Die ING Deutschland verschärft den Wettbewerb um vermögende Privatkunden. Die niederländische Direktbank hat ihr Affluent-Segment innerhalb eines Jahres von rund 620.000 auf 700.000 Kunden ausgebaut – ein Wachstum von knapp 13 Prozent. Nun soll ein digitales Angebot diese Kundengruppe mit frei verfügbarem Vermögen ab 100.000 Euro gezielt ansprechen.
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Die ING Deutschland verschärft den Wettbewerb um vermögende Privatkunden. Die niederländische Direktbank hat ihr Affluent-Segment innerhalb eines Jahres von rund 620.000 auf 700.000 Kunden ausgebaut – ein Wachstum von knapp 13 Prozent. Nun soll ein digitales Angebot diese Kundengruppe mit frei verfügbarem Vermögen ab 100.000 Euro gezielt ansprechen.
„Wir wissen, dass Affluents zusätzliche Anforderungen an digitales Banking haben und mehr Orientierung bei der Geldanlage, zusätzliche Investitionsmöglichkeiten für höhere Volumen und Antworten auf komplexe Serviceanfragen haben möchten", erklärt die ING gegenüber dieser Redaktion. Das neue Angebot konzentriert sich auf drei Bereiche: Investments, Daily Banking sowie Kredite für Immobilieninvestitionen.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf alternativen Anlagen. Die ING plant, über sogenannte European Long-Term Investment Funds (Eltifs) den Zugang zu Private Equity zu ermöglichen.
Depotvolumen von 135 Milliarden Euro
Die Bedeutung des deutschen Marktes für die ING-Gruppe wird durch beeindruckende Zahlen untermauert: Deutschland macht mit 135 Milliarden Euro etwa die Hälfte des gesamten Depotvolumens der ING-Gruppe aus. Noch bemerkenswerter: 80 Prozent dieser 135 Milliarden Euro – also rund 108 Milliarden Euro – entfallen auf Affluent-Kunden.
„Kein Markt in der ING-Gruppe wächst so stark in Wertpapieren wie Deutschland", betont die Bank. Damit entwickelt sich die Bundesrepublik zum strategischen Wachstumstreiber für die niederländische Bankengruppe.
Neue Geschäftsleitung und strategische Beteiligung
Mit der Verpflichtung von Burcu Civelek Yüce im August 2025 als Leiterin des Privatkundengeschäfts und Generalbevollmächtigte unterstreicht die ING ihre Ambitionen. Yüce, die von der türkischen Akbank kommt, verantwortet auch das Affluent-Geschäft. Seit 2022 war sie bei der Akbank als Executive Vice President für alle Privatkundengruppen und -produkte zuständig, inklusive dem Affluent-Segment sowie den stationären und digitalen Vertriebskanälen.
Sie berichtet direkt an Vorstandsvorsitzenden Lars Stoy, der Anfang 2025 von der Deutschen Bank zur ING gewechselt war. Stoy kennt das Geschäft mit vermögenden Kunden aus seiner Zeit bei der Deutschen Bank, wo er als Leiter des deutschen Privatkundengeschäftes auch das Private Banking und Wealth Management Deutschland leitete.
Bereits im Oktober 2024 ernannte die ING Simon Oberle zum Leiter des Affluent-Geschäfts. Er ist mit dem Aufbau des entsprechenden Teams betraut und entwickelt die strategische Ausrichtung des Segments.
Strategische Partnerschaft mit Van Lanschot Kempen
Im März 2025 stockte die ING ihre Anteile am niederländisch-belgischen Vermögensverwalter Van Lanschot Kempen von 2,7 auf 20,3 Prozent auf. Die Transaktion ist Teil der Strategie, den „Fußabdruck im Privatkundengeschäft und der Vermögensverwaltung zu vergrößern", wie ING-Konzernchef Steven van Rijswijk erklärte.
Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Van Lanschot Kempen, der bisher vor allem in den Niederlanden und Belgien aktiv ist, könnte künftig als Partner für vermögensverwaltende Dienstleistungen im deutschen Affluent-Segment der ING dienen.
Wettbewerb verschärft sich
Mit ihrem Vorstoß tritt die ING in Konkurrenz zu etablierten Private-Banking-Häusern, Groß- und Privatbanken sowie unabhängigen Vermögensverwaltern. Die Zielgruppe der Affluents mit Vermögen ab 100.000 Euro gilt als besonders umkämpft – sie ist groß genug für signifikante Erträge, aber gleichzeitig kostenintensiv in der Betreuung.
Die ING setzt auf einen digitalen Ansatz, der durch persönliche Ansprechpartner ergänzt werden soll. Von den insgesamt mehr als zehn Millionen deutschen ING-Kunden haben bereits sieben Prozent den Affluent-Status erreicht. „Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an potenziellen Affluent-Kundinnen und -Kunden, welche uns noch nicht als Primärbank nutzen", heißt es vonseiten der Bank.