Private-Equity-Branchentreffen Was die Besucher der Super Return International bewegt

Beobachtet eine zunehmende Bedeutung von Private Equity als Anlagealternative: Gastautor Jochen Wermuth von Wermuth Asset Management

Beobachtet eine zunehmende Bedeutung von Private Equity als Anlagealternative: Gastautor Jochen Wermuth von Wermuth Asset Management

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Auf der diesjährigen Berliner Super Return-Konferenz war zu beobachten, dass Private Equity für viele Versicherungen als Anlagealternative wichtiger geworden ist. Mit langlaufenden Anleihen lässt sich kaum noch eine Rendite in der Nähe der Zielvorgaben erwirtschaften: Ende Februar rentierten zehnjährige Pfandbriefe lediglich mit 0,5 Prozent, zehnjährige Bonds mit 0,15 Prozent; bei den Dreißigjährigen waren es kaum weniger dürftige 1,0 Prozent und 0,85 Prozent.

Institutionellen Anlegern bleibt nichts anderes übrig, als den Mix aus Risiko und Ertrag mehr in Richtung Risiko zu verschieben. Sie sind inzwischen schon fast verzweifelt auf der Suche nach einer auskömmlichen Rendite, zumal nicht auszuschließen ist, dass die Zinsen am Geldmarkt und am Markt für Anleihen bester Qualität auf Jahre hinaus negativ sein werden.

Investoren müssen umsatteln

Die übliche Asset Allocation – 60 Prozent Bonds, 40 Prozent Aktien –, die seit den frühen achtziger Jahren in der Alterssicherung das Erfolgsmodell schlechthin war, wird in Zukunft nicht funktionieren, da die Zinsen schon fast bei null oder sogar negativ sind. Vor 30 Jahren waren die Zinsen von einem hohen Niveau aus stetig gesunken, so dass der Wert der Bonds entsprechend stieg.

Stattdessen dürften Versicherer und Pensionskassen zunehmend auf das sogenannte Endowment-Modell amerikanischer Provenienz umsatteln, also 60 Prozent in alternative Anlageklassen wie Private Equity, Hedgefonds, Infrastruktur und andere Sachanlagen stecken, die restlichen 40 Prozent in Aktien, Bonds und Liquidität.

Andererseits fällt es jungen und innovativen Firmen, die für ihre Expansion Kapital benötigen, nicht leicht, von Banken Kredite zu verkraftbaren Konditionen zu bekommen. Die Banken sind zu sehr damit beschäftigt, ihre Bonität zu verbessern und den gestiegenen Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu genügen, vor allem nach der Einführung von Basel III.

Mehr als vor der globalen Finanzkrise scheuen sie das Risiko und halten sich daher mit Ausleihungen stark zurück. Sie konzentrieren sich auf das konservative Geschäft und verlangen vielfach Sicherheiten, die die Newcomer nicht stellen können.

Trotz der massiven Liquiditätszufuhr durch das Eurosystem und der negativen Zinsen auf die Einlagefazilität der Banken bei der EZB stagniert die Kreditvergabe mehr oder weniger – im Januar übertrafen die Kredite an den nicht-finanziellen Unternehmenssektor des  Euroraums ihren Vorjahreswert lediglich um 0,6 Prozent.

Gesteigertes Interesse an Private Equity

Mit anderen Worten: Es bestehen gleichzeitig ein gesteigertes Interesse der Anleger an Private Equity und ein dringender Bedarf kleiner und mittlerer Firmen an Eigenkapital. Das Umfeld könnte daher für die Branche kaum günstiger sein.

Die Bundesregierung hat erkannt, dass durch den Rückzug der Banken aus der Finanzierung junger, kleiner, innovativer aber eben auch riskanter Wachstumsfirmen eine gefährliche Lücke entstanden ist. Sie hat die KfW daher beauftragt, wieder einen „Fund of Funds“ mit Schwerpunkt „Wachstumsfonds“ aufzulegen.

Allerdings fließt die Masse des Kapitals dadurch noch nicht zu den kleinen und mittleren Unternehmen, die es besonders nötig hätten. Versicherungen und Pensionskassen müssen große Summen unterbringen und verlassen sich am liebsten auf etablierte Geschäftsmodelle. Dazu gehören vor allem „Buy-out Funds“. Weil viele von ihnen gegründet wurden, als die europäischen Banken noch Wachstumskapital anboten, haben sie lange Track Records und gelten daher als vergleichsweise risikolos. 

Im Buy-out-Bereich waren in den vergangenen Jahren die Erträge im Beteiligungsgeschäft sehr hoch. Durch die expansive Liquiditätspolitik der EZB war es zu einem Aktienboom gekommen, der wiederum einen regelrechten Private-Equity-Boom ausgelöst hatte. In dessen Verlauf waren die Bewertungen stark gestiegen. Es ist daher nicht mehr leicht, oder nicht wahrscheinlich, auf dem jetzigen Preisniveau Anlagen mit den gewohnt hohen Renditechancen zu finden.

Der Markt scheint das verstanden zu haben und ist gegenüber gelisteten Private Equity Firmen sehr skeptisch geworden: Die Carlyle Group berichtet, dass die Aktienkurse der großen Buy-out-Firmen in den vergangenen zwölf Monaten um 31 Prozentpunkte stärker gesunken sind als der S&P 500 Index. Vermutlich ist die Kurskorrektur noch nicht abgeschlossen.

Offenbar ist vor allem der Buy-out-Markt überhitzt. Künftig werden Targets mit vernünftigen Einstandsbewertungen noch schwerer zu finden sein als bisher. Wachstumsfirmen sind dagegen in der Regel angemessen bewertet und insofern weniger rückschlagsgefährdet. Sie haben entsprechend mehr Potenzial nach oben. Die Konkurrenz der Fonds ist hier nicht sehr groß, weil die Betreuung der Portfoliofirmen personalintensiv ist und meist einen langen Atem erfordert.