Private-Equity-Branchentreffen Coronavirus beeinflusst auch die Super Return 2020

Julien Zornig ist Partner von Astorius Capital: Der Private-Equity-Experte schildert seine Eindrücke von der Super Return 2020.

Julien Zornig ist Partner von Astorius Capital: Der Private-Equity-Experte schildert seine Eindrücke von der Super Return 2020. Foto: Astorius Capital

Die globale Private-Equity-Szene traf sich vergangene Woche zu ihrer jährlichen Branchenkonferenz im Berliner Hotel Inter Conti – unter dem – etwas unglücklich getauften Namen „SuperReturn“. Wie schon in den Vorjahren war die Konferenz getragen von den überdurchschnittlichen Anlageergebnissen und dem allgemeinen Wachstum in der Branche. Seit 2000 hat sich das von Private-Equity-Fonds verwaltete Vermögen auf 2,3 Billionen US-Dollar versechsfacht, was ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 10 Prozent bedeutet. Der deutsche Markt wuchs im Vergleichszeitraum sogar mit 17 Prozent. Allein für das Jahr 2019 vermeldet der Bain Global Private Equity Report einen Mittelzufluss von 894 Milliarden US-Dollar.

Ein Trend, der sich im Fundraising der Fonds zu etablieren scheint, ist das Modell Winner takes it all, da das Gros der Neugelder vor allem einer konzentrierten Gruppe von immer größeren Mega-Fonds zufließt. Im Jahr 2020 werden in Europa drei neue Fonds der Branchengrößen CVC, EQT und BC Partners mit einem kombinierten Volumen von rund 38 Milliarden Euro erwartet. Damit würden diese drei Fonds etwa 44 Prozent des Kapitals auf sich vereinen, das im Gesamtjahr 2019 europaweit 89 Private-Equity-Fonds eingeworben haben. Dagegen sind die Wachstumsraten kleinerer Fonds unterhalb eines Fondsvolumens von 1 Milliarde Euro weiterhin moderat. Es sind insofern die größten institutionellen Investoren mit ihren Investments in die größten Fonds, die weiterhin die Preise für die größten Transaktionen treiben.

Beliebt bei vielen Private Equity Managern sind mittlerweile eher defensive Industrien wie Gesundheitswesen oder Software. Dieser Trend wird von vielen Marktteilnehmern getragen, weshalb die Unternehmensbewertungen in den beiden Sektoren und insbesondere bei größeren Unternehmen weiter ansteigend sind.

Die Ausbreitung des Coronavirus ging auch an der Super Return nicht spurlos vorüber. Vor allen wohl aus Norditalien und Asien blieb in diesem Jahr eine spürbare Anzahl von angemeldeten Teilnehmern der Veranstaltung fern. Neben der Verunsicherung an den liquiden Aktienmärkten muss konstatiert werden, dass die realwirtschaftlichen Effekte des Virus auch die nicht-börsennotierten Unternehmen erreichen werden. So prüfen Private-Equity-Manager für ihre nächsten Quartalsbewertungen bereits eine Herabsetzung der Bewertungsniveaus ihrer Portfoliounternehmen.

Für die laufende Bewertung von Private-Equity-Beteiligungen verwenden Manager neben spezifischen Unternehmenskennzahlen wie Umsatz- und Gewinnentwicklung als Richtwerte insbesondere auch die Bewertungsniveaus der repräsentativen Vergleichsunternehmen und -Industrien an der Börse, die so genannten Listed Comparables. Kommt es hier zu nachhaltigen Kurseinbrüchen, finden sich diese früher oder später eben auch in den Private-Equity-Portfolios wieder. Ebenso führen die aktuellen Kursturbulenzen zu einer Reevaluierung von bereits geplanten Unternehmenstransaktionen, deren Kaufpreise neu bewertet werden dürften.

Bei einer länger anhaltenden Korrektur an den Aktienmärkten werden zudem auch Gesamtportfolios aufgrund von relativen Verschiebungen neu adjustiert. Der zumeist relativ hohe Portfolioanteil der liquiden Aktien sinkt durch die Kursverluste überproportional, während die Private-Equity-Allokationen im Gegenzug durch verzögerte und gedämpfte Preisanpassungen relativ steigen. Da viele institutionelle Anleger ohnehin bereits hohe Quoten von Private Equity im Portfolio aufweisen, könnte eine solche Anlageklassenverschiebung perspektivisch zu einer verringerten Nachfrage nach zusätzlichen Private-Equity-Investitionen führen.

Neben dem Coronavirus nannten die Manager auf der Super Return vor allem globale Handelskriege, die Präsidentschaftswahl in den USA, einen möglichen breiten Konjunkturabschwung sowie den intensivierten Wettbewerb um talentierte Mitarbeiter als Risikothemen für 2020. Der Brexit ist von der Themenagenda fast verschwunden, man sei mittlerweile nur noch erleichtert, dass die Unsicherheit vorbei ist.

Unabhängig von den diversen Themen, mit denen wir und unsere Branche uns nun zu befassen haben, zeigen die langfristig sehr stabilen Ergebnisse von Private-Equity-Fonds weiterhin die Möglichkeit, mit Unternehmensbeteiligungen abseits der Börsen hervorragende Ergebnisse zu erzielen. In unseren etwa 100 Einzelgesprächen während der Super Return mit Fondsmanagern aus unterschiedlichsten Ländern, Sektoren und Größenklassen konnten wir eine beginnende Abkehr von Private Equity als festem Standbein einer langfristig erfolgreichen Allokation überhaupt nicht erkennen. In herausfordernden Zeiten sollten Anleger nur umso konsequenter die gründliche Auswahl und Prüfung von einzelnen Fondmanagern betreiben.



Über den Autor:
Julien Zornig ist Partner der Hamburg Private-Equity-Boutique Astorius Capital. Bevor er dort im September 2013 einstieg, war er über zehn Jahre lang in leitender Funktion bei den Privatbanken M.M. Warburg und Berenberg im Bereich Alternative Investments tätig.