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27 Prozentpunkte in sechs Monaten – so stark sank laut Preqin-Investorenbefragung der Anteil der institutionellen Investoren, die die USA als attraktivsten Markt für Private Capital einschätzen. Es ist die größte Sechs-Monats-Veränderung in der Geschichte dieser Erhebung. Der Gewinner: Westeuropa, das 12 Prozentpunkte hinzugewann. Unter europäischen Investoren fiel der Zuspruch für den eigenen Kontinent sogar um 21 Prozentpunkte stärker aus.
Private Equity bleibt die größte Anlageklasse in Europas privaten Kapitalmärkten – mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 1,4 Billionen Euro Ende 2024 und einem CAGR von 11,9 Prozent zwischen 2020 und 2024. Infrastruktur und Venture Capital wachsen schneller, aber Private Equity setzt den Rahmen.
Wachsende Konzentration auf Manager
Im Jahr 2024 sammelten Europa-basierte Private-Equity-Fonds laut Preqin 186,6 Milliarden Euro ein – mehr als in jedem Jahr zuvor. Im ersten Halbjahr 2025 wurden bereits mehr als 100 Milliarden Euro eingeworben; Westeuropa ohne Großbritannien verantwortet dabei 89 Prozent des gesamten 2024er-Volumens allein in diesen sechs Monaten. Infrastruktur zieht nach: Im ersten Halbjahr 2025 wurden 55,4 Milliarden Euro eingesammelt – bereits mehr als im gesamten Jahr 2024. Private Credit und Real Estate dagegen schwächeln: Real Estate kam 2024 auf lediglich 12,4 Milliarden Euro, weniger als halb so viel wie im Vorjahr.
Erstes Quartal 2026: Fundraising stabilisiert sich, aber auf niedrigem Niveau
Global wurden im ersten Quartal 2026 insgesamt 132 Milliarden Euro eingesammelt – 11 Prozent mehr als im Vorquartal, aber noch 10 Prozent unter dem Vorjahreswert. Nordamerika dominiert beim Fundraising mit 84 Milliarden US-Dollar und einem Anteil von über 60 Prozent. Europa kam beim Fundraising auf 24 Milliarden US-Dollar. Nur 245 Fonds schlossen im Quartal – rund die Hälfte des historischen Quartalsdurchschnitts der Jahre 2021 bis 2025, ein Zeichen wachsender Managerkonzentration.
Add-ons verdrängen Buyouts, Europa gewinnt beim Dealwert
Auf der Dealseite hat sich 2024 nicht nur das Volumen erholt. Der Gesamtwert europäischer Private-Equity-Transaktionen stieg auf 152,6 Milliarden Euro – 47,2 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Im ersten Quartal 2026 verzeichnete Europa beim Dealwert mit plus 75 Prozent den stärksten regionalen Zuwachs gegenüber dem Vorquartal auf 45 Milliarden Euro – während Nordamerika beim Dealwert von 105 auf 74 Milliarden US-Dollar zurückfiel. Getrieben wird Europas Stärke von Carve-outs, Mittelstand-Nachfolgetransaktionen und anhaltendem Interesse nordamerikanischer und asiatischer Sponsoren.
Strukturell verschieben sich die Dealtypen: Add-on-Transaktionen machen inzwischen mehr als die Hälfte des europäischen PE-Dealvolumens aus, Carve-outs und Spin-offs haben ihren Anteil auf rund 7 Prozent gesteigert – mehr als doppelt so hoch wie der Fünfjahresdurchschnitt von 3,4 Prozent.
Der Exit-Markt bleibt das strukturelle Bottleneck
Im ersten Quartal 2026 fiel der globale Exit-Wert auf rund 82 Milliarden Euro – ein Rückgang von 34 Prozent gegenüber dem Vorquartal und der niedrigste Quartalswert seit Q1 2024. 476 Exits wurden global verzeichnet, davon 139 in Europa – gegenüber 182 im Vorquartal. Trade Sales blieben mit 277 Transaktionen die dominierende Exit-Route; das IPO-Fenster bleibt strukturell geschlossen. Solange Distributionen unter historischen Normen bleiben, können LPs Kapital nicht zurück in Primärfonds allokieren – ein Kreislauf, der Fundraising und Dealflow im Gleichschritt bremst
Secondaries als Profiteur der Liquiditätskrise
In diesem Umfeld hat eine Strategie besonders profitiert: Secondaries. Im ersten Quartal 2026 sammelten Secondaries-Fonds rund 25,7 Milliarden Euro (30 Milliarden Dollar) ein – mehr als ein Drittel des gesamten Secondaries-Volumens von 2025. Ihr Anteil am globalen PE-Fundraising erreichte mit 19 Prozent einen historischen Höchstwert. 78 Prozent der Secondaries-Fonds schlossen bei oder über ihrer Zielgröße. Bei nur 3 Prozent der Fonds nach Anzahl entfielen auf sie 12 Prozent des angestrebten Gesamtkapitals – ein struktureller Beleg dafür, dass der Markt Liquiditätslösungen honoriert, solange der Primärmarkt stagniert.
Die Sentimentwende hat einen Haken
Die Stimmung ist gut – aber sie ist fragil. Niedrigere Bewertungen europäischer Assets, acht EZB-Zinssenkungen seit Juni 2024 und angehobene staatliche Ausgabeziele in mehreren europäischen Ländern erklären die Attraktivität des Markts. Doch die Nachhaltigkeit dieser Wende hängt an Faktoren, die weit über Bewertungsniveaus hinausgehen: geopolitische Stabilität, regulatorische Entwicklung und vor allem die Öffnung des Exit-Markts. Wer in Europa heute kauft, setzt auch auf diese Variablen.
Infrastruktur
Eine Assetklasse, die Private Equity beim Wachstum überholt – das klingt unwahrscheinlich. Doch die Zahlen von Preqin sind eindeutig: Der CAGR für Infrastruktur-AUM in Europa lag zwischen Dezember 2020 und Dezember 2024 bei 15,6 Prozent. Private Equity kam im selben Zeitraum auf 11,9 Prozent. Das verwaltete Vermögen europäischer Infrastrukturfonds überschritt Ende 2024 die Marke von 600 Milliarden Euro. Europa hält rund 40 Prozent des weltweiten Infrastruktur-AUM und führt global die Rangliste der Fondsabschlüsse an.
Core-plus: Vom Defensivinstrument zur Wachstumsmaschine
Was lange als defensives Beiwerk galt, hat seinen Charakter gewandelt. Core-plus-Infrastrukturfonds verdreifachten ihr Fundraising im ersten Halbjahr 2025 gegenüber dem gesamten Vorjahr. Das ist kein Zufall: Europäische Core-plus-Fonds erzielten für die Jahrgänge 2013 bis 2022 einen medianen Netto-IRR von 10,2 Prozent – gegenüber 9,7 Prozent für nordamerikanische Vergleichsfonds. Über zehn Jahre ergibt sich eine annualisierte Rendite von 12,0 Prozent für Europa, gegen 9,1 Prozent für Nordamerika.
Auch Value-add zieht nach: Im ersten Halbjahr 2025 wurden 22,7 Milliarden Euro eingesammelt – mehr als die 19,5 Milliarden Euro im gesamten Jahr 2024.
Warum Europa strukturell im Vorteil ist
Hinter der Outperformance steckt mehr als Marktkonjunktur. Regulatorische Rahmenbedingungen begünstigen europäische Core-plus-Fonds strukturell. Public-Private-Partnerships ermöglichen operative und kommerzielle Upside bei gleichzeitiger staatlicher Risikoabfederung. Contracts for Difference im Energiesektor sichern Cashflow-Stabilität. Die überarbeitete EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie beschleunigt Genehmigungsverfahren und macht so neue Anlagen schneller renditefähig. Erneuerbare Energien dominieren das Dealgeschehen mit einem Anteil von rund 70 Prozent Dealvolumen seit 2020.
Telekommunikation als stiller Wertträger
Trotz nur 11 Prozent des Infrastruktur-Dealvolumens im Jahr 2024 entfielen auf Telekommunikation – das schließt Rechenzentren ein – bereits 30 Prozent des gesamten Dealwerts. Anders formuliert: Telekommunikations-Deals sind seltener, aber erheblich größer als der Durchschnitt. Digitale Infrastruktur entwickelt sich damit zum zweiten Wachstumsmotor neben erneuerbaren Energien.
Investoren drehen die Präferenz
In der Preqin-Befragung vom Juni 2025 nannten 62 Prozent der befragten Infrastrukturinvestoren Westeuropa ohne Großbritannien als besten Markt für Investitionschancen – gegenüber 58 Prozent, die die USA nannten. Den stärksten Jahres-über-Jahres-Zuwachs verzeichnete Großbritannien: plus 20 Prozentpunkte, getrieben von staatlichen Initiativen zur Förderung privater Infrastrukturinvestments über den National Wealth Fund.
Venture Capital
Von 29 Milliarden Euro auf 231 Milliarden Euro – so stark wuchs das verwaltete Vermögen europäischer VC-Fonds zwischen 2005 und 2024. Ein beeindruckender Anstieg, der ohne ein Jahrzehnt gezielter regulatorischer Reformen nicht denkbar gewesen wäre. Und doch: Im globalen Vergleich bleibt Europa beim entscheidenden Maßstab hinter seinen Möglichkeiten – der Fähigkeit, Startups zu Unicorns zu machen.
Reformen, die wirken
Die Einführung der Alternative Investment Fund Managers Directive im Jahr 2013 war der erste große Schritt. Sie ermöglichte das europaweite Passporting für VC-Fonds – und das eingesammelte VC-Kapital in Europa stieg von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 20,0 Milliarden Euro im Jahr 2020, direkt messbar. Weitere Impulse kamen durch das VentureEU-Programm der Europäischen Kommission (2018), die European Tech Champions Initiative (2023) und Eltif 2.0 (2024), das halbflüssige Fondsstrukturen ermöglicht. Das Ergebnis zeigt sich auch im AUM-Wachstum: 2024 legte das europäische VC-AUM um 8,0 Prozent zu – nach nahezu drei Jahren Stagnation zwischen 2021 und 2023.
Zentral- und Osteuropa überraschen
Den stärksten Wachstumsimpuls lieferte eine Region, die man nicht zuerst auf dem Radar hat: Zentral- und Osteuropa wuchs bis Dezember 2024 um 12,7 Prozent und damit schneller als jede andere europäische Teilregion. Niedrigere Betriebskosten und eine gut ausgebildete Arbeitnehmerschaft machen die Region attraktiv; sie beheimatet inzwischen mehr als 50 Unicorns. Healthcare gewinnt europaweit an Bedeutung: 2024 entfielen 18,5 Prozent des gesamten VC-Dealwerts auf den Gesundheitssektor, Healthtech und KI-gestützte Diagnostik treiben diese Entwicklung.
44 Märkte – das Hemmnis, das bleibt
Gemessen an seinem Anteil am globalen BIP produziert Europa deutlich weniger Unicorns als die USA. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis von 44 fragmentierten Märkten mit je eigenen Steuer- und Rechtssystemen. Eine Richtlinie kann Passporting ermöglichen – die kulturellen, steuerlichen und rechtlichen Unterschiede zwischen einem Startup-Gründer in Tallinn und einem Investor in Paris löst sie nicht. Die Europäische Kommission hat im Mai 2025 eine Binnenmarktstrategie angekündigt; Schätzungen zufolge wirken die bestehenden Binnenmarktbarrieren wie ein durchschnittlicher Zoll von 44 Prozent auf den Warenhandel zwischen Mitgliedstaaten. Auch das VC-AUM als Anteil am BIP liegt in Europa noch deutlich unter dem US-Niveau. Reformdynamik hin oder her – diese Lücke schließt sich nicht von allein.
Private Credit
In den USA ist der Umbau des Kreditmarkts weit fortgeschritten: Im Corporate-Lending-Segment hält Private Credit in den USA bereits rund 90 Prozent Marktanteil. In Europa steht derselbe Prozess erst am Anfang – und ob er in relevantem Maßstab stattfindet, hängt an einer regulatorischen Weichenstellung, über die noch gestritten wird.
Warum Banken Private-Credit-Fonds brauchen
Europäische Banken schließen zunehmend Partnerschaften mit Private-Debt-Fonds – nicht aus Idealismus, sondern aus struktureller Logik. Banken verfügen über Origination-Pipelines in Märkten, die Fondsmanagern weniger vertraut sind. Sie profitieren von der Kooperation, weil sie Origination-Gebühren behalten, weniger Kapital vorhalten müssen und Kundenbeziehungen aufrechterhalten können. Fondsmanager erhalten Zugang zu Dealflow, den sie allein nicht hätten. LPs profitieren von einem erweiterten Investmentuniversum – auch wenn beide Seiten letztlich um dieselben Deals konkurrieren.
Der SRT-Markt als europäischer Sonderweg
Wo US-Banken Risiken über den Verbriefungsmarkt auslagern, nutzen europäische Banken dafür den Markt für Significant Risk Transfers. Europa ist hier globaler Marktführer – nicht aus strategischer Überzeugung, sondern weil der Weg über Verbriefungen regulatorisch verbaut ist. Solvency II schränkte nach 2008 die Beteiligung von Versicherern am Verbriefungsmarkt ein; das Ergebnis ist ein strukturell kleiner Verbriefungsmarkt, der dem US-Pendant weit hinterherläuft.
Die Verbriefungsreform: Türöffner oder Randkorrektur?
Im März 2025 kündigte die Europäische Kommission an, den EU-Verbriefungsrahmen zu überarbeiten. Wenn die Reform weit genug geht, würde das Banken Bilanzentlastung verschaffen, Fondsmanagern den Einstieg in traditionelle Bankmärkte erleichtern und den Pool verfügbarer LP-Kapitalanlagen erweitern. Kritiker halten partielle Korrekturen jedoch für unzureichend: Sie fordern einen grundlegenden Neustart des Verbriefungsregimes – nur so sei Europa in der Lage, mit dem US-Markt auf Augenhöhe zu konkurrieren.
Das Fundraising für europäisches Private Credit verlief 2024 schwächer als in den Vorjahren. Im ersten Halbjahr 2025 wurden 21,2 Milliarden Euro eingesammelt – gut 50 Prozent des Gesamtjahres 2024. Das angestrebte Kapital europäischer Private-Credit-Fonds sank im ersten Halbjahr 2025 um 36 Prozent – ähnlich stark wie bei Private Equity (minus 39 Prozent) und Infrastruktur (minus 36 Prozent).
Eltif 2.0 und das britische Pendant
Eltif 2.0, seit 2024 in Kraft, vereinfacht Investitionsregeln und ermöglicht halbflüssige Strukturen. Der britische Long-Term Asset Fund wurde für die Aufnahme in Stocks-and-Shares-ISAs zugelassen. Die Anzahl der Eltif- und LTAF-Fondsauflagen stieg 2023 und 2024 deutlich – ein Wachstum, das sich laut Preqin fortsetzen dürfte.
Lesen Sie hier den zweiten Teil: Immobilien am Boden, Hedgefonds-Rückzug und Data Centers im Höhenflug