Der erste Teil dieser Serie zeigte, wo Europa in den Private Markets zulegt. Der zweite Teil zeigt, wo es schwieriger wird. Real Estate steckt in einer Korrekturphase, die an die Finanzkrise 2008 erinnert. Hedge Funds schrumpfen. Data Centers boomen – aber Europa schaut beim globalen Dealmarkt weitgehend zu. Drei Anlageklassen, drei verschiedene Herausforderungen. Der Druck ist real. Die Chancen auch.
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Der erste Teil dieser Serie zeigte, wo Europa in den Private Markets zulegt. Der zweite Teil zeigt, wo es schwieriger wird. Real Estate steckt in einer Korrekturphase, die an die Finanzkrise 2008 erinnert. Hedge Funds schrumpfen. Data Centers boomen – aber Europa schaut beim globalen Dealmarkt weitgehend zu. Drei Anlageklassen, drei verschiedene Herausforderungen. Der Druck ist real. Die Chancen auch.
Immobilien
12,4 Milliarden Euro. So viel Kapital sammelten Europa-basierte Immobilienfonds im Jahr 2024 ein – weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts, rund 20 Milliarden Euro unter dem Höchststand von 2019. Im ersten Halbjahr 2025 kamen laut Preqin nur 3,6 Milliarden Euro hinzu. Europas Immobilienmarkt steckt in einer Korrektur, die in ihrer Größenordnung an die Finanzkrise 2008 erinnert.
Wie die Krise entstand – und warum sie sich festgesetzt hat
Die Ursache ist bekannt: Immobilienpreise im Euroraum erreichten Ende 2021 ihren Höchststand, getrieben durch Niedrigzinsen und Nachfrageüberhang. Die Zinserhöhungen ab 2022 destabilisierten den Markt – die jährlichen Preiswachstumsraten sanken bis Mitte 2023 auf minus 2,2 Prozent. Was den Markt seither blockiert, sind nicht allein die Preise, sondern Liquiditätsfallen: Kapital steckt in Assets fest, Investoren können in einem schwachen Marktumfeld kaum aussteigen, Exits bleiben aus, Distributionen fehlen. Ein Kreislauf, der das Fundraising strukturell bremst – und motivierte Verkäufer produziert.
Opportunistische Fonds übernehmen
Genau diese Konstellation zieht eine bestimmte Strategie an. Im Jahr 2024 übernahmen opportunistische Fonds erstmals die Führung im europäischen Real-Estate-Fundraising – nach Jahren, in denen Value-added-Strategien dominierten. Im ersten Halbjahr 2025 war das opportunistische Fundraising bereits stärker als im gesamten Vorjahr. Höhere Leverage-Grade, sinkende Finanzierungskosten durch EZB-Zinssenkungen und preislich korrigierte Einstiegsniveaus machen das Segment attraktiv. 50 Prozent der europäischen Immobilieninvestoren nannten laut Preqin-Befragung vom Juni 2025 Asset-Bewertungen als zentrale Herausforderung der nächsten zwölf Monate – ein Anstieg von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kehrseite: Wer unter Druck verkauft, verkauft günstiger.
Drei Segmente, eine These
Drei konkrete Einstiegsthesen dominieren das opportunistische Segment. Erstens studentisches Wohnen: Die Nachfrage internationaler Studierender in Europa steigt langfristig, das Angebot bleibt strukturell knapp – ein verlässlicher Mietstrom, den opportunistische Fonds bevorzugt adressieren. Zweitens Büro-zu-Wohn-Konversionen: Großbritannien senkte 2024 regulatorische Hürden für die Umwidmung gewerblicher Immobilien; laut Centre for Policy Studies fehlen dem Land 6,5 Millionen Wohneinheiten. Drittens gemischt genutzte Objekte: Mixed-Use-Immobilien diversifizieren Mieterrisiken, dominieren das europäische Real-Estate-Fundraising konstant und gelten als resilient gegenüber dem strukturellen Rückgang des Bürosegments. Büroimmobilien verlieren derweil strukturell Marktanteile – hybride Arbeitsmodelle machen diesen Trend unumkehrbar.
Hedgefonds
Minus 50 Milliarden Euro. So hoch waren die Nettomittelabflüsse europäischer Hedgefonds im Jahr 2022 – dem schwächsten Jahr der vergangenen Dekade. 2023 und 2024 folgten weitere Abflüsse. Die Anzahl der Fondsauflagen fiel 2024 auf ein 15-Jahres-Tief: ein Viertel des Höchststands aus dem Jahr 2018. Liquidationen übersteigen Neuauflagen bereits das zweite Jahr in Folge. Europas Hedge-Fund-Industrie schrumpft – und sie tut es aus strukturellen Gründen.
Warum Europa der zweitpräferierte Standort bleibt
Hedge-Fund-Manager siedeln sich bevorzugt in Nordamerika an – Europa war und ist der Zweitmarkt. Die Performancebilanz hinkt anderen Märkten hinterher, der LP-Zugang ist enger, das regulatorische Umfeld komplexer. Mit weniger Fonds verengt sich das Strategiespektrum für Investoren. Credit- und Makro-Strategien verlieren Marktanteile bei Neuauflagen. Nischenstrategien dagegen machen seit 2021 jährlich mehr Launches aus als Makro, Relative Value und Event-Driven zusammen – Kryptowährungs-Hedge-Funds treiben diesen Trend.
Erstes Quartal 2025: Erste positive Netto-Zuflüsse seit Jahren
Das erste Quartal 2025 durchbrach den Negativtrend. Die Netto-Cashflows europäischer Hedge Funds drehten auf plus 36,4 Milliarden Euro – der stärkste Quartalswert seit Jahren. Ob das den Beginn einer nachhaltigen Erholung markiert oder ein Sondereffekt der Marktvolatilität zu Jahresbeginn 2025 ist, lässt sich noch nicht abschließend beurteilen. Die strukturellen Belastungen – Abflusshistorie, schwindende Managervielfalt, Performancerückstand – sind mit einem starken Quartal nicht beseitigt.
Was für institutionelle Investoren trotzdem interessant bleibt
Selektiv bleibt die Assetklasse relevant. In der Preqin-Befragung vom Juni 2025 gaben europäische Investoren häufiger an, ihre Commitments in Hedge Funds erhöhen zu wollen, als dies bei nordamerikanischen Peers der Fall war. Nischenstrategien – darunter digitale Assets – bieten Renditepotenziale, die klassische Assetklassen nicht replizieren können. Wer den Markt kennt und Manager selektiv auswählt, findet auch in einem schrumpfenden Universum Opportunitäten.