Private Debt Spielarten, Strategien, Gewinnmöglichkeiten und Perspektiven

Andreas Mittler von BNP Paribas AM

Andreas Mittler von BNP Paribas AM: „Im Kern heißt Infrastructure Debt: Kreditvergabe gegen regelmäßigen Cashflow.“ Foto: BNP Paribas Asset Management

Ein Wort genügt, um den internationalen Kapitalmarkt im vergangenen Jahrzehnt zu beschreiben: Niedrigzinsumfeld. Seit der globalen Finanzkrise 2008 verharren die Zinssätze auf einem historisch niedrigen Niveau. Teils negative Realrenditen bescherten vielen Investoren einen Wertverlust. Mit Beginn der Covid-Pandemie kam dann noch ein Beschleuniger hinzu. Nie dagewesene geld- und fiskalpolitische Impulse drückten die Zinssätze weiter nach unten und erhöhten die Volatilität an den Börsen.

Gleichzeitig rückte bei institutionellen Investoren wie Versicherungen oder Defined-Benefit-Pensionsfonds das Thema Private Debt immer stärker in den Blickpunkt, weil die langfristige Kreditvergabe durch Banken aufgrund des steigenden Regulierungsdrucks zurückging. Der Markt für private, nicht-börsengelistete Schuldtitel wird auf eine Billion US-Dollar geschätzt und ist breit gefächert. Private Debt Produkte wie Infrastrukturdarlehen oder gewerbliche Immobilienkredite gehören ebenso dazu wie die Kreditvergabe an kleine und mittelständische Unternehmen.

Viele Infrastruktur- oder Immobiliendarlehen werden durch stabile und vertraglich vereinbarte Cashflows gestützt. Da illiquide und nicht börsennotiert, ist die Volatilität privater Schuldtitel oft niedrig, trotzdem bieten sie wegen der Illiquiditätsprämien überdurchschnittliche Renditen. Der Trend gewinnt weiter an Fahrt, weil innovative, diversifizierte Lösungen dafür sorgen, dass jetzt auch kleinere institutionelle Anleger Private Debt effizient allokieren können. Diversifizierungseffekte ergeben sich insbesondere aus den Eigenschaften von Private Debt im Vergleich zu öffentlich gehandelten Krediten.


Private Debt kann mit verschiedenen Anlageklassen unterlegt werden, Investoren können zwischen fixen und variablen Zinsen, Vorrang- oder Mezzanine-Kapital wählen. Weiter erhöht wird die Risikostreuung in globalen Portfolios durch das Engagement in verschiedenen Ländern und Währungen.

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ESG – Die starke Triebfeder im Investmentbereich

Wie Private Debt ist auch nachhaltiges Investieren ein dynamisch wachsender Trend. Nachdem der Ansatz ursprünglich auf Basis von Negativkriterien bestimmte Firmen und Sektoren ausschloss, versuchen Investoren heute Umweltfragen (Environment), soziale Aspekte (Social) und die Unternehmensführung (Governance) in ihre Anlageentscheidungen zu integrieren. So genannte ESG-Faktoren, das belegen wissenschaftliche Untersuchungen, schaffen langfristig einen Mehrwert im Portfolio.

Als 2006 die Vereinten Nationen die United Nations Principles for Responsible Investment (UNPRI) initiierten, bestand ein Ziel darin, Investoren einen Rahmen zu geben, in dem sie den Nutzen von ESG innerhalb ihrer Anlageportfolios prüfen konnten. Heute ist der Reifeprozess von ESG weit fortgeschritten. Die Medien verankern Schlüs-selthemen wie Einkommensungleichheit im Bewusstsein der Menschen und Investoren bekennen sich zu ihrer sozialen Verantwortung bei Menschenrechten, Arbeitsrechten oder Arbeitsbedingungen und stellen sich gegen moderne Sklaverei und Kinderarbeit.