Private-Equity-Branchentreffen Was die Besucher der Super Return International bewegt

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Branche unter Heuschrecken-Verdacht

Immer noch gilt, dass Private Equity in Kontinentaleuropa ein Nischenprodukt ist und die Branche insgesamt nach wie vor unter ihrem Heuschreckenimage leidet. Im Umkehrschluss bedeutet das aber, dass das Aufholpotenzial entsprechend groß ist. Die Konferenz konnte erneut einen Besucherrekord verzeichnen.

Wohl auch um zu zeigen, dass Private Equity eine positive Rolle in der europäischen Gesellschaft spielen will, wurde ein sogenannter „ESG -Gipfel“ auf die Agenda der Konferenz gesetzt. Viele Private-Equity-Firmen haben sich verpflichtet, bestimmte Standards in Bezug auf die Umwelt (environment), die soziale Kohäsion (social) und die Unternehmensführung (governance) einzuhalten.

Dabei erzielen Impact-Investoren offenbar bessere Renditen mit niedrigerem Risiko als Anleger, die sich „nur“ ESG auf die Fahne geschrieben haben oder sich weder um ESG noch um Impact kümmern. Impact-Investoren engagieren sich in allen Asset-Klassen, solange es messbare positive Nettoeffekte gibt, etwa auf die Umwelt. Sie kritisierten auf der Konferenz unter Anderem, dass British Petroleum (BP) zu 95 Prozent die ESG-Standards erfüllt, obwohl die Firma mit zu den schlimmsten Umweltsündern zählt.

Außerdem verweisen sie auf die schlechte Performance der BP-Aktie und prognostizierten, dass der Kurs weiter unter Druck bleiben wird. Die Gründe liegen auf der Hand: steigende Ressourceneffizienz und schwache Nachfrage nach fossilen Brennstoffen. Hinzu kommt die Konkurrenz durch Solarenergie. In Texas wird diese neuerdings für 4 US-Cent pro Kilowattstunden angeboten. Der Ölpreis müsste auf 7 Dollar pro Barrel fallen, um da mithalten zu können.

Erneuerbare Energien werden konkurrenzfähig

Das Thema Umwelt und die Auswirkungen der Pariser Cop-21-Beschlüsse auf die Asset Allocation spielten eine große Rolle auf dieser Super-Return-Konferenz. Al Gore, der frühere Vizepräsident der USA, und sein Partner bei der Investmentgesellschaft Generation Asset Management berichteten, dass nachhaltige Kapitalanlagen nicht nur gut, sondern nachweislich lohnender sind als andere Anlagen.

Viele Konferenzteilnehmer waren sich da nicht so sicher, da man ja grundsätzlich davon ausgehen sollte, dass die Rendite durch die Einschränkung des Anlagespektrums sinkt. Dagegen wurde gehalten, dass Manager, die auf nachhaltige Anlagen setzen, meist hochmotiviert und entsprechend erfolgreich sind. Bei gesamtheitlichen Investitionsansätzen werden externe Effekte mit berücksichtigt, also die Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß, das Wasser, den Ressourcenverbrauch oder das Müllvolumen.

Heute mag das Manchem nicht so wichtig erscheinen, für die Zukunft gilt das aber ganz sicher nicht. Ressourceneffizienz und Wettbewerbsfähigkeit schließen sich immer weniger aus.

Nicht zuletzt wurde die Frage diskutiert, ob es wirklich noch sinnvoll ist, sein Geld in die Exploration und Förderung von Erdöl, Gas und Kohle zu stecken, oder in Unternehmen, die fossile Brennstoffe als Inputs verwenden, etwa in die traditionelle Autoindustrie einschließlich ihrer Zulieferer. Erstens sind erneuerbare Energien jetzt an vielen Stellen der Welt auch ohne Subventionen konkurrenzfähig, da der Preis für Solarstrom von 800 Dollar je Kilowattstunde im Jahr 2000 auf die schon erwähnten 4 US-Cents je Kilowattstunde in Texas gefallen ist.

Zum Zweiten hat die Münchner Wachstumsfirma „The Mobility House“, ein Spin-off der Siemens-Pumpspeicherabteilung, ein Geschäftsmodell entwickelt, mit dem sich mit der Batterie eines Elektroautos pro Jahr ein Ertrag von 2.000 Euro erwirtschaften lässt – die Batterie wird für die Stabilisierung des Stromnetzes eingesetzt. Dadurch lässt sich der Nettopreis eines Elektroautos unter den Preis eines Autos mit Verbrennungsmotor drücken. Zudem sinken die Batteriepreise ständig weiter.

Die Elektromobilität könnte vor dem Durchbruch stehen. Das hat große negative Folgen für Private-Equity-Beteiligungen an Öl-, Gas- und Kohleunternehmen, oder an Unternehmen der Automobilindustrie. Die These ließ die großen Buy-out-Fonds im Saal und auf dem Podium aufhorchen. 


Über den Autor:
Jochen Wermuth hat im Jahr 1999 Wermuth Asset Management (WAM) gegründet. Das Family Office hat sich auf Impact und Value Investments in ressourceneffiziente Unternehmen spezialisiert und befolgt dabei die UN-Prinzipien für nachhaltige Investments (PRI). Über Private Equity, Listed Assets und Real Assets investiert das Unternehmen Eigenkapital sowie Drittkapital über von WAM beratene Fonds.