Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an professionelle Investoren. Bitte melden Sie sich daher einmal kurz an und machen einige berufliche Angaben. Geht ganz schnell und ist selbstverständlich kostenlos.
Wer stellt das Kapital?
So weit die Zuflüsse in den Markt. Auf der Kapitalseite zeichnet die Studie ein gegenteiliges Bild – und hier liegt die eigentliche Geschichte. Das Fundraising der deutschen PE-Fonds ist nahezu zum Erliegen gekommen: Im ersten Halbjahr 2026 sammelten lediglich zwei Fonds zusammen 600 Millionen Euro ein. Zum Vergleich: 2025 waren es 2,9 Milliarden Euro über sieben Fonds. Sowohl das eingeworbene Kapital als auch die Zahl der Fondsschließungen sinkt bei deutschen PE-Fonds seit 2023 Jahr für Jahr.
Im Venture Capital fällt der Rückgang weniger drastisch aus, doch auch hier lässt das Fundraising nach. Elf Fonds warben im ersten Halbjahr 1,2 Milliarden Euro ein – 2025 waren es 3 Milliarden Euro über 23 Fonds. Der größte Abschluss war der Earlybird DWES Fund VIII mit 360 Millionen Euro. Entsprechend schrumpft das sogenannte Dry Powder, das noch nicht investierte Kapital: Es fiel von 9 Milliarden Euro (2024) auf 6,9 Milliarden Euro (2025).
Wird das Kapital knapper, rückt die Frage in den Vordergrund, wer es überhaupt bereitstellt. Auf der Geberseite im VC dominieren staatsnahe Institutionen: Über die Jahre 2021 bis 2026 ist der Europäische Investitionsfonds (EIF) mit 45 Zusagen der größte Kapitalgeber (Limited Partner) für deutsche VC-Fonds, gefolgt von NRW Bank und KFW Capital mit je zwölf.
Auch bei den nach Investitionszahl aktivsten VC-Investoren desselben Zeitraums führen mit High-Tech Gründerfonds (298), Innovationsstarter (222) und Bayern Kapital (140) durchweg öffentlich getragene Häuser. Im PE-Segment ist das Bild internationaler: Aktivster Investor ist der Schweizer Sponsor Ufenau Capital Partners (133), vor dem schwedischen Haus EQT (90). Die Abhängigkeit von öffentlichen und ausländischen Geldgebern verschärft die Frage, woher künftiges Wachstumskapital kommen soll.
Deal-Struktur: getrieben von Großtransaktionen und US-Kapital
Die Konzentration auf wenige Großdeals spiegelt sich auch in den Kennzahlen. Der mittlere PE-Buyout-Wert sprang im ersten Halbjahr 2026 auf 200 Millionen Euro, nach 55,4 Millionen Euro im Gesamtjahr 2025 – ein Beleg dafür, wie stark einzelne Milliardentransaktionen die Statistik prägen. Zugleich hängt der deutsche PE-Markt überdurchschnittlich an US-Kapital: Über den Zeitraum 2021 bis 2026 waren an 34,0 Prozent des PE-Deal-Werts US-Investoren beteiligt – der zweithöchste Wert in Europa hinter Großbritannien (45,4 Prozent).
Aktienmarkt: die Schwäche setzt sich fort
Der Kontrast zwischen glänzenden Einzelmeldungen und struktureller Zurückhaltung zeigt sich auch am Kapitalmarkt. Der DAX 40 verbuchte per Ende Juni eine Rendite von 2,1 Prozent seit Jahresbeginn – der schwächste Wert unter den beobachteten Indizes. Der italienische MIB 40 kam auf 15,0 Prozent, der S&P 500 auf 10,2 Prozent, der STOXX Europe 600 auf 8,4 Prozent. Innerhalb des DAX klaffen die Sektoren weit auseinander: Versorger legten seit Jahresbeginn 21 Prozent zu, während Konsumgüter 13 Prozent verloren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Index lag im zweiten Quartal bei 18,4.
Für Vermögensverwalter und institutionelle Investoren ergibt sich daraus ein Spannungsfeld. Während bestehende Beteiligungen derzeit über Rekord-Exits Liquidität zurückspielen und einzelne Sektoren wie Verteidigung und KI hohe Bewertungen erzielen, wird zugleich immer weniger frisches Kapital für künftige Investitionen eingesammelt. Sollte die Fundraising-Flaute anhalten, ließe sich argumentieren, dass die heutigen Deal- und Exit-Rekorde weniger den Beginn eines neuen Zyklus markieren als das Abarbeiten eines schrumpfenden Bestands – eine Einordnung, die über die reinen Studiendaten hinausgeht.