Private Equity Warum KI-Projekte so häufig scheitern

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Warum KI-Projekte so häufig scheitern
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Ronny Fehling, Chief AI Transformation Officer bei HTEC.

Ronny Fehling, Chief AI Transformation Officer bei HTEC Bildquelle: HTEC

Im Private-Equity-Sektor scheitern KI-Initiativen selten am Kapital, sondern an der harten Realität des Live-Betriebs. Während viele Piloten isoliert entwickelt werden und innerhalb der Halteperiode keine messbaren Ergebnisse erzeugen, versanden strategische Diskussionen häufig in Opportunitätsanalysen und bürokratischer Vorab-Governance. Gefragt ist ein Paradigmenwechsel auf C-Level-Ebene: weg von der bloßen Use-Case-Jagd, hin zu einer disziplinierten Kapitalallokation entlang ökonomischer Werttreiber und einer schrittweisen Umsetzung in der realen Wertschöpfung. 

Befeuert von hohen Renditeversprechen besetzt Künstliche Intelligenz wie kein anderes Thema die Agenda der Private-Equity-Boards. Doch hinter glänzenden Präsentationen herrscht kein Ideenmangel, sondern ein Produktionsproblem. Die entscheidende Frage für Investoren lautet, wo eine KI-Initiative tatsächlich den Weg in den Live-Betrieb findet und wie sich dieser Wert ökonomisch messen lässt.

Innerhalb der Halteperiode muss sich der geschätzte Wert einer Technologie so schnell in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) niederschlagen, dass er beim Exit die gewünschte Multiple-Wirkung entfaltet. Das Problem ist ein Sequenzierungsproblem: Die meisten Piloten werden isoliert neben der operativen Realität gebaut, statt in ihr. Trifft der Prototyp später auf die echte Produktionsumgebung, scheitert er häufig an nachträglicher Governance, komplexen Prozessen und Altsystemen sowie unvorhergesehenen Hürden im Workflow.

Echte Werttreiber statt Use-Case-Hype

Um diese Exekutions-Lücke nachhaltig zu schließen, muss im PE-Asset-Management ein Paradigmenwechsel vollzogen werden: Weg von der Jagd nach isolierten Anwendungsfällen, hin zu einer konsequenten Fokussierung auf ökonomische Werttreiber. Einen Use Case zu definieren ist vergleichsweise trivial – er liefert im besten Fall jedoch nur eine ohnehin erforderliche Basiseffizienz ohne echten Wettbewerbsvorteil.

 

 

Dieser Fokus entlarvt das Scheitern klassischer Pilotierungskonzepte:

  • Proof of Concept (PoC): Ein PoC prüft, ob eine Technologie prinzipiell funktioniert. Für die Kapitalentscheidung bleibt er jedoch unzureichend, solange er weder den realen Workflow noch einen belastbaren Weg zur GuV-Wirksamkeit abbildet.
  • Proof of Value (PoV): Ein PoV formuliert die Wertambition aus der Strategie. Er bleibt jedoch hypothetisch, solange technische Leistung, operative Adoption und wirtschaftlicher Effekt nicht gemeinsam unter Produktionsbedingungen validiert werden. Der Production Slice setzt am selben Werttreiber an, liefert diese Validierung aber im realen Betrieb.

Ein typischer Denkfehler liegt darin, KI wie klassische Software zu behandeln. Während klassische Software in der Regel auf Basis vergleichsweise stabiler Anforderungen und definierter Prozesslogik entwickelt und anschließend ausgerollt werden, entstehen bei KI Zuverlässigkeit, Nutzbarkeit und wirtschaftlicher Effekt dagegen erst im Zusammenspiel mit realen Daten, Nutzern, Kontrollen und Arbeitsabläufen.

Die KI-Lösung lässt sich daher nicht außerhalb der Produktion spezifizieren und anschließend einfach ausrollen: Sie muss im realen Betrieb gemeinsam mit Daten, Nutzern, Kontrollen und Arbeitsabläufen angepasst werden. Wer das unterschätzt, wird vor dem Rollout feststellen, dass Integration, Zuverlässigkeit und Prozessneugestaltung das Budget sprengen.

Das Gegenmittel: „Production Slices“

Das wirksamste Gegenmittel zu diesen kapitalintensiven Plattform-Fehlschlägen ist das Konzept der „Production Slices“. Statt den Fehler zu begehen, das gesamte Unternehmen auf einmal transformieren zu wollen, isolieren erfolgreiche Initiativen einen extrem eng begrenzten, vertikalen Ausschnitt eines realen Workflows. Ein erfolgreicher Production Slice zeichnet sich durch drei Kriterien aus:

  • Fokus und Tempo: Die Umsetzung von der Konzeption bis zum Live-Betrieb muss schnell ein belastbares Signal im realen Betrieb liefern, das als Entscheidungspunkt dient. Der messbare Beitrag zur GuV sollte innerhalb von drei bis sechs Monaten sichtbar werden.
  • Verankerung in der Realität: Das System arbeitet von Tag eins an mit echten Live-Daten und realen Nutzern direkt im täglichen Workflow (Human-in-the-Loop). Governance und Prozessanpassung sind Teil des Designs, keine nachträglichen Ergänzungen.
  • Der Schmerz-Test: Die gewählte Nische muss eine konkrete Frustration lösen. Die Anwender müssen einen spürbaren Verlust erleiden, wenn man ihnen das System wieder wegnimmt.

Sind diese Kriterien erfüllt, wird Change Management nicht überflüssig, sondern in die Entwicklung des Production Slice integriert, während der unmittelbar erkennbare Nutzen die Adoption beschleunigt. Ein Beispiel aus einem komplexen, regulierten Produktionsumfeld kann das Potenzial verdeutlichen:

Auf der Werttreiber-Ebene sind in diesem Szenario Produkte auf dem kritischen Pfad der Fertigung liegen geblieben, weil Qualitätsabweichungen auftraten und ihre Klärung zu viel Zeit in Anspruch genommen hat. Statt zu versuchen, jede Abweichung im Vorfeld zu vermeiden, richtete sich die eingeleitete Initiative mit Gegenmaßnahmen auf den wirtschaftlichen Effekt: die Zeit bis zur Klärung zu verkürzen.

Der Production Slice setzt beim Mitarbeitenden an, der die Abweichung entdeckt. Ein auf Ähnlichkeitslernen basierendes System schlug dafür auf Basis vergangener Fälle einen Lösungsweg vor, die Entscheidung blieb beim Mitarbeitenden. Die Adoption war sofort gegeben, weil das System Druck aus dem Arbeitsalltag nahm, statt ihn hinzuzufügen. Die Wartezeit an der Station sank um rund 20 Prozent.