Wie wichtig ist für Sie, dass die Gründer signifikant investiert bleiben – und wo ziehen Sie die Grenze?
Dies hat für uns eine große Bedeutung. Wir suchen gezielt Unternehmer, die weiterhin mit Herzblut, Verantwortung und Kapital engagiert bleiben. Die Gründer der QGroup bleiben signifikant beteiligt – das sorgt für eine starke Ausrichtung und Stabilität. Wir begleiten, professionalisieren und skalieren das Unternehmen, aber wir ersetzen nicht seine unternehmerische DNA.
Viele Family Offices denken in Generationen. Wie kompatibel ist Ihr Ansatz damit?
Unser Ansatz ist sehr kompatibel mit dem Denken von Family Offices. Unser typischer Anlagehorizont liegt bei bis zu acht Jahren – damit sind wir langfristiger ausgerichtet als klassische Private-Equity-Fonds, aber etwas kürzer als viele Family Offices. Wir positionieren uns somit in einer attraktiven Mitte: langfristig genug, um nachhaltige, strukturelle Wertschöpfung zu ermöglichen, und gleichzeitig institutionell aufgestellt, um Governance, Skalierung und Internationalisierung professionell zu begleiten.
Wie definieren Sie Wertschöpfung jenseits von Financial Engineering – konkret bei einem technologiegetriebenen Unternehmen wie der QGroup?
Unsere Wertschöpfung entsteht durch die Stärkung der operativen Substanz: Wir professionalisieren Strukturen, schaffen skalierbare Prozesse und erhöhen durch konsequent hohe Qualität die Kundenbindung. Gleichzeitig fördern wir die technologische Weiterentwicklung des Produktportfolios und investieren gezielt in Talente. All diese Hebel setzen wir organisch wie auch anorganisch um, ergänzt durch eine sorgfältig ausgewählte geografische Expansion.
Welche Rolle spielen regulatorische Eintrittsbarrieren im Cybersecurity‑Bereich für die langfristige Planbarkeit eines solchen Investments?
Ebenfalls eine große. Durch Vorgaben wie Nis2, Dora und nationale Kritis‑Regulierungen steigen die Anforderungen an Unternehmen strukturell an. Unternehmen wie QGroup profitieren hiervon, weil Zertifizierungen, technologische Tiefe und ausgeprägte Incident‑Response‑Fähigkeiten hohe Markteintrittshürden erzeugen. Das führt zu mehr Planbarkeit, Beständigkeit und langfristiger Kundenbindung.
Wenn Sie Kapital alternativ nicht in Deutschland investiert hätten: Welche Märkte oder Sektoren boten zuletzt das bessere Rendite‑Risiko‑Profil?
Wir fokussieren uns bewusst auf ganz Europa, mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Dach-Region und UK. Gerade in diesen Regionen sehen wir ein enormes Potenzial, weil es dort eine außergewöhnliche Dichte an exzellenten, von Gründern geführten KMUs gibt – Unternehmen, die ein starkes Fundament haben und die wir in ihrer nächsten Wachstumsphase aktiv begleiten und unterstützen wollen.
Gibt es aus Ihrer Sicht Regionen in Europa, die für Direct Private Equity derzeit attraktiver sind als Deutschland – und wenn ja, warum?
Wir sehen die KMU‑ und Gründerlandschaft in Deutschland als eine der interessantesten in ganz Europa und fokussieren uns bewusst darauf. Das bedeutet jedoch nicht, dass andere Regionen nicht ebenfalls attraktiv wären. Doch mit einem Anteil von rund 99 Prozent KMUs an allen Unternehmen in Deutschland verfügt der deutsche Mittelstand über eine außergewöhnlich hohe Dichte an exzellenten, inhabergeführten Unternehmen. Daraus entsteht ein enormes Potenzial für langfristige Partnerschaften und nachhaltige Wachstumsbegleitung.
Ist dieses Investment ein Einzelfall – oder der Beginn einer stärkeren Öffnung internationaler Private‑Equity‑Häuser für den deutschen Mittelstand? Und was müssten Unternehmer dafür mitbringen?
Dies ist definitiv kein Einzelfall. Wir haben mittlerweile schon drei Partnerschaften in der Dach-Region getätigt, und wir evaluieren aktiv weitere Möglichkeiten. Wie erwähnt, sehen wir eine klare Lücke für professionelle, längerfristige Investoren, deren Mindset dem starker Unternehmer in der Dach-Region gleicht. Wir bringen neben Kapital auch ein tiefes nationales und internationales Netzwerk mit ein und wollen die Entwicklung der Unternehmen aktiv und partnerschaftlich begleiten.
Gleichzeitig ist zu beobachten, dass der deutsche Mittelstand zunehmend offen für die Zusammenarbeit mit langfristigen institutionellen Partnern ist. Die QGroup ist dafür ein gutes Beispiel – aber sicherlich nicht das letzte.
Über den Interviewten:
Nikolaus Hubmann ist seit 2022 bei Pictet als Leiter der Region DACH für direkte Private-Equity-Anlagen tätig. Zuvor arbeitete er bei Sun European Partners und bei der Deutschen Bank.