private banking magazin: Herr Hubmann, Pictet Alternative Advisors beteiligt sich erstmals direkt an einem deutschen Unternehmen. War Deutschland lange zu teuer – oder schlicht zu wenig unternehmerisch strukturiert für Ihren Ansatz?
Deutschland war für uns stets ein attraktiver Markt. Die Entscheidung, heute direkt in deutsche Mittelständler zu investieren, ist vielmehr das Ergebnis einer strategischen Weiterentwicklung der gesamten Pictet‑Gruppe.
Wir investieren bereits seit über 30 Jahren in Private Equity – bislang vor allem indirekt, etwa über Fonds oder Co‑Investments, so auch in Deutschland. Vor rund drei Jahren haben wir begonnen, diese langjährige Erfahrung in eine eigene Direct‑Private‑Equity‑Strategie zu überführen und suchen in diesem Rahmen gezielt nach Unternehmen wie die QGroup, die technologisch führend, strukturell gesund und langfristig skalierbar sind.
Was musste sich verändern, damit ein deutsches Mittelstandsunternehmen heute investierbar wird – Governance, Reporting oder Selbstverständnis?
Die Investierbarkeit deutscher Mittelständler ergibt sich für uns vor allem aus einer klaren strategischen Lücke, die wir identifiziert haben: Oft fehlt ein Anleger, der professionalisiert, langfristig und partnerschaftlich in europäische KMUs investiert – mit einem klaren Fokus auf operative Wertschöpfung und nicht auf aggressive Finanzkonstruktion (Financial Engineering). Wir setzen dabei bewusst auf eine nachhaltige und stabile Finanzierung und stellen stets die operative Weiterentwicklung des Unternehmens in den Mittelpunkt – und nicht eine kurzfristige Renditemaximierung.
Diesen partnerschaftlichen Ansatz leben wir sehr konsequent. Pictet ist seit über 220 Jahren ein partnergeführtes Unternehmen – und genau diese Identität prägt, wie wir investieren: langfristig, verantwortungsvoll und mit einer echten gemeinsamen Perspektive für die nächste Wachstumsphase.
Viele Family Offices sind seit Jahren in Deutschland aktiv, internationale Investoren eher zögerlich. Sehen Sie sich hier als Nachzügler oder als bewusst späten, disziplinierten Käufer?
Nein, die Entscheidung, vor drei Jahren eine eigene Plattform für Direktinvestments aufzubauen, war ein bewusster Schritt, um uns die nötige Flexibilität und Unabhängigkeit für diesen langfristigen und partnerschaftlichen Ansatz zu verschaffen. Im Gegenteil: Dies ermöglicht uns heute, gezielt, selektiv und mit der gebotenen Disziplin in Unternehmen wie die QGroup zu investieren.
Cybersecurity gilt als Wachstumsmarkt, aber auch als fragmentiert. Was unterscheidet die QGroup aus Ihrer Sicht?
Drei zentrale Differenzierungsmerkmale zeichnen die QGroup aus:
1. Tiefe technologische Architektur
QGroup ist seit 30 Jahren in der Branche aktiv und verfolgt einen klaren „Technology- und Quality-First“-Ansatz. Diese fundierte technologische Kompetenz hebt sie deutlich von vielen „Trittbrettfahrern“ ab, die in einem strukturell wachsenden Markt entstehen.
2. Vollintegrierter 24/7-Ansatz für Sicherheit im Betrieb (Security Operations)
Über eine proprietäre Plattform überwacht die QGroup nahezu 400.000 Endpunkte und vereint dabei Detektion, Analyse und Reaktion auf Sicherheitsvorfälle (Incident Response) in einem durchgängigen System.
3. Militärische Incident‑Response‑Fähigkeiten
Mit BSI‑Zertifizierung, mobilen Einsatzteams und einer operativen Tiefe, wie sie im europäischen Markt selten zu finden ist, setzt die QGroup Maßstäbe in der Reaktionsfähigkeit auf Sicherheitsvorfälle.
Diese Kombination macht die QGroup letztlich zu einer hochspezialisierten Plattform für Sicherheitsarchitektur.
Welche Rolle spielt der Fokus auf kritische Infrastrukturen für Ihr Risikoverständnis?
Kritische Infrastrukturen spielen für uns eine zentrale Rolle, denn der Bedarf in diesem Bereich ist nicht konjunkturabhängig. Er wird maßgeblich durch regulatorische Vorgaben und Sicherheitsanforderungen bestimmt. Öffentliche Auftraggeber, Versorger und Industrieunternehmen erhöhen strukturell und kontinuierlich ihre Sicherheitsausgaben – und QGroup hat hier ein exzellentes Standing sowie eine nahezu nicht vorhandene Kundenabwanderung.
Wie wichtig ist für Sie, dass die Gründer signifikant investiert bleiben – und wo ziehen Sie die Grenze?
Dies hat für uns eine große Bedeutung. Wir suchen gezielt Unternehmer, die weiterhin mit Herzblut, Verantwortung und Kapital engagiert bleiben. Die Gründer der QGroup bleiben signifikant beteiligt – das sorgt für eine starke Ausrichtung und Stabilität. Wir begleiten, professionalisieren und skalieren das Unternehmen, aber wir ersetzen nicht seine unternehmerische DNA.
Viele Family Offices denken in Generationen. Wie kompatibel ist Ihr Ansatz damit?
Unser Ansatz ist sehr kompatibel mit dem Denken von Family Offices. Unser typischer Anlagehorizont liegt bei bis zu acht Jahren – damit sind wir langfristiger ausgerichtet als klassische Private-Equity-Fonds, aber etwas kürzer als viele Family Offices. Wir positionieren uns somit in einer attraktiven Mitte: langfristig genug, um nachhaltige, strukturelle Wertschöpfung zu ermöglichen, und gleichzeitig institutionell aufgestellt, um Governance, Skalierung und Internationalisierung professionell zu begleiten.
Wie definieren Sie Wertschöpfung jenseits von Financial Engineering – konkret bei einem technologiegetriebenen Unternehmen wie der QGroup?
Unsere Wertschöpfung entsteht durch die Stärkung der operativen Substanz: Wir professionalisieren Strukturen, schaffen skalierbare Prozesse und erhöhen durch konsequent hohe Qualität die Kundenbindung. Gleichzeitig fördern wir die technologische Weiterentwicklung des Produktportfolios und investieren gezielt in Talente. All diese Hebel setzen wir organisch wie auch anorganisch um, ergänzt durch eine sorgfältig ausgewählte geografische Expansion.
Welche Rolle spielen regulatorische Eintrittsbarrieren im Cybersecurity‑Bereich für die langfristige Planbarkeit eines solchen Investments?
Ebenfalls eine große. Durch Vorgaben wie Nis2, Dora und nationale Kritis‑Regulierungen steigen die Anforderungen an Unternehmen strukturell an. Unternehmen wie QGroup profitieren hiervon, weil Zertifizierungen, technologische Tiefe und ausgeprägte Incident‑Response‑Fähigkeiten hohe Markteintrittshürden erzeugen. Das führt zu mehr Planbarkeit, Beständigkeit und langfristiger Kundenbindung.
Wenn Sie Kapital alternativ nicht in Deutschland investiert hätten: Welche Märkte oder Sektoren boten zuletzt das bessere Rendite‑Risiko‑Profil?
Wir fokussieren uns bewusst auf ganz Europa, mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Dach-Region und UK. Gerade in diesen Regionen sehen wir ein enormes Potenzial, weil es dort eine außergewöhnliche Dichte an exzellenten, von Gründern geführten KMUs gibt – Unternehmen, die ein starkes Fundament haben und die wir in ihrer nächsten Wachstumsphase aktiv begleiten und unterstützen wollen.
Gibt es aus Ihrer Sicht Regionen in Europa, die für Direct Private Equity derzeit attraktiver sind als Deutschland – und wenn ja, warum?
Wir sehen die KMU‑ und Gründerlandschaft in Deutschland als eine der interessantesten in ganz Europa und fokussieren uns bewusst darauf. Das bedeutet jedoch nicht, dass andere Regionen nicht ebenfalls attraktiv wären. Doch mit einem Anteil von rund 99 Prozent KMUs an allen Unternehmen in Deutschland verfügt der deutsche Mittelstand über eine außergewöhnlich hohe Dichte an exzellenten, inhabergeführten Unternehmen. Daraus entsteht ein enormes Potenzial für langfristige Partnerschaften und nachhaltige Wachstumsbegleitung.
Ist dieses Investment ein Einzelfall – oder der Beginn einer stärkeren Öffnung internationaler Private‑Equity‑Häuser für den deutschen Mittelstand? Und was müssten Unternehmer dafür mitbringen?
Dies ist definitiv kein Einzelfall. Wir haben mittlerweile schon drei Partnerschaften in der Dach-Region getätigt, und wir evaluieren aktiv weitere Möglichkeiten. Wie erwähnt, sehen wir eine klare Lücke für professionelle, längerfristige Investoren, deren Mindset dem starker Unternehmer in der Dach-Region gleicht. Wir bringen neben Kapital auch ein tiefes nationales und internationales Netzwerk mit ein und wollen die Entwicklung der Unternehmen aktiv und partnerschaftlich begleiten.
Gleichzeitig ist zu beobachten, dass der deutsche Mittelstand zunehmend offen für die Zusammenarbeit mit langfristigen institutionellen Partnern ist. Die QGroup ist dafür ein gutes Beispiel – aber sicherlich nicht das letzte.
Über den Interviewten:
Nikolaus Hubmann ist seit 2022 bei Pictet als Leiter der Region DACH für direkte Private-Equity-Anlagen tätig. Zuvor arbeitete er bei Sun European Partners und bei der Deutschen Bank.