben von Großtransaktionen und US-Kapital
Die Konzentration auf wenige Großdeals spiegelt sich auch in den Kennzahlen. Der mittlere PE-Buyout-Wert sprang im ersten Halbjahr 2026 auf 200 Millionen Euro, nach 55,4 Millionen Euro im Gesamtjahr 2025 – ein Beleg dafür, wie stark einzelne Milliardentransaktionen die Statistik prägen. Zugleich hängt der deutsche PE-Markt überdurchschnittlich an US-Kapital: Über den Zeitraum 2021 bis 2026 waren an 34,0 Prozent des PE-Deal-Werts US-Investoren beteiligt – der zweithöchste Wert in Europa hinter Großbritannien (45,4 Prozent).
Aktienmarkt: die Schwäche setzt sich fort
Der Kontrast zwischen glänzenden Einzelmeldungen und struktureller Zurückhaltung zeigt sich auch am Kapitalmarkt. Der DAX 40 verbuchte per Ende Juni eine Rendite von 2,1 Prozent seit Jahresbeginn – der schwächste Wert unter den beobachteten Indizes. Der italienische MIB 40 kam auf 15,0 Prozent, der S&P 500 auf 10,2 Prozent, der STOXX Europe 600 auf 8,4 Prozent. Innerhalb des DAX klaffen die Sektoren weit auseinander: Versorger legten seit Jahresbeginn 21 Prozent zu, während Konsumgüter 13 Prozent verloren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Index lag im zweiten Quartal bei 18,4.
Für Vermögensverwalter und institutionelle Investoren ergibt sich daraus ein Spannungsfeld. Während bestehende Beteiligungen derzeit über Rekord-Exits Liquidität zurückspielen und einzelne Sektoren wie Verteidigung und KI hohe Bewertungen erzielen, wird zugleich immer weniger frisches Kapital für künftige Investitionen eingesammelt. Sollte die Fundraising-Flaute anhalten, ließe sich argumentieren, dass die heutigen Deal- und Exit-Rekorde weniger den Beginn eines neuen Zyklus markieren als das Abarbeiten eines schrumpfenden Bestands – eine Einordnung, die über die reinen Studiendaten hinausgeht.