Während eines Großteils des vergangenen Jahrhunderts wurden europäische Fußballvereine weniger wie Unternehmen behandelt, sondern eher wie Herzensprojekte. Die Eigentumsverhältnisse lagen oft bei lokalen Familien, Mitgliederverbänden oder vermögenden Privatpersonen, die die Vereine eher als Gemeinschaftsgut oder persönliches Engagement betrachteten, denn als gewinnorientierte Unternehmen.
Im Laufe der Jahre ist dieses Modell nach und nach einem weitaus komplexeren Modell gewichen. Die heutigen Spitzenvereine befinden sich an der Schnittstelle von Sport, Medien, Immobilien und globaler Unterhaltungsindustrie. Europa bleibt das Epizentrum dieses Wandels, denn jeder der 20 umsatzstärksten Vereine weltweit hat seinen Sitz in dieser Region. Der moderne Fußballverein ist nicht mehr nur eine Mannschaft; er ist ein kapitalhungriges Unternehmen, das sich in einem zunehmend komplexen finanziellen Umfeld behaupten muss.
Private Credit und die Finanzierung des europäischen Profifußballs
Dieser Wandel verlief jedoch nicht in allen europäischen Ligen einheitlich, was zu spezifischen Strukturen und Investitionsmärkten geführt hat. So haben beispielsweise die Größe und das Modell der Umsatzverteilung der englischen Premier League den Wettbewerb und die Attraktivität für externe Investitionen deutlich gesteigert, während sich der Wert in der spanischen La Liga weiterhin relativ stark an der Spitze konzentriert.
Die 50+1-Eigentümerregel der Bundesliga schränkt externes Kapital ein, und die Serie A leidet weiterhin unter einer veralteten Infrastruktur und einer ungleichmäßigen Kommerzialisierung. Diese strukturellen Unterschiede sind entscheidend, nicht nur für die Vereins -Strategie, sondern auch dafür, wie Kapital beschafft, strukturiert und bewertet wird. Vor diesem Hintergrund sind Kreditgeber abseits der Banken, insbesondere institutionelle Private-Credit-Anbieter, zu einem wesentlichen Bestandteil der Fußballfinanzierungslandschaft geworden.
Fußball als idealer Anlagemarkt für institutionelles Kapital
Die zunehmende Bedeutung von Private Credit im Fußball spiegelt einen Wandel auf beiden Seiten des Marktes wider. Auf der Angebotsseite sind Banken durch Regulierung, Bilanzbeschränkungen und eine Präferenz für kürzere, standardisierte Kredite stärker eingeschränkt, sodass sie für maßgeschneiderte Finanzierungen, die an sportliche Leistungen oder langfristige Infrastrukturprojekte geknüpft sind, kaum noch geeignet sind.
Gleichzeitig hat sich Private Credit als Anlageklasse weiterentwickelt, und Investoren suchen nach neuen Anlagemöglichkeiten, da die traditionellen, von Private Equity Transaktionen getragenen Aktivitäten (sponsor-backed) nachlassen. Der Fußball, gestützt durch globale Nachfrage, steigende Unternehmenswerte und Sachwerte wie Medienrechte, Stadien und Marken, hat sich als idealer Anlagemarkt für institutionelles Kapital herausgestellt.
Grafik 1: Die Größe des europäischen Fußballmarkts
Auf der Nachfrageseite ist der Fußball selbst immer komplexer geworden. Vereine beschäftigen mittlerweile Finanzteams auf institutionellem Niveau, erstellen mehrjährige Geschäftspläne und agieren proaktiv auf den Kapitalmärkten. Darüber hinaus haben die europäischen Ligen durch die Einführung und Durchsetzung strengerer Vorschriften in Bezug auf finanzielle Stabilität und Solvenz zu mehr finanzieller Disziplin auf Vereinsebene beigetragen.
Dies hat zu einer natürlichen Annäherung an private Kreditgeber geführt, die in der Lage sind, komplexe Strukturen rund um bestimmte Vermögenswerte oder Einnahmequellen zu finanzieren. Wichtig ist, dass dieser Wandel die Banken nicht vollständig verdrängt hat; vielmehr sind private Kredite hinzugekommen, um das Angebot traditioneller Kreditgeber zu ergänzen und zu vervollständigen.
In vielen Fällen stellen Banken weiterhin revolvierende Kreditfazilitäten oder Betriebsmittelkredite bereit, während Private Credit längerfristiges, strukturell flexibles Kapital bereitstellen, das in der Kapitalstruktur daneben steht und potenziell zum selben Sicherheitenpool gehört.
Zwar waren viele dieser Entwicklungen bereits Ende der 2010er Jahre im Gange, doch wurden sie durch die Covid-19-Pandemie beschleunigt. Im Laufe der Zeit ging die zunehmende Beteiligung institutioneller Kapitalgeber mit einer deutlichen Neubewertung europäischer Fußball-Vermögenswerte einher.
Während das Umsatzwachstum ein wichtiger Treiber war, wurde ein erheblicher Teil der Steigerung des Unternehmenswerts durch höhere Bewertungsmultiplikatoren gestützt, was auf eine verbesserte Unternehmensführung, Professionalisierung und ein größeres Vertrauen der Investoren zurückzuführen ist.
Grafik 2: Die führenden Vereine in Europa
Entwicklung des EV/Umsatz-Multiplikators (2016–2025)
Während Transferaktivitäten oft die Schlagzeilen dominieren, geht der Finanzierungsbedarf von Fußballvereinen weit über den Transfermarkt hinaus. Auf Vereinsebene sind Liquidität und Betriebskapital nach wie vor von entscheidender Bedeutung.
Grafik 3: Entwicklung der Kennzahlen bei den Top-32-Clubs
Enterprise Value, kurz EV, steht für den Gesamtwert des Unternehmens.
Finanzierungsbedarf im Fußball: Über das Transferfenster hinaus
Die Cashflows sind von Natur aus volatil und werden durch den Zeitpunkt von Medienerlösen, Transferraten und Preisgeldern beeinflusst. Alternative Kreditgeber bieten zunehmend maßgeschneiderte Lösungen an, um diese Dynamik zu glätten, Altverbindlichkeiten zu refinanzieren oder die Bilanzrestrukturierung zu unterstützen.