Private-Equity-Beteiligungen „Das trockene Pulver hat historische Höchststände erreicht“

Hamish Mair: „Man kann selbst jetzt noch gute Unternehmen für das Sechs- bis Achtfache des Ebitda oder sogar weniger kaufen.“

Hamish Mair: „Man kann selbst jetzt noch gute Unternehmen für das Sechs- bis Achtfache des Ebitda oder sogar weniger kaufen.“

private banking magazin: Wie ist derzeit die allgemeine Lage am europäischen Private-Equity-Markt?

Hamish Mair: Wir beobachten zurzeit sehr viel Bewegung im europäischen Private-Equity-Markt. Die Fonds haben in den vergangenen Jahren eine beträchtliche Menge an Eigenkapital eingeworben, und das sogenannte trockene Pulver hat historische Höchststände erreicht. Der Bankensektor ist gründsätzlich liquide und daher geneigt, Mittel für Management-Buy-outs zur Verfügung zu stellen. Außerdem gibt es neue Quellen von Fremdkapital wie Schuldtitelfonds, die zunehmend an Private-Equity-Deals beteiligt sind. Die Transaktionsaktivität hat sich demnach deutlich belebt. Die Preise steigen seit einigen Jahren und nähern sich historischen Höchstständen. Mittelständische Unternehmen sind weiterhin deutlich günstiger als große Unternehmen.

Das zeigt sich umso stärker, je niedriger der Umfang einer Transaktion ist: Deals unter 100 Millionen Euro Unternehmenswert können um das zwei- oder dreifache Ebitda günstiger sein als über 500 Millionen Euro schwere Deals. Private-Equity-Firmen nutzen die aktuellen Bedingungen, um reife Beteiligungen an andere Private-Equity-Geber, an strategische Interessenten oder im Zuge von Börsengängen zu verkaufen. 2017 dürfte das dritte oder vierte Jahr in Folge sein, in dem viele Deals über die Bühne gehen.

Beeinflusst das Niedrigzinsumfeld den Markt?

Mair: Fremdkapital ist in absoluten Zahlen günstig – tatsächlich ist es aber nicht so billig, wie es aussieht. Interessanterweise haben Private-Equity-Investoren den angestrebten internen Zinsfuß in den zurückliegenden 30 Jahren tendenziell auf stabilem Niveau halten können, unabhängig von Fremdkapitalkosten. Die Verfügbarkeit von Fremdkapital ist vermutlich wichtiger als die Fremdkapitalkosten. Zurzeit ist diese gut und treibt, zusammen mit dem oben erwähnten verfügbaren Eigenkapital, die Preise tendenziell nach oben.

Können – verglichen mit den Jahren vor der Bankenkrise – nach wie vor zweistellige Renditen erzielt werden?

Mair: In den Jahren unmittelbar vor der Bankenkrise, 2006 und 2007, haben wir relativ hohe Preise erlebt, die mit den aktuellen Preisen vergleichbar sind. Aber die Transaktionsvolumina waren deutlich höher. Der Anteil von Fremdkapital bei einem typischen Buy-out war damals sogar noch höher – und mit einer Reihe dieser Transaktionen erzielten Anleger keine angemessenen Renditen, auch wenn der Einbruch der Zinssätze 2008 und 2009 die Zahl der Katastrophen begrenzt hat. Es gibt überhaupt keinen Grund, in Private Equity zu investieren, außer wenn Sie eine sehr gute Chance sehen, mindestens zweistellige Renditen zu erzielen. Die langfristigen Renditen am Aktienmarkt liegen bei etwa 7 oder 8 Prozent jährlich. Private Equity sollte mindestens 5 Prozentpunkte, möglicherweise sogar bis zu 10 Prozentpunkte mehr erwirtschaften.

In wettbewerbsintensiven Teilen des Private-Equity-Markts müssen Preis- und Transaktionsstrukturen nach Plan laufen, um traditionelle Renditen von 20 Prozent oder mehr zu erreichen. Im Allgemeinen geht nicht alles nach Plan, sodass einige teure Transaktionen wirklich enttäuschen- de Ergebnisse liefern werden. Das bedeutet nicht, dass bestimmte Manager in bestimmten Nischen des Mittelstandsmarkts nicht hervorragende Renditen erzielen können. Dafür braucht es aber sorgfältige Auswahl und umfassendes Know-how.

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