Unsicherheit bei den Zinsen? Unsicherheit mit Blick auf die Inflation? Denken Sie einmal über die Merkmale von Private Debt nach. Als (typischerweise) variabel verzinsliche Produkte bieten sie einen Teilschutz vor Inflation und einem unsicheren Zinsumfeld – ein für längerfristige Anleihen ungewöhnliches Merkmal.
Diese variabel verzinslichen Anleihen werden häufig vertraglich als 3-Monats-Euribor plus einem attraktiven festgelegten Spread definiert. In der Regel wird in jedem Quartal eine Anpassung vorgenommen, die dem sich verändernden wirtschaftlichen Umfeld Rechnung trägt. Dies steht im Gegensatz zu anderen festverzinslichen Anlagen. Die meisten Floating Rate Notes (FRNs/variabel verzinsliche Anleihen) haben eine Laufzeit von nur zwei bis fünf Jahren, während inflationsgeschützte Staatsanleihen („Linkers“) an den Inflationsindex statt an die Zinssätze gekoppelt sind – also rückwärtsgerichtet statt zukunftsorientiert. Zudem erfolgt die Kuponzahlung häufig nur halbjährlich oder jährlich. Vielleicht könnte Ihr Portfolio von einer Anlage profitieren, bei der Sie weder zukünftige Inflation vorhersagen noch absichern müssen?
Grafik: Teilweiser Inflationsschutz - 3-Monats-Euribor-vs.Inflation im Euroraum
Ihr Portfoliomix: Die Attraktivität vertraglicher Renditen
In jeder Anlagestrategie hat eine Mischung verschiedener Anlageklassen ihren Platz. Berücksichtigen Sie die Eigenschaften von Aktien, Investment Grade Credit, High Yield Credit, Immobilien, Liquidität und weiteren Optionen – aber halten Sie auch einen Platz für Private Credit frei.
Private Debt bietet planbare, vertraglich festgelegte Cashflows. Um die ausgleichende Rolle dieser Strategie im Portfolio zu erkennen, betrachten Sie einmal die unterschiedlichen Merkmale einiger anderer Anlageklassen. Private Equity beispielsweise bot in der Vergangenheit attraktive Durchschnittsrenditen, jedoch mit geringer Vorhersehbarkeit. Höhe und Zeitpunkt der Erträge sowie Cashflows sind schwer prognostizierbar und werden im Wesentlichen erst beim Verkauf der Beteiligung realisiert – zu einem unbekannten Zeitpunkt und Wert. Unter den liquiden oder gehandelten Anlageklassen können börsengehandelte Aktien bewertet und verkauft werden, aber ihre Cashflows sind auf Dividenden von 2 oder 3 Prozent, wenn überhaupt, begrenzt. Aktionäre kennen jeden Tag den aktuellen Wert, aber wissen nicht, wie der Börsenwert zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft aussehen wird. Unterm Strich? Aktienmarktrenditen sind mit geringer Vorhersehbarkeit und niedrigen Cashflows verbunden. Aber das wussten Sie bereits.
Börsengehandelte Anleihen liefern planbare Zinszahlungen und lassen sich jederzeit handeln. Dafür fällt ihre Rendite in der Regel niedriger aus – und sie bieten kaum Chancen auf zusätzliche Wertsteigerungen, weil die meisten Anleihen einen festen Zinssatz haben.
Private Debt hingegen bietet eine Liquiditäts- bzw. Illiquiditätsprämie, also einen Renditeaufschlag dafür, dass das Kapital länger gebunden ist. Gleichzeitig sind die Cashflows besser planbar: Die Investoren stehen in engem Austausch mit dem Management der Unternehmen, erhalten tiefere Einblicke und verfügen über mehr Einflussmöglichkeiten.
Und unterschätzen Sie nicht, wie wichtig es in Marktstressphasen ist, die oberste, besonders geschützte Senior Tranche einer Finanzierung zu halten – eine Position, die im Private-Debt-Bereich deutlich häufiger vorkommt als in vielen anderen Kreditsegmenten.
Solides Kreditgeschäft – wie früher
Unternehmensanleihen folgen in der Regel den bewährten Grundsätzen des Gläubigerschutzes. Das heißt, diese Produkte schützen Sie als Anleger. An den heutigen Märkten handelt es sich bei den meisten Anleihen, Bankkrediten und anderen Formen von Unternehmensanleihen um endfällige Kredite ohne zwischenzeitliche Kapitalzahlungen. Da die Rückzahlung des Kapitals erst bei Fälligkeit erfolgt, sind die Banken und Investoren in diesen Strukturen nur zu einem einzigen Zeitpunkt auf die Kreditqualität des kreditnehmenden Unternehmens angewiesen. Und am Fälligkeitstag des Kredits möglicherweise auch den Finanzmärkten ausgeliefert.
Es wirkt fast wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten: Früher bestanden Kreditgeber regelmäßig auf klaren finanziellen Vorgaben und anderen Schutzklauseln, um ihre Interessen abzusichern. Durch den Wettbewerb zwischen Banken und Versicherern ist dieses Vorgehen vielerorts zurückgegangen – im Private-Debt-Segment gehört es jedoch nach wie vor zum Standard.
Selbst große Unternehmen emittierten einst sogenannte Sinking Fund Bonds, bei denen jährlich ein Teil der Anleihen getilgt wurde, um das Risiko für Investoren zu reduzieren. Auch Bankkredite waren mit planmäßigen Kapitalzahlungen strukturiert, ein weiterer Anachronismus, der verblasste, als die Kreditnehmer begannen, die Oberhand zu gewinnen. Im Private Debt-Segment hingegen sind Covenants weiterhin üblich, und Manager überwachen die Geschäftstätigkeit der Kreditnehmer engmaschig. Diese Vereinbarungen werden individuell auf die Risiken des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten und erlauben Investoren oft ein frühzeitiges Eingreifen, um Zahlungsausfälle zu vermeiden.
Per Definition wird Private Debt von Unternehmen begeben, die keinen Zugang zu öffentlichen Anleihemärkten haben oder kein Interesse bei Banken wecken. Diese Finanzierungen werden so gestaltet, dass sie während der gesamten Laufzeit verlässliche, vertraglich festgelegte Zahlungsströme liefern. Und wenn selbst meine Bank bei meiner – trotz Besicherung – ganz normalen Hypothek regelmäßige Tilgungen verlangt, spricht doch vieles dafür, auch als Investor auf eine solche „altmodische“ Planbarkeit zu setzen.
Vorteile von Private Debt: Schnellerer Kapitalrückfluss und mehr Kontrolle
Mit höheren Kupons als in vielen anderen Anleihesegmenten oder Anlageformen reduzieren sich die Risiken von Investoren in Privatanleihen schneller als bei anderen Anlageklassen. Denken Sie an vierteljährliche Zinszahlungen von zum Beispiel 8 Prozent – das entspricht 40 Prozent Rückfluss auf das eingesetzte Kapital innerhalb der ersten fünf Jahre. Zum Vergleich: Öffentlich oder privat gehandelte Aktien und Investment Grade Debt bieten kein solches Tempo des Kapitalrückflusses.
Durch diese höheren vertraglich vereinbarten Zahlungen bleiben Investoren auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eng am Unternehmen dran – mit besserem Einblick und mehr Kontrolle über die Cashflows.
Das Fazit: Vertragliche Cashflows, robuste Renditen
Private Debt bietet konsistente und vorhersehbare Zahlungsströme und ist damit eine verlässliche Option in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten. Als eine der wenigen festverzinslichen Anlageformen mit variabler Verzinsung liefert sie Erträge, die gegenüber der Inflation widerstandsfähig sind.
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