Investoren, die in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren aktiv waren, erinnern sich vielleicht daran, dass viele der heutigen Großkonzerne, darunter Apple, Cisco, Adobe und Amazon, relativ früh in ihrer Entwicklung an die Börse gingen. Das hat sich verändert.
SpaceX ist im Juni an der Nasdaq gelistet worden, nach vielen Jahren als eines der wertvollsten Privatunternehmen der Welt. Anthropic und OpenAI, zwei der heute höchstbewerteten Privatunternehmen, haben jeweils vertraulich Unterlagen bei der SEC eingereicht – ein deutliches Signal, dass beide mögliche Börsengänge vorbereiten, auch wenn noch kein Datum genannt wurde. Diese Beispiele veranschaulichen einen breiteren Trend, wonach Wertschöpfung zunehmend vor dem Börsengang stattfindet.
Gemäß unseren Recherchen verbrachte ein durchschnittliches Unternehmen im Jahr 1999 vor dem Börsengang rund vier Jahre in den privaten Märkten und ging in der Regel mit einer Marktkapitalisierung von knapp 500 Millionen US-Dollar an die Börse. Zwischen 2021 und 2025 blieb ein durchschnittliches Unternehmen mehr als zwölf Jahre lang privat und ging mit einer durchschnittlichen Marktkapitalisierung von rund 1,8 Milliarden US-Dollar an die Börse.
Regulatorische Änderungen, vor allem der Jobs Act von 2012 in den USA, öffneten die private Kapitalaufnahme für einen breiteren Investorenkreis. Unternehmen erhielten so besseren Zugang zu Kapital, um Wachstum und Expansion zu finanzieren, und blieben länger privat.
Der private Markt dominiert
Heute befinden sich rund 78 Prozent der US-Unternehmen mit mehr als 100 Millionen US-Dollar Umsatz in Privatbesitz. Die Zahl der privaten Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar stieg von einem einzigen Unternehmen im Jahr 2010 auf über 1.400 bis Mitte 2026 (siehe Grafik unten). Da Innovation und Wertschöpfung zunehmend in den privaten Märkten stattfinden, könnten Investorinnen und Investoren ohne Zugang zu diesen Unternehmen die nächste Welle transformativen Wachstums verpassen.
Private Unternehmen steigern ihren Wert
GAM, Liberty Street Advisors, Pitchbook, Stand: 30. Juni 2026 (links); CB Insights, Stand: 30. Juni 2026 (rechts).
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Ein Großteil der Rendite entsteht vor dem Börsengang
Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang Late-Stage-Unternehmen, die bereits von führenden globalen Risikokapitalgebern unterstützt werden und über eine etablierte Unternehmensführung, bewährte Geschäftsmodelle und nennenswerte Umsätze verfügen. Diese Unternehmen sind in der Regel zwei bis fünf Jahre von einem möglichen Liquiditätsereignis in Form eines Börsengangs oder einer Übernahme entfernt.
Diese Gruppe unterscheidet sich deutlich vom Zeithorizont zehn bis fünfzehn Jahre traditioneller VC-Fonds. Die Unternehmen sind reifer, verfügen über konkrete Produkte, einen etablierten Kundenstamm und klare Wachstumspfade.
Eine Analyse von mehr als 800 US-Unternehmen, die durch Venture Capital finanziert wurden und über einen Zeitraum von 16 Jahren an die Börse gegangen sind zeigt folgendes: Eine Investition in der jüngsten privaten Finanzierungsrunde, gehalten bis sechs Monate nach dem Börsengang, erzielte im Durchschnitt eine Rendite von rund 250 Prozent. Investoren, die zum IPO einstiegen, kamen im gleichen Zeitraum nur auf durchschnittlich 16 Prozent. Wer am ersten Handelstag kaufte, verzeichnete im Schnitt eine negative Rendite.
Die letzte private Runde ist zudem die letzte Gelegenheit, vor dem Börsengang zu einem Kurs des privaten Marktes einzusteigen. Wer ein oder zwei Runden früher investiert, kann zu einem niedrigeren Einstiegspreis zeichnen und einen größeren Anteil der späteren Wertsteigerung mitnehmen – bei entsprechend höherem Risiko.
Grafik: Wertentwicklung nach Börsengang
GAM, Liberty Street Advisors, PitchBook, Y-Charts, Nasdaq, SEC EDGAR. Stichprobe: 830 ehemals VC-finanzierte US-Privatunternehmen, die zwischen dem 1. Januar 2010 und dem 31. März 2026 an der New York Stock Exchange oder an der Nasdaq einen Börsengang vollzogen haben. Die Preise der letzten privaten Finanzierungsrunde sind um spätere Aktiensplits bereinigt, um angemessene Vergleiche zu ermöglichen. Die Analyse verfolgt die Kursentwicklung einer einzelnen Aktie ab der letzten privaten Finanzierungsrunde und berücksichtigt daher weder Steuern noch Verwaltungs- oder Performancegebühren, die mit Investitionen in privaten Märkten verbunden sein können. Die vergangene Wertentwicklung ist kein Indikator für künftige Wertentwicklungen oder Trends.
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Diese Ergebnisse stützen die Auffassung, dass ein bedeutender Teil der Wertschöpfung heute stattfindet, solange Unternehmen noch privat sind. SpaceX veranschaulicht dieses Muster besonders klar. Das Unternehmen ging am 12. Juni zu einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie an die Börse, was einer Bewertung von rund 1,78 Billionen US-Dollar entspricht.
Das ist mehr als das Achtfache der Bewertung von rund 210 Milliarden US-Dollar, die im Tender Offer vom Juni 2024 – etwa zwei Jahre vor dem Börsengang – festgesetzt worden war. Der Handel verläuft seit dem IPO volatil und spiegelt die Preisfindung wider, die den Übergang vom privaten zum öffentlichen Markt typischerweise begleitet.
Der Börsengang ist nicht das Ende der Geschichte
Die Geschichte ist natürlich nicht zwangsläufig zu Ende, sobald ein Unternehmen an die Börse geht. Jedes Unternehmen muss weiterhin anhand seiner eigenen Fundamentaldaten bewertet werden. Die eigentliche Frage beim Börsengang lautet, ob das Unternehmen seine Strategie weiter umsetzen, seine Bewertung im Zeitverlauf rechtfertigen und bei den Anlegern am öffentlichen Markt Glaubwürdigkeit aufbauen kann.
Auch SpaceX wird sich in den kommenden Quartalen an diesen Maßstäben messen lassen müssen. Über die aktuell an den Markt drängenden Unternehmen hinaus zeichnet sich eine tiefere Pipeline großer, wachstumsstarker Privatunternehmen ab, die in den kommenden Jahren an die Börse gehen könnten.
Größe, Wachstum und ein klarer Weg zur Profitabilität
Die für die nächste Welle von Börsengängen am besten positionierten Unternehmen teilen mehrere Merkmale: relevante Größe, anhaltendes Umsatzwachstum, verbesserte Margen, starke Kundennachfrage und einen klaren Weg zur Profitabilität. Ebenso wichtig ist ein Geschäftsmodell, das öffentliche Investoren rasch verstehen und bewerten können.
Während derzeit vor allem künstliche Intelligenz und Raumfahrt viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, reichen die Chancen über weitere Sektoren – darunter Verteidigungstechnologie, Automatisierung und Fintech. Das Portfolio von Liberty Street Advisors ist darauf ausgelegt, Zugang zu diesem Segment der privaten Märkte zu bieten.
Der Fokus liegt auf Late-Stage-Unternehmen mit etablierten Kunden, nennenswerten Umsätzen und Technologien, die zur kritischen Infrastruktur ganzer Märkte werden. Das spiegelt sich bereits im gesamten Portfolio wider: Es bietet Zugang zu Unternehmen mit genau diesen Merkmalen und gibt Investoren die Möglichkeit, an der Wertschöpfung teilzuhaben, lange bevor diese Unternehmen an den öffentlichen Markt kommen.
Über die Autorin:
Jennifer Pruitt ist Vice President bei Liberty Street Advisors. Pruitt hat zehn Jahre Erfahrung mit Finanzdienstleistungen und Investmentmanagement. In den vergangenen sechs Jahren konzentrierte sie sich auf Investitionen in Venture-Capital-finanzierte Unternehmen .