Interview mit Döttinger/Straubinger-Vorstand Matthias Rathgen „Private Equity ist die bessere Aktienanlage“

Matthias Rathgen

Matthias Rathgen

private banking magazin: In Ihrem aktuellen Jahresbericht gilt neben klassischen Sachwertinvestitionen in Acker- und Waldflächen auch der Private-Equity-Markt als besonders interessant. Eine Asset-Klasse, die es in der Vergangenheit sehr schwer hatte und die oft als intransparent gilt.

Matthias Rathgen: Das ist nur teilweise richtig. Wirklich gute Fonds lieferten auch in der Vergangenheit sehr attraktive Renditen – und zwar unabhängig vom Auf- und Ab der Aktienmärkte. Allerdings sorgt die Intransparenz für einen schwierigeren Marktzugang als zum Beispiel bei Aktien, und auch die Trennung der Spreu vom Weizen, sprich guten von schlechteren Managern. Hierzu braucht es spezielles Wissen und Erfahrung, die bei Angeboten – gerade im Retailkundenbereich – in der Vergangenheit nicht immer anzutreffen waren.  Hinzu kommt – trotz aktuell interessanter Aussichten für den privaten Beteiligungsbereich – die Vorsicht mancher Anleger vor der vermeintlichen Illiquidität.

private banking magazin: Inwiefern vermeintlich?

Rathgen: Die Laufzeit eines Private-Equity-Fonds von typischerweise zehn bis zwölf Jahren bedeutet nicht, dass das Kapital auch so lange durchgehend gebunden ist. Schließlich kommt es während der Investitionsdauer auch zu Erträgen und Rückflüssen, sodass die echte Kapitalbindung eher nur vier bis sieben Jahre beträgt. Wer sich für diesen Zeitraum nicht binden will, der sollte allerdings auch keine Aktienfonds und andere täglich handelbaren Produkte des gleichen Risikoprofils erwerben.

private banking magazin: Was macht für Sie den Reiz von Private Equity aus?

Rathgen: Es ist Wirtschaft pur. Die Investmentmanager der Private-Equity-Fonds bewegen etwas. Es sind reale Geschäfte, ich bin quasi im Original investiert und nicht in einem gelisteten Derivat. Die jetzige Krise wird zudem nur dann nachhaltig überwunden werden, wenn die Wirtschaft Werte schafft, produktiver wird und wächst. Diese Ziele erreiche ich nachweislich am ehesten mit Private Equity, wo aktiv Einfluss auf das Management der Zielunternehmen genommen wird oder noch besser, das Unternehmen durch die Private-Equity-Manager selbst geführt wird. Das ist eine Situation, die keine börsennotierte Aktie bieten kann, deren Wertentwicklung weniger vom unternehmensspezifischen Verlauf als vielmehr vom unsteten Auf- und Ab der Börsen beeinflusst wird.

Private Equity ist daher ein sehr solides Basisinvestment im unternehmerischen Bereich. Zwar mögen auch andere Anlageformen wie Gold reale Werte widerspiegeln, allerdings wird die Welt durch ein Horten des Edelmetalls nicht besser und die Probleme nicht kleiner.

private banking magazin: Welche Bereiche innerhalb von Private Equity sind für Sie derzeit interessant?

Rathgen: Abgesehen davon, dass sich der Private-Equity-Markt aufgrund der zeitlich versetzten Investitions- und Desinvestitionszeitpunkte grundsätzlich nicht timen lässt, sehen wir die mittelfristigen Perspektiven in allen drei Hauptsegmenten positiv.

Bei Venture Capital, also dem sehr frühen Unternehmensstadium, das derzeit an vielen Stellen von Kapitalknappheit, also sehr attraktiven Einstiegsbewertungen geprägt ist, entstehen gleichzeitig erfolgversprechende Entwicklungen gerade in der Krise, die weiter finanziert und gefördert werden müssen. Ein Beispiel ist hier der Lifescience-Bereich. Zudem stehen heute Entrepreneure bereit, die mehrfach Unternehmen gegründet und aufgebaut haben, mithin also über viel mehr Erfahrung verfügen und deutlich realistischere Erwartungen haben, als zu Zeiten des Internethypes um die Jahrtausendwende.

Einen weiteren sehr lukrativen Bereich sehe ich bei kleinen und mittleren Buy-Out-Fonds, die anstreben, etablierte Unternehmen operativ weiter zu verbessern und damit wertvoller zu machen. Diesen Fonds kommt zugute, dass Banken zunehmend weniger Kredite zur Verfügung stellen, weshalb  der Mittestand heute eher bereit ist Kapital von Private-Equity-Gesellschaften anzunehmen. Zwar fordern die Private-Equity-Manager höhere Renditen für das Eigenkapital als Banken für ihre Kredite, dafür erhält der Unternehmer allerdings im Gegenzug auch operative Unterstützung und Spezial-Know-how seitens des Fondsmanagements.

Last, but not least präferieren wir Fonds im Special-Situations-/Turnaround-Bereich, wo problembehaftete Unternehmen preiswert erworben, sehr aktiv umstrukturiert und auf zukünftiges Wachstum ausgerichtet werden. Gelingt dieser Prozess ergibt sich ein oftmals außergewöhnlich attraktives Renditepotenzial.

private banking magazin: Über welchen Weg investieren Sie?

Rathgen: Von ganz seltenen Ausnahmen abgesehen, sind wir überzeugt, dass die komplexe, wenngleich sehr attraktive  Anlageklasse Private Equity nur mittels Dachfonds systematisch für Privatkunden erschlossen werden kann. In keinem anderen Anlagebereich ist der Abstand vom besten zum schlechten Fonds so groß wie im Private-Equity-Sektor. Der Zugang zum begehrten oberen Viertel des Fondsuniversums steht dabei oftmals nur für Altinvestoren oder „by invitation only“ offen. Hinzu kommt, dass echte Marktopportunitäten, wie preiswert am Zweitmarkt erwerbbare Fonds, eine schnelle Handlungsfähigkeit bei gleichzeitig aufwendigen Ressourcen für die Prüfung erfordern – Voraussetzungen, die nachweislich nur durch spezialisierte Anbieter auf der Dachfondsebene erbracht werden können.

private banking magazin: Und nehmen höhere Gebühren in Kauf?

Rathgen: Die Vorteile wiegen die höheren Managementkosten etwa von weniger als einem Prozent pro Jahr bei institutionell geprägten Dachfonds nach unserer eigenen praktischen Erfahrung mehr als auf. Wichtig ist, dass es sich um echte Premiumanbieter handelt, die ihre Erfahrungen über mehrere Dachfondsgenerationen erfolgreich unter Beweis gestellt haben, indem sie einen messbaren Mehrwert für die Anleger schufen.

private banking magazin:  Welchen Anteil sollte Private Equity am Portfolio Ihrer Kunden haben?

Rathgen: Je nach Risikoneigung und Erfahrung des Kunden 10 bis 20 Prozent ergänzt um weitere sogenannte Alternative Investments wie Agrar, Forst oder Infrastruktur, also Anlageklassen, deren positive Eigenschaften am liquiden Kapitalmarkt nicht erschlossen werden können. Unsere gesamten Empfehlungen im Bereich aller alternativer Anlagen  sorgten bei unseren Kunden seit 2005, trotz der unvermeidbaren Anlaufkosten, für eine Rendite, IRR, von 6 Prozent pro Jahr nach allen Kosten – eine, wie wir finden, durchaus attraktive Entschädigung für die vorübergehende Illiquidität, insbesondere vor dem Hintergrund der zwischenzeitlichen massiven Wirtschafts- und Finanzkrise.

private banking magazin: Mit welchen Häusern arbeiten Sie zusammen?

Rathgen: Im Private-Equity-Bereich schätzen wir zum Beispiel das Team von LGT Capital Partners, zu deren institutionellen Dachfonds wir unseren Kunden Zugang verschaffen. Daneben gibt es unter anderem mit Auda oder der Partners Group weitere erfahrene Adressen. Darüber hinaus besteht in den Anlageklassen Agrar, Forst und Infrastruktur innerhalb unseres Unternehmens ein langjährig gewachsenes Netzwerk zu diversen Spezialanbietern in Europa, Amerika und Ozeanien.

private banking magazin: Wie viel Vermögen sollten Anleger haben, um am Private-Equity-Markt zu investieren?

Rathgen: Die Einstiegssumme für breit diversifizierte und zugleich kostengünstige Private Placements liegt bei 200.000 Euro. Um Private Equity sinnvoll zu allokieren, ist daher – je nach Gewichtung – ein Vermögen von mindestens ein bis zwei Millionen Euro notwendig.

private banking magazin: Was können weniger vermögende Anleger unternehmen?

Rathgen: Da wird es schwierig. Es gibt zwar börsennotierte Private-Equity-Unternehmen, doch unterliegen diese den allgemeinen Schwankungen des Aktienmarkts und bieten somit  keinen Zugang zu der originären Wertschöpfung und den angestrebten vorteilhaften Diversifikationseigenschaften echter Private-Equity-Fonds. Sie sind demzufolge leider keine Alternative und auch Beteiligungs-Fonds von der Stange halten erfahrungsgemäß meist nicht, was sie versprechen.