Lokale Unternehmenskredite Was Anleger bei Krediten in Zentralasien tatsächlich finanzieren

Johannes Feist, CEO von MK Global Kapital

Johannes Feist, CEO von MK Global Kapital Bildquelle: MK Global Kapital

Die Diskussion über Private Credit dreht sich häufig um große Buy-out-Finanzierungen in den USA und Europa. In Zentralasien stehen meist kleinere Vorhaben im Mittelpunkt. Betriebe benötigen Geld für Maschinen, Fahrzeuge, Warenbestände oder den Ausbau ihrer Produktion. Dafür wenden sie sich an lokale Banken, Leasinggesellschaften oder spezialisierte Finanzierer.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung weist für Zentralasien 2025 ein Wachstum von 6,9 Prozent aus. Für 2026 erwartet sie 5,6 Prozent. Die Länder unterscheiden sich jedoch deutlich. Kasachstans Finanzmarkt ist anders aufgebaut als die Märkte in Usbekistan, Kirgisistan oder Tadschikistan. Auch Währungen und Rechtsrahmen sind verschieden, ebenso die Bedeutung einzelner Branchen. Eine Kreditstrategie lässt sich daher nicht unverändert von einem Land auf das nächste übertragen.

Warum viele Betriebe nur schwer Kredite erhalten

Wie groß die Finanzierungslücke trotz des Wachstums sein kann, zeigt Usbekistan. Dort entfallen rund drei Viertel der Beschäftigung auf Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen. Laut Weltbank berichten jedoch nur 10 Prozent der kleinen und 16 Prozent der mittleren Firmen, dass sie Zugang zu Krediten haben. Die Weltbank beziffert die Lücke zwischen Kreditnachfrage und Angebot auf etwa 6 Milliarden US-Dollar. Mehr als ein Drittel dieser Unternehmen hat kein Bankkonto, und weniger als 30 Prozent der Umsätze werden elektronisch abgewickelt. Das kann die Kreditprüfung erschweren, weil weniger verlässliche Transaktionsdaten vorliegen.

Damit bleibt ein großer Teil der Kreditnachfrage ungedeckt. Über die Qualität eines einzelnen Kredits sagt das allerdings nichts. Neben wachsenden Betrieben gibt es Unternehmen, die bereits hoch verschuldet sind oder deren Einnahmen stark schwanken. Der lokale Kreditgeber muss prüfen, ob der Betrieb seine Raten auch dann bezahlen kann, wenn das Geschäft vorübergehend schlechter läuft.

 

Was Anleger tatsächlich finanzieren

Wie eine solche Finanzierung in der Praxis aussehen kann, zeigt ein landwirtschaftlicher Betrieb, der einen Traktor leasen möchte. Die örtliche Leasinggesellschaft prüft, wie viel der Betrieb verdient, welche Schulden bereits bestehen und ob die erwarteten Einnahmen für die Raten reichen. Sie kauft den Traktor und überlässt ihn dem Betrieb gegen regelmäßige Zahlungen. Das nötige Kapital kann über ein Anlagevehikel zur Leasinggesellschaft fließen.

Zwischen dem Anleger und dem Betrieb liegen damit mehrere Stationen. Der Anleger sollte wissen, wer die Finanzierung genehmigt, wer die Raten einzieht und wie schnell Zahlungsverzögerungen gemeldet werden. Er braucht außerdem verlässliche Daten zu den einzelnen Finanzierungen. Eine große Zahl von Kreditnehmern sagt wenig über die Qualität des Portfolios aus, wenn Entscheidungen schlecht dokumentiert sind oder Probleme erst spät sichtbar werden.

Die Raten müssen aus dem laufenden Geschäft kommen. Der Traktor erhöht die Produktivität, ein Fahrzeug bringt Waren zum Kunden, ein Bewässerungssystem senkt den Wasserverbrauch. Gelingt die Investition, steigen die Einnahmen oder die Kosten sinken. Daraus bezahlt der Betrieb Zins und Tilgung. Eine solche Investition kann auch soziale oder ökologische Wirkung entfalten. Voraussetzung bleibt, dass der Betrieb Zins und Tilgung aus seinem laufenden Geschäft leisten kann.

Ein höherer Kreditzins vor Ort kann mehrere Gründe haben. Kapital ist knapp, viele kleine Kredite müssen einzeln geprüft werden, und Kreditgeber preisen Risiken ein, die sich aus dem jeweiligen Land, seiner Währung und seinem Rechtsrahmen ergeben. Der Kreditzins vor Ort ist jedoch nicht die Rendite des Anlegers. Ausfälle, die Kosten der Währungsabsicherung und die Vergütung der beteiligten Gesellschaften mindern den Ertrag. Je nach Ausgestaltung kommen Gebühren des konkreten Instruments hinzu. Für den Vergleich mit anderen Anlagen zählt daher die erwartete Rendite nach sämtlichen Kosten.

Wo die Rechnung kippen kann

Beim Währungsrisiko wird besonders deutlich, wer welche Belastung übernimmt. Der Betrieb verdient in der jeweiligen Landeswährung, während die übergeordnete Finanzierung auf Euro oder US-Dollar lauten kann. Nimmt der Betrieb einen Fremdwährungskredit auf, verteuert eine Abwertung seine Raten. Zahlt er in lokaler Währung, trägt der Finanzierer oder das Anlagevehikel das Wechselkursrisiko.

Das Risiko kann abgesichert oder in den Konditionen berücksichtigt werden. Bleibt es offen, müssen Kapitalpuffer mögliche Verluste auffangen. Liquiditätsreserven helfen, fällige Zahlungen zu leisten.

Selbst wenn die Endkredite gut laufen, kann die Refinanzierung der Leasinggesellschaft zum Problem werden. Sie kann Tausende Verträge im Bestand haben und sich trotzdem nur bei wenigen Geldgebern refinanzieren. Läuft eine Kreditlinie aus und findet sich kein Ersatz, muss sie ihr Neugeschäft bremsen. Muss sie zugleich eigene Zahlungen leisten, kann Liquiditätsdruck entstehen. Die Zahl der Endkunden sagt daher wenig darüber aus, wie abhängig die Gesellschaft von einzelnen Geldgebern ist.

Für Anleger stellt sich außerdem die Frage, ob sie das Instrument vor Fälligkeit veräußern können. Das hängt davon ab, ob für das konkrete Instrument ein ausreichend liquider Sekundärmarkt besteht. Die Kredite an die lokalen Unternehmen selbst sind in der Regel kaum handelbar. Anleger sollten deshalb prüfen, wie lange ihr Kapital gebunden ist und wie realistisch ein Ausstieg vor Fälligkeit wäre. Geringe Wertschwankungen sind kein Beleg für ein geringes Risiko. Sie können schlicht darauf beruhen, dass kein täglicher Marktpreis existiert.

Fällt ein Kredit aus, zählt schließlich, ob sich die Sicherheit tatsächlich verwerten lässt. Eine Maschine taugt nur dann als Sicherheit, wenn die Eigentumsrechte eindeutig, die Unterlagen vollständig und die Bewertungen aktuell sind. Zudem muss sich das Gerät vor Ort verkaufen lassen. Der Manager muss auch die Arbeit des lokalen Partners laufend überwachen. Berichte auf Gruppenebene reichen nicht, wenn Daten aus dem operativen Geschäft verspätet oder unvollständig ankommen.

Ein großes Vermögen allein reicht nicht

Für hochvermögende Privatkunden kommt eine solche Strategie nur infrage, wenn das konkrete Instrument für sie zugänglich ist und sie zu seinem Zielmarkt gehören. Ein großes Depot macht einen Privatkunden nicht automatisch zum professionellen Kunden im Sinne von MiFID II. Für eine entsprechende Einstufung gelten festgelegte Kriterien und ein formales Verfahren.

Ist der Zugang möglich, kommt die Strategie nur als begrenzte Beimischung infrage. Sie sollte ein liquides, breit gestreutes Kernportfolio ergänzen. Der Kunde sollte das eingesetzte Kapital über mehrere Jahre nicht benötigen und einen Verlust verkraften können. Je nach Produkt wird nur in größeren Abständen bewertet, und ein Ausstieg vor Fälligkeit kann schwierig oder unmöglich sein.

Wer in absehbarer Zeit auf das Geld zugreifen muss, tägliche Preise erwartet oder sein Kapital möglichst sicher halten möchte, sollte Abstand nehmen. Das gilt auch für Kunden, deren Vermögen bereits stark im eigenen Unternehmen, in Immobilien oder in anderen schwer verkäuflichen Anlagen gebunden ist. Als Ersatz für Festgeld oder liquide Investment-Grade-Anleihen eignet sich die Strategie nicht.

 

Bei professionellen Anlegern stehen andere Fragen im Vordergrund. Zunächst muss das Mandat Engagements in Schwellenmärkten zulassen, und das Kapital muss für die vorgesehene Laufzeit verfügbar sein. Eine Anlage kommt eher infrage, wenn das Haus Währungsrisiken im Gesamtportfolio steuern und den Manager sowie seine lokalen Partner selbst prüfen kann. Dazu braucht es Zugang zu Daten über die Endkredite. Die Berichte sollten ausweisen, wie sich Zahlungsverzüge und Restrukturierungen entwickeln und wie das Portfolio nach Branchen und Währungen verteilt ist.

Gegen eine Allokation sprechen strenge Ratingvorgaben, kurzfristiger Liquiditätsbedarf oder fehlende Ressourcen für die laufende Kontrolle. Professionelle Anleger müssen außerdem klären, ob ihre Bilanzierungsregeln und aufsichtsrechtlichen Vorgaben ein solches Engagement erlauben. Was wirtschaftlich interessant erscheint, kann für einen Versicherer, eine Stiftung oder eine Pensionskasse trotzdem ungeeignet sein.

Bei lokalen Unternehmensfinanzierungen in Zentralasien können andere wirtschaftliche Faktoren über die Rückzahlung entscheiden als bei großen Buy-out-Krediten in den USA oder Europa. Sie können deshalb ein bestehendes Private-Credit-Portfolio ergänzen. Anleger brauchen dafür Zeit, genügend liquide Mittel und einen Manager, der die Kreditvergabe vor Ort kennt und kontrolliert. Wer auf das Kapital angewiesen ist oder die Arbeit des Managers nicht beurteilen kann, sollte nicht investieren, auch wenn die erwartete Rendite attraktiv erscheint.


Über den Autor:

Johannes Feist ist CEO von MK Global Kapital. Die Gesellschaft führt den Verbriefungsfonds „Alternative“, der mit mehr als 550 Millionen Euro Vermögen Kredit- und Leasinggesellschaften in Europa, dem Kaukasus und Zentralasien finanziert. Feist arbeitete zuvor 20 Jahre bei der KfW Entwicklungsbank, unter anderem in leitenden Funktionen für Finanzinstitutionen sowie Fonds- und Beteiligungsinvestments in Schwellenländern. 

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