„Vergangene Performance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse“ – dieser Disclaimer gehört zu den Standardsätzen der Kapitalanlage. Er ist berechtigt, greift im Kontext von Private Equity allerdings zu kurz. Denn anders als bei liquiden Anlageklassen, in denen Vermögensgegenstände typischerweise „nur“ gehalten oder gehandelt werden, entstehen Renditen in Private Equity vor allem durch die aktive strategische und operative Unterstützung der Unternehmen über viele Jahre.
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„Vergangene Performance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse“ – dieser Disclaimer gehört zu den Standardsätzen der Kapitalanlage. Er ist berechtigt, greift im Kontext von Private Equity allerdings zu kurz. Denn anders als bei liquiden Anlageklassen, in denen Vermögensgegenstände typischerweise „nur“ gehalten oder gehandelt werden, entstehen Renditen in Private Equity vor allem durch die aktive strategische und operative Unterstützung der Unternehmen über viele Jahre.
Eine über mehrere Fondsgenerationen aufgebaute Leistungsbilanz kann daher sehr wohl wertvolle Hinweise auf Erfahrung, Entscheidungsqualität und die Fähigkeit eines Managers liefern, Wertschöpfungspläne zu realisieren – vorausgesetzt, die historische Performance wird mit der nötigen Erfahrung gelesen und interpretiert.
Ein außergewöhnliches Marktregime
Genau hier liegt heute die zentrale Herausforderung. Denn ein bedeutender Teil der ausgewiesenen Leistungsbilanzen sind in einem Marktumfeld entstanden, das für Private Equity – wie für die meisten anderen Anlageklassen –, sehr vorteilhaft war.
Die oft als „goldenes Jahrzehnt“ bezeichneten Jahre von 2010 bis 2021 waren geprägt von solidem Wirtschaftswachstum, niedrigen Zinsen, hoher Liquidität und einer daraus resultierenden kontinuierlichen Ausweitung der Bewertungsmultiplikatoren. Viele Manager konnten allein dadurch attraktive Renditen erzielen, dass sie Unternehmen günstig einkauften und diese einige Jahre später – in manchen Fällen sogar ohne signifikante operative Verbesserung – zu einem höheren Multiple wieder verkauften.
Diese Entwicklung erreichte ihren Höhepunkt während der Covid-Pandemie in den Jahren 2020 bis Mitte 2022. Bewertungsniveaus und Exit-Aktivität stiegen auf historische Allzeithochs. Gleichzeitig kam es zu einer wachsenden Zweiteilung des Marktes, die sich entlang sektoraler und struktureller Faktoren manifestierte und zunehmend über Gewinner und Verlierer entschied. Ein Beispiel: Während Technologie- und Gesundheitsunternehmen von den pandemiebedingten Rahmenbedingungen profitierten, verzeichneten andere Sektoren – etwa Teile der Konsumgüterindustrie oder die Reisebranche – massive Einbrüche.
Dieser Trend setzte sich über die Jahre 2022 bis Ende 2025 fort. Die Schwierigkeiten hatten dabei in aller Regel weniger mit den Fähigkeiten der Fondsmanager zu tun, attraktive Unternehmen zu identifizieren und deren Wachstum zu unterstützen, sondern vielmehr mit den strukturellen Herausforderungen der jeweiligen Industrien.
Replizierbares Modell für Outperformance
Für Investoren heißt das: Sowohl überzeugende als auch schwächere Track Records müssen heute differenzierter gelesen und konsequent in ihren Entstehungszusammenhang eingeordnet werden. Entscheidend ist nicht allein die Höhe der erzielten Renditen, sondern die Frage, auf welchen Faktoren sie beruhen – und inwieweit sie unter veränderten Marktbedingungen reproduzierbar sind.
An dieser Stelle gewinnen die qualitativen Komponenten der Due Diligence an Bedeutung. Der Blick richtet sich hierbei insbesondere auf strukturelle Merkmale des Fondsmanagers, anhand derer sich beurteilen lässt, ob dieser über ein belastbares und replizierbares Modell für Outperformance verfügt. Vier Qualitätsmerkmale haben sich dabei besonders bewährt:
1. Sektor-Spezialisierung
Ein klarer Sektorfokus schafft spezifische Erfahrung und relevante Netzwerke, wobei insbesondere Ersteres in aller Regel die Qualität von Investitionsentscheidungen erhöht. Denn Annahmen zu Wachstum, Margen oder Wettbewerbsdynamiken basieren bei Sektor-Spezialisten weniger auf allgemeinen Markt- oder Beratereinschätzungen, sondern auf konkreten Erfahrungswerten innerhalb ihrer Spezialisierung.
Private-Equity-Teams, die wiederholt in ähnliche Geschäftsmodelle investieren, erkennen leichter erfolgreiche Muster und greifen auf ein wachsendes Verständnis von Werttreibern, Risiken und typischen Entwicklungspfaden zurück. Auch verfügen sie häufig bereits über ein Repertoire an erprobten Value-Creation-Playbooks – also bewährten Wertsteigerungsmaßnahmen, die sie in vergleichbaren Situationen wiederholt anwenden können.
Diese Expertise wirkt nach innen wie nach außen. Intern erhöht sie die Entscheidungsfähigkeit in Phasen, in denen Marktindikatoren für sich genommen weniger Orientierung bieten. Extern beeinflusst sie den Deal-Zugang – insbesondere im Lower Mid-Market Segment, das kleine und mittelständische Unternehmen mit einem EBITDA von 5 bis 25 Millionen Euro umfasst.
In diesem Marktsegment suchen Unternehmer meist gezielt nach Partnern, die ihr Geschäftsmodell in der Tiefe verstehen und sie glaubhaft dabei unterstützen können, das Unternehmen „auf die nächste Stufe zu heben“. Sektor-Spezialisierung bringt damit nicht nur einen Vorteil beim Überzeugen von Unternehmern und der Wertsteigerung an sich, sondern wirkt auch als struktureller Filter: Sie entscheidet mit darüber, welche Unternehmen überhaupt für ein Investment infrage kommen.