Ein Unternehmen, dieselbe operative Leistung, zwei Zeitpunkte – und ein deutlich anderes Ergebnis: Wo 2016 aus einem eingesetzten Dollar noch 2,50 Dollar wurden, sind es unter den Bedingungen von 2026 nur noch rund 1,70 Dollar. An diesem Modellvergleich zeigt der US-Vermögensverwalter Harbourvest Partners, wie sehr sich die Renditerechnung im Private-Equity-Geschäft gedreht hat. Die Kernaussage der Untersuchung: Wer heute Rendite erzielen will, kann sich kaum noch auf die Finanzierungsstruktur eines Deals verlassen – der Ertrag muss im laufenden Geschäft der Beteiligung erwirtschaftet werden.
Nachzulesen ist das im aktuellen „2026 Mid-Year Private Markets Outlook“ von Harbourvest. Verfasst haben ihn Scott Voss, Managing Director und Senior Market Strategist, sowie Mindy Lahrman, Principal und Market Strategist des Hauses.
Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an professionelle Investoren. Bitte melden Sie sich daher einmal kurz an und machen einige berufliche Angaben. Geht ganz schnell und ist selbstverständlich kostenlos.
Ein Unternehmen, dieselbe operative Leistung, zwei Zeitpunkte – und ein deutlich anderes Ergebnis: Wo 2016 aus einem eingesetzten Dollar noch 2,50 Dollar wurden, sind es unter den Bedingungen von 2026 nur noch rund 1,70 Dollar. An diesem Modellvergleich zeigt der US-Vermögensverwalter Harbourvest Partners, wie sehr sich die Renditerechnung im Private-Equity-Geschäft gedreht hat. Die Kernaussage der Untersuchung: Wer heute Rendite erzielen will, kann sich kaum noch auf die Finanzierungsstruktur eines Deals verlassen – der Ertrag muss im laufenden Geschäft der Beteiligung erwirtschaftet werden.
Nachzulesen ist das im aktuellen „2026 Mid-Year Private Markets Outlook“ von Harbourvest. Verfasst haben ihn Scott Voss, Managing Director und Senior Market Strategist, sowie Mindy Lahrman, Principal und Market Strategist des Hauses.
Neue Rechnung: Finanzierung ist teurer geworden
Lange Zeit sorgten billiges Geld, hohe Fremdkapitalquoten und immer weiter steigende Bewertungen dafür, dass Private-Equity-Investoren auch ohne herausragende operative Entwicklung ordentliche Renditen einfuhren. Diese Rückenwinde sind laut Harbourvest weggefallen: Finanzierung ist teurer geworden, die Einstiegspreise sind gestiegen, und es lässt sich weniger Fremdkapital einsetzen.
Wie stark das durchschlägt, lässt sich an einem klassischen Instrument der Branche nachvollziehen, dem Leveraged Buyout (LBO). Hierbei kauft ein Finanzinvestor ein Unternehmen überwiegend auf Kredit; die Schulden werden anschließend aus den Erträgen des übernommenen Unternehmens zurückgeführt.
Ob sich das lohnt, misst die Branche neben der internen Verzinsung (IRR) vor allem am MOIC (Multiple on Invested Capital) – der Kennzahl dafür, wie oft ein Investor sein eingesetztes Eigenkapital am Ende zurückbekommt. Ein MOIC von 2,5 heißt: Aus einem eingesetzten Euro werden über die Haltedauer 2,50 Euro. In der Niedrigzinsphase ließ sich dieser Wert oft schon über günstige Kredite und höhere Verkaufsmultiplikatoren erreichen – auch dann, wenn das Unternehmen selbst kaum vorankam.
An diesem Punkt setzt eine illustrative Modellrechnung an, die Harbourvest im Bericht anführt:
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der unseren Artikel ergänzt. Sie können sich die externen Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen. Die eingebundene externe Seite setzt, wenn Sie den Inhalt einblenden, selbstständig Cookies, worauf wir keinen Einfluss haben.
Externen Inhalt einmal anzeigen:
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt und Cookies von diesen Drittplattformen gesetzt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Quelle: Harbourvest, 2026 Mid-Year Private Markets Outlook, auf Basis von PitchBook-Daten und veröffentlichten Bain-Annahmen (illustrative Modellrechnung). Die absoluten Beträge stehen exemplarisch für ein Unternehmen entsprechender Größenordnung.
Ein Unternehmen, das sein EBITDA jährlich um fünf Prozent steigert, hätte 2016 damit rund das 2,5-Fache des Kapitals und eine Verzinsung von etwa 20 Prozent erreicht. Dieselbe Entwicklung bringt es heute nur noch auf einen MOIC von rund 1,7 und eine IRR von etwa zwölf Prozent. Um wieder bei 2,5 zu landen, müsste das EBITDA im Modell jährlich um rund zwölf statt fünf Prozent zulegen – und die Marge um etwa 760 Basispunkte auf 27,6 Prozent klettern. Hinzu kommt: Für denselben Deal muss ein Investor 2026 rund 80 Prozent mehr Eigenkapital mitbringen als 2016, im Modell 1,8 Milliarden statt eine Milliarde US-Dollar. Höhere Einstiegsbewertungen und weniger verfügbares Fremdkapital treiben den Eigenkapitaleinsatz nach oben und heben die Renditeschwelle zusätzlich an.
Wertschöpfung muss belegbar sein
„Value Creation“ bloß als Zielvorgabe auszurufen, genügt den Autoren zufolge nicht. Entscheidend sei, ob ein Manager tatsächlich über die Mittel und die Erfahrung verfüge, Veränderungen bis auf die Ebene des einzelnen Unternehmens zu bringen. Die Auswahl des Managers rückt somit stärker in den Vordergrund.
Die Studienautoren nennen drei Punkte, die heute relevant sind:
- Operative Kräfte, die direkt im Portfoliounternehmen ansetzen – statt einer bloßen „Portfolio-Operations“-Einheit, die aus der Zentrale heraus Ratschläge erteilt
- Konkrete Wertschöpfungspläne samt messbarer Kennzahlen, die schon vor dem Abschluss einer Transaktion feststehen
- Ein nachweisbarer Erfolgsausweis des Managers bei vergleichbaren Vorhaben in derselben Branche. Erfolge im Financial Engineering haben dabei weniger Gewicht als die Fähigkeit, dass jemand operativ Wert geschaffen hat.
Transaktionen: Europa mit Rückenwind
Besondere Aufmerksamkeit widmet der Bericht Europa. Im zweiten Quartal 2026 blieb die Transaktionstätigkeit dort laut Harbourvest vergleichsweise hoch, während sie in den USA merklich nachließ. Gründe seien niedrigere Einstiegspreise, kleinteiligere Märkte und mehr Spielraum für operative Verbesserungen.
Dass die europäischen Märkte zersplittert sind, wertet Harbourvest nicht nur als Nachteil. Uneinheitliche Strukturen können versierten Managern gerade zusätzliche Ansatzpunkte bieten, über Spezialisierung, Digitalisierung und operative Umsetzung Wert zu heben. Natürlich könne die Entwicklung in Europa auch schwanken, erklären die Studienautoren. Das ändere aber nichts daran, dass Rendite künftig eher an der Güte einzelner Unternehmen und Manager hänge als an breiten Marktbewegungen.
Hohe Zinsen und KI: Makrofaktoren treffen Portfolios
Harbourvest verortet die Beobachtung in einem größeren Rahmen, den das Haus im Bericht mit dem Kunstwort „Idiosyncronicity“ überschreibt: Makrofaktoren wie das Zinsniveau, die KI-Disruption und geopolitische Brüche träfen die Märkte zunehmend gleichzeitig, während sich ihre Folgen für einzelne Portfolios stark auseinanderentwickelten. In den eigenen Daten zeigt sich das bereits an der Kluft zwischen Top-Quartil- und Median-Managern: Der durchschnittliche Bewertungsaufschlag beim Verkauf sank demnach von 48 Prozent im Jahr 2021 auf nur noch sieben Prozent im Jahr 2025 – ein Zeichen dafür, dass sich die Wertschöpfung auf immer weniger Häuser konzentriert ist.
Der Befund trifft einen wunden Punkt der Branche. Auch Florian Schepp, Mitgründer der Münchner Beteiligungsgesellschaft Family Trust, führt die eingefrorenen Portfolios vieler Häuser auf überhöhte Einstiegspreise und Financial Engineering aus der Niedrigzinsphase zurück – und sieht gerade im Small- und Lower-Mid-Market die operative Arbeit statt der Finanzstruktur als entscheidend an. Harbourvest Partners selbst treibt derzeit den Ausbau des DACH-Geschäfts voran und hat Ende letzten Jahres mehrere Stellen in Deutschland und der Schweiz neu besetzt.
Fast geschafft
Bitte auch im Spam-Ordner schauen!