Deutschland ist Europas größte Volkswirtschaft und nach Großbritannien der zweitgrößte Private-Equity-Markt. Zwischen 2015 und 2023 flossen rund 15 Prozent des europäischen Buyout-Kapitals in deutsche Unternehmen. Die Größe des Marktes übersetzte sich jedoch nicht in eine vergleichbare positive Performance. Deutsche Beteiligungen blieben im Durchschnitt hinter dem europäischen Gesamtmarkt zurück und wiesen eine höhere Verlustquote auf.
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Deutschland ist Europas größte Volkswirtschaft und nach Großbritannien der zweitgrößte Private-Equity-Markt. Zwischen 2015 und 2023 flossen rund 15 Prozent des europäischen Buyout-Kapitals in deutsche Unternehmen. Die Größe des Marktes übersetzte sich jedoch nicht in eine vergleichbare positive Performance. Deutsche Beteiligungen blieben im Durchschnitt hinter dem europäischen Gesamtmarkt zurück und wiesen eine höhere Verlustquote auf.
Deutsche Wirtschaftsstruktur als Ursache
Die Ursachen liegen vor allem in der Wirtschaftsstruktur. Viele Portfolios waren stark in zyklischen industriellen Endmärkten engagiert und reagierten empfindlich auf Energiepreisschocks, Lieferkettenprobleme und die langsame Umstellung der Automobilindustrie. Im Gesundheitswesen erhöhte die Regulierung das politische Risiko; auch im Ergebnis blieb der Sektor hinter dem Markt zurück. Konsumnahe Unternehmen litten unter schwachen Reallöhnen und den damit verbundenen geringen Konsumausgaben.
Diese Faktoren erklären die schwache Gesamtperformance des Marktes, nicht aber die Ergebnisse einzelner Teilsegmente. Hinter dem Durchschnitt liegt eine ungewöhnlich große Streuung: Mehrere Nischen haben den europäischen Markt deutlich geschlagen, andere haben Kapital vernichtet. Investierbar ist Deutschland deshalb nicht als Länderwette, sondern dort, wo strukturelle Treiber die Nachfrage unabhängig vom Konjunkturzyklus stützen.
Die Gewinner der vergangenen Jahre gruppieren sich um drei solcher Treiber: Digitalisierung, öffentliche Infrastruktur- und Verteidigungsbudgets sowie strukturell wachsende Dienstleistungen. Nach unserer Einschätzung bleiben alle drei in den kommenden Jahren intakt. Von der Rückkehr internationaler Investoren nach Europa dürfte darüber hinaus der deutsche Markt insgesamt profitieren.
Was sich an der Ausgangslage ändert
Deutschland muss Infrastruktur und industrielle Kapazitäten modernisieren. Auch bei Unternehmenssoftware, Cloud und Cybersicherheit besteht Nachholbedarf. Das rund 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität und die erweiterten Spielräume für Verteidigungsausgaben verändern die Ausgangslage, allerdings erst, wenn die Mittel tatsächlich fließen.
Bislang sind weniger als 5 Prozent des Pakets in den vorgesehenen Bereichen angekommen. Hinzu kommen steigende Verteidigungsausgaben in Europa. Sie können über mehrere Jahre zusätzliche Nachfrage bei deutschen Hauptauftragnehmern und ihren Lieferketten schaffen.
Wo der strukturelle Rückenwind ankommt – und wo nicht
Chancen eröffnen sich besonders in der Informationstechnologie. Deutschland liegt bei der Verbreitung von Unternehmenssoftware hinter anderen fortgeschrittenen europäischen Volkswirtschaften zurück. IT-Dienstleister und Softwareunternehmen profitieren daher von der Digitalisierung betrieblicher Abläufe, regulatorischer Komplexität, höheren Anforderungen an Cybersicherheit und einer beschleunigten Cloud-Nutzung.
Zugleich gibt es zahlreiche kleinere Anbieter mit wiederkehrenden Umsätzen, denen Kapital und Größe für weiteres Wachstum fehlen. Historisch zählte IT zu den stärksten Segmenten und verband hohe Renditen mit vergleichsweise geringen Verlusten.
