Private-Banking-Vorstand im Interview „Private Banking ist bei uns ein Wachstumsbereich“

Jonathan Stich ist seit Anfang April als Vorstandsmitglied der Sparkasse im Landkreis Cham unter anderem für das Private Banking verantwortlich.

Jonathan Stich ist seit Anfang April als Vorstandsmitglied der Sparkasse im Landkreis Cham unter anderem für das Private Banking verantwortlich. Bildquelle: Sparkasse im Landkreis Cham

private banking magazin: Sie sind Anfang April als neuer Vorstand der Sparkasse im Landkreis Cham gestartet. Wie würden Sie Ihre ersten Wochen zusammenfassen?

Jonathan Stich: Ereignisreich und spannend, insbesondere, weil ich schon enorm viel Kundenkontakt mit der Unternehmerschaft hatte. Das Private Banking der Sparkasse im Landkreis Cham ist im Firmenkundenbereich angesiedelt und unsere Unternehmer-Kunden sind in hochtechnologischen Bereichen tätig. Das ist für mich sehr interessant.

Was sind Ihre Ziele für das Private Banking?

Stich: Wachstum: sowohl was die Zahl der Kunden als auch die Ticketgröße oder das Volumen pro Kunde angeht. Die Wirtschaft der Region Cham ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Das wird deutlich, wenn man das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts unseres Landkreises mit anderen Landkreisen über die vergangenen zehn Jahre vergleicht. Da sind natürlich auch etliche Nachholeffekte dabei. Und dieses Wachstum kommt bei der Unternehmerschaft und den Topverdienern an.

Unsere potenzielle Kundenbasis für das Private Banking wächst also stetig. Das betrifft die Unternehmer, bei denen wir bereits das Firmenkundengeschäft begleiten. So dürfen wir sie von der Wachstumsphase auf Unternehmensseite in die Vermögensphase auf der Privatseite begleiten. Aber wir erschließen auch neue Kundenklientel. Dazu zählen beispielsweise Kunden aus der Erbengeneration und solche, die sich ihr Vermögen selbst erarbeitet haben.

Welche Vorteile haben Sie als Sparkasse bei der Akquisition gegenüber spezialisierten Privatbanken oder Vermögensverwaltern?

Stich: Wir haben oft den Vorteil, dass wir eine schon bestehende Kundenbeziehung haben und gar nicht akquirieren müssen. Viele unsere Kunden waren schon als Kinder bei uns und haben über die Unternehmerschaft eine enge Verbindung aufgebaut. Dadurch, dass unser Private Banking im Firmen- und Unternehmerkundenbereich angesiedelt ist, haben wir gute Überleitungseffekte. So können Unternehmerberater und Private-Banking-Betreuer Kunden gemeinsam betreuen und sich gegenseitig ins Spiel bringen. Daher haben wir den Vorteil, dass wir nicht über angekaufte Vermögenslisten akquirieren müssen, weil uns die Informationen bereits vorliegen.

Ist es historisch gewachsen, dass Private Banking im Unternehmenskundenbereich angesiedelt ist, oder war das eine strategische Entscheidung?

Stich: Das war eine strategische Entscheidung. Als man sich vor zehn Jahren entschieden hat, das Private Banking aufzubauen, stand fest, dass man es mit dem Firmenkundenbereich verbindet. Auch wenn das Banking für Unternehmen und Privatkunden in anderen Häusern häufig getrennt ist.

 

Wenn man die gesamte Sparkasse betrachtet, welche Rolle spielt das Private Banking im Vergleich zu anderen Geschäftsbereichen?

Stich: Innerhalb des Anlagegeschäfts ist es sicherlich ein großer Ertragsbringer. Aus Gesamtsicht ziehen wir allerdings aus dem Kreditgeschäft den Löwenanteil unserer Erträge. Private Banking ist aber eine lukrative Beimischung, besonders da wir einen großen Ertragshebel pro Kunde haben. Private Banking ist bei uns ein Wachstumsbereich, insbesondere, da die Vermögensentwicklung im Landkreis Cham beachtlich ist.

Wie erklären Sie sich das Wachstum des Vermögens?

Stich: Der Landkreis Cham hat ein starkes Wirtschaftswachstum hinter sich, das unter anderem durch Nachholeffekte getrieben ist. Wir sind im Osten der Oberpfalz, direkt an der tschechischen Grenze und nicht weit entfernt von der thüringischen Grenze. Vor dem Mauerfall war die Region daher wirtschaftlich recht isoliert von ihren Nachbarn. Das ist jetzt anders. Der Effekt wird durch das Internet noch verstärkt.

In den 80er Jahren hätte man Cham noch verlassen müssen, um Geschäftspartner zu finden. Jetzt ist die Welt viel vernetzter. Seit den 2000ern boomt der Landkreis. Wir sind die verlängerte Werkbank, besonders für die Automobilbranche. Wir waren lange weit unter dem Bayernschnitt und erreichen jetzt langsam die gleichen Zahlen beim Bruttoinlandsprodukt und setzen sogar zum Überholen an. Und die Oberpfälzer sind sparsam. Liquidität wurde selten aus den Unternehmen gezogen, sondern reinvestiert. Dass wir jetzt so stark wachsen, ist also eine geografische Besonderheit.

Sie sind auf Theo Schneidhuber im Vorstand gefolgt. In einem Jahr wird es auch eine Nachfolge für den Vorstandsvorsitzenden Franz Wittmann geben. Welche Veränderungen ergeben sich daraus?

Stich: Für die Sparkasse als Ganzes ist das sicherlich relevant. Im Private Banking wird sich wohl weniger ändern, hier sind wir strategisch schon auf einem guten Weg. Die bisherigen Vorstände sowie der Leiter der Einheit Unternehmerkunden und Private Banking, Thomas Boxleitner, haben schon die richtigen Weichen gestellt. Wir werden das Geschäft sicherlich ausbauen. Wie stark, hängt auch von unseren Fähigkeiten ab, Neugeschäft zu akquirieren.

Da werde auch ich versuchen, Akzente zu setzen und mich persönlich einbringen. Insbesondere bei Kunden, mit denen wir bereits in Firmenkundenbeziehung stehen, werden wir das Private Banking stärker einbringen. Diese systematische Verknüpfung der Betreuung von Firmen- und Private-Banking-Kunden hilft uns enorm. Das ist ganz klar ein strategischer Erfolg meiner Vorgänger.

Über den Interviewten: Jonathan Stich ist seit Anfang April 2025 Vorstandsmitglied der Sparkasse im Landkreis Cham. Er verantwortet den Bereich Unternehmerkunden, indem auch das Private Banking angesiedelt ist.

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