Marcel Becker von der BNP Paribas „Jeder Neueinsteiger im Private Banking hat einen erfahreneren Paten“

Marcel Becker, Leiter Private Banking der BNP Paribas in Deutschland.

Marcel Becker, Leiter Private Banking der BNP Paribas in Deutschland. Bildquelle: BNP Paribas

Sehen Sie die Gefahr einer Überalterung der Belegschaft im Private Banking und Wealth Management?

Marcel Becker: Aktuell nicht. Wir legen Wert auf eine ausgeglichene Altersstruktur unseres Teams. Das gelingt uns bislang sehr gut. Damit das mit Blick auf den demografischen Wandel und dem damit verbundenen „War for Talents“ so bleibt, beschäftigen wir uns schon jetzt mit der langfristigen Planung. 

Erfassen Sie denn den Altersschnitt ihres Beraterteams? Wenn ja: Wie hoch ist dieser?

Becker: Ja, das tun wir. Das Durchschnittsalter unserer Beraterinnen und Berater liegt bei 43,3 Jahren. Ich habe persönlich gedacht, wir wären sogar noch jünger. Die Altersspanne liegt zwischen 23 und 58 Jahren.

Damit haben Sie eines der jüngsten Beraterteams im deutschen Private Wealth Management. Das hat eine Umfrage des private banking magazins unter zahlreichen Privatbanken belegt. Zufall oder Strategie?

Becker: Nichts passiert aus Zufall. Zum einen ist es Strategie und zum anderen rührt das von unserer Struktur mit der Verbindung zur Consorsbank her. In der alten Welt hieß es noch: Unter 40 Jahren kann man nicht als Beraterin oder Berater im Private Banking arbeiten – und manche denken das womöglich heute noch. Das sehen wir anders und die Rückmeldungen unserer Kunden geben uns recht. 

Scheiden bei ihnen auch Bewerber aus, weil sie zu alt sind?

Becker: Nein, das kommt nicht vor. Wir legen bewusst Wert auf eine diverse Altersstruktur. Der Mix aus Erfahrung und einem frischen Blick macht in der Beratung den Unterschied. 

Wie gelingt dieser Mix?

Becker: Unter anderem haben wir 2020 die Position des Junior Relationship Managers eingeführt, um gezielt motivierte, noch unerfahrene Talente zu fördern. Am Beispiel des 23-jährigen Beraters: dieser hat zunächst eine Ausbildung bei BNP Paribas zum Bankkaufmann gemacht. Danach sind die jungen Kolleginnen und Kollegen ein paar Jahre im Private Banking Service-Center, lernen Kunden und das Kundengeschäft kennen und steigen danach als Junior Relationship Manager bei uns ein. Im Service-Center kriegen sie bereits ungemein viel von den Senior Kundenberatern und Direktoren mit, wie man mit Kunden spricht und agiert. Wir haben zusätzlich Patensysteme eingeführt, so dass jeder Neueinsteiger bei uns einen erfahreneren Paten hat.

Sie haben zuvor auch die Consorsbank angesprochen. Was hat die BNP-Paribas-Tochter mit der Altersstruktur im Private Banking zu tun?

Becker: Wir arbeiten im Private Banking sehr eng mit der Consorsbank zusammen und nutzen dieselbe IT-Plattform. Es gibt dort viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die schon im Kundengeschäft und der Betreuung tätig sind und im Private Banking für sich den nächsten beruflichen Schritt sehen. Das ist eine Win-win-Situation, weil wir so Kolleginnen und Kollegen aus der Consorsbank im Private Banking weiterentwickeln können. Der Altersdurchschnitt bei der Consorsbank ist tendenziell noch jünger als bei uns im Private Banking.

Wie viele Kollegen kommen aus der Consorsbank?

Becker: Rund die Hälfte aller Mitarbeitenden im Private Banking kommen aus der Consorsbank – also nicht nur Beraterinnen und Berater, sondern auch Beschäftigte aus den Service-Centern, Projekt- und Organisationsteams. Die andere Hälfte kommt vom Markt. Diese Kolleginnen und Kollegen werben wir über die gängigen Online-Plattformen, setzen für spezielle Positionen Headhunter ein. Und wir setzen stark LinkedIn ein, um potenzielle Bewerber anzusprechen – und werden dort auch oft von Bewerberinnen und Bewerbern kontaktiert.

Haben junge Mitarbeitende auch im Private Banking andere Anforderungen an einen Arbeitgeber? Oder ist das nur ein Klischee über die in öffentlichen Debatten dauerpräsente Generation Z?

Becker: Das ist kein Klischee, und es ist meiner Meinung nach auch nicht überraschend. Wir haben einen klaren Arbeitnehmermarkt und geänderte Anforderungen. Gehalt allein macht’s nicht mehr. Aus meinem Blickwinkel sind Themen wie Firmenkultur mit flachen Hierarchien und Teamgeist, flexible Arbeitsmodelle und Social Benefits zusätzliche relevante Entscheidungskriterien. Heißt: Wie flexibel kann ich meinen Arbeitstag gestalten. Wir sagen, dass man im Schnitt mindestens zwei Tage pro Woche im Büro sein sollte. Es kann auch sein, dass jemand eine Woche komplett von zu Hause arbeitet, dann aber in der kommenden Woche vier Tage im Büro ist. Wir bieten alle Positionen als Teilzeit- und Vollzeitstellen an, schreiben diese immer inklusiv aus.

 

Am Ende bleibt Private Banking aber auch eine professionelle Organisation, bei der man es mit einer Kundenklientel zu tun hat, die zu Recht hohe Ansprüche stellt. Lässt sich das komplett vereinbaren mit dieser Flexibilität?

Becker: Davon bin ich überzeugt. Digitale Betreuung war für uns schon vor dem ersten Corona-Lockdown normal. Wir haben viele Kunden, die digitale Termine sogar begrüßen, weil sie es selbst aus ihrem beruflichen Umfeld gewohnt sind. Für die ist es egal, ob sie aus Frankfurt, Hamburg oder München beraten werden.

Sie sagten, Gehalt allein macht’s nicht mehr. Wenn man sich am Markt umhört, heißt es, dass auch für Juniorenprofile inzwischen immens hohe Gehälter bezahlt werden.

Becker: Das nehme ich so nicht verstärkt wahr. Wir haben Bandbreiten, in denen wir agieren und da gehen wir auch nicht drüber. Wir stellen nicht um jeden Preis ein.

Braucht es, um junge vermögende Kunden zu betreuen, auch junge Berater?

Becker: Uns ist wichtig, dass der Kontakt zwischen Kundenberater und Kunde auf Augenhöhe stattfindet. Ein ähnliches Alter kann hier hilfreich sein. Unserer Erfahrung nach erleichtert es die Kommunikation. Aufgrund ähnlicher Lebensphasen beschäftigen Berater und Kunde oft ähnliche Themen. So werden Anknüpfungspunkte schneller gefunden und die Bedürfnisse des Kunden besser antizipiert.

In einer aktuellen Studie sagt die Beratungsgesellschaft McKinsey vorher, dass bis 2030 etwa 30 Prozent des aktuellen Personals in Privatbanken aus Altersgründen ausscheiden wird. Kann die Größe der Beraterteams im Private Banking in den kommenden Jahren überhaupt gehalten werden?

Becker: Das ist ein bisschen der Blick in die Glaskugel. Der Personalmarkt hat sich in den vergangenen Jahren verändert, aber er war schon immer angespannt. Wir konnten in dieser Zeit trotzdem stark wachsen, arbeiten mit rund 110 Kolleginnen und Kollegen im Private Banking. Aktuell haben wir zwei offene Relationship Manager-Stellen in Nürnberg/München und in Köln. Beide in Voll- oder Teilzeit und inklusiv ausgeschrieben. Unser starkes Wachstum hat in der Vergangenheit gut funktioniert. Wir legen Wert darauf, dass wir aus dem eigenen Unternehmen Nachwuchs gewinnen, und die Consorsbank sowie die gesamte BNP Paribas Gruppe bietet uns einen großartigen Talentpool. Ich sage auch: Es gibt kein schöneres Segment, als im Private Banking zu arbeiten. Und dafür müssen wir als Branche werben. Mit der Flexibilität, die wir heute haben und mit den Social Benefits müssen wir nach Außen treten, damit es weiterhin ein attraktives Geschäftsfeld bleibt.  


Über den Interviewten:

Marcel Becker leitet seit 2018 das Private Banking der BNP Paribas in Deutschland. Zuvor war er mehr als vier Jahre im Wealth Management der französischen Großbank tätig. Vor seiner Zeit bei der BNP Paribas war Becker viele Jahre für die Commerzbank tätig, zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung im Wealth Management.

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