Wegen illiquider Investments OECD warnt davor, dass Pensionsfonds das Finanzsystem in Schieflage bringen könnten

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Wegen illiquider Investments
OECD warnt davor, dass Pensionsfonds das Finanzsystem in Schieflage bringen könnten
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Mathias Cormann, Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die von ihm geleitete Organisation sorgt sich um das Finanzsystem.

Mathias Cormann, Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die von ihm geleitete Organisation sorgt sich um das Finanzsystem. Foto: Imago Images / Mike Schmidt

Niedrige Zinsen und volatile, also schwankende Aktienkurse sorgten in den vergangenen Jahren dafür, dass Manager von Pensionsfonds vermehrt in illiquide Anlagen wie Private Equity, Infrastruktur oder Immobilien investiert haben, um Rendite zu generieren. Eine Entwicklung, die Verantwortlichen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Sorgen bereitet. Trotz des in der Regel überschaubaren Risikos sei es, so die OECD, schwer diese Investments rasch zu Geld zu machen.

„Die Aufrechterhaltung und Stärkung vermögensgestützter Altersversorgungssysteme erfordert ein angemessenes Risikomanagement, um sicherzustellen, dass diese Systeme widerstandsfähig sind und auf Risiken reagieren können. Politische Entscheidungsträger und Rentenanbieter  müssen sich mit einer Reihe potenzieller Risiken auseinandersetzen, um die Interessen der Mitglieder zu schützen und sicherzustellen dass ihr Vermögen angemessen verwaltet wird“, heißt es dazu unter anderem im „OECD Pensions Outlook 2022". Zu den relevanten Risikokategorien für Pensionsregelungen gehört dabei das Liquiditätsrisiko.

Darüber hinaus sollten die Einrichtungen der Altersversorgung, laut Bericht des OECD über interne Kontrollmechanismen und gute Informations- und Berichtswege als Teil ihres Risikomanagements verfügen.

Was passiert, wenn Pensionsfonds in Liquiditätsnot geraten, sei im vergangenen Jahr in Großbritannien zu beobachten gewesen. Ein unerwartet hoher Renditeanstieg bei britischen Staatsanleihen führte dazu, dass zahlreiche Pensionsfonds frisches Geld benötigten. Sie hatten Wertpapiere in ihrem Bestand beliehen und mussten Sicherheiten nachschießen, als deren Wert absackte.  Für Anleihen, welche Pensionsfonds verkaufen wollten, um wieder liquide zu sein, gab es zunächst keine Käufer. Eine bedrohliche Situation, welche erst durch Eingreifen der britischen Notenbank entschärft werden konnte, die damit womöglich auch Banken, als Gegenparteien der Fonds, vor einer Schieflage bewahrte. Infolgedessen sollen nun die Regeln verschärft werden, im Rahmen des weltweit ersten Stresstests des sogenannten Schattenbankensektors will noch in diesem Jahr die Bank of England die Kreditvergabe durch Hedgefonds und Private Equity unter die Lupe nehmen, da sie befürchtet, dass die unterregulierte Branche die finanzielle Stabilität des Vereinigten Königreichs gefährden könnte.

 

 

 

Die Tests sollen der Bank helfen, die Schwachstellen und Risiken von Nicht-Bank-Kreditgebern wie Hedge-Fonds und Geldmarktfonds zu verstehen. Dieser Sektor hat sich seit der Finanzkrise 2007-08 verdoppelt und macht etwa die Hälfte der Kredite aus, die derzeit weltweit an Unternehmen vergeben werden.

Neben der OECD warnen auch internationale Aufsichtsbehörden, wie beispielsweise das Financial Stability Board, seit mehr als einem Jahrzehnt vor der möglichen Bedrohung durch das Schattenbankwesen. Die Tatsache, dass die Zentralbank ihre eigenen Stresstests vorantreibt, ist ein Zeichen dafür, wie ernst sie die potenziellen Bedrohungen durch die Branche nimmt, die nicht so streng beaufsichtigt wird wie traditionelle Banken. 

Viele Kreditgeber, die keine Banken sind, haben ihren Sitz im Ausland oder fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich der Bank of England. Auch wenn dies bedeuten könnte, dass die Bank of England bei den Maßnahmen, die sie nach den Stresstests ergreifen kann, eingeschränkt ist, erhofft sie sich von der Übung mehr Informationen und eine Beschleunigung der internationalen Koordination.

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