Preqin, ein Unternehmen von Blackrock, hat seine Prognose zum europäischen Private-Markets-Markt veröffentlicht. Die Kernaussage: Europa holt auf – und zwar deutlich.
Gesamtmarkt Europa vor beschleunigtem Wachstum
Das in europäischen Private Markets verwaltete Vermögen soll bis Ende 2030 auf über 5 Billionen Euro anwachsen. Damit würde die Region eine der höchsten jährlichen Wachstumsraten bei dieser Assetklasse weltweit aufweisen. Blackrock selbst investierte in den vergangenen fünf Jahren über 70 Milliarden Euro Kundenkapital in europäische Private Assets investiert und strebt bis 2030 ein kumulatives Fundraising-Ziel von 400 Milliarden Dollar an.
Infrastruktur überholt Nordamerika bei Performance
Europa positioniert sich zunehmend als führende Region für Infrastruktur-Investments. Das Vermögen in europafokussierten Infrastruktur-Assets soll bis Jahresende knapp 600 Milliarden Euro erreichen und sich bis 2030 auf über 1,1 Billionen Euro nahezu verdoppeln. Die Assetklasse wuchs in Europa in den vergangenen fünf Jahren schneller als in jeder anderen Region weltweit.
Die Performance untermauert diese Entwicklung: Europäische Infrastruktur erzielte eine annualisierte Rendite von 12,0 Prozent über die vergangenen zehn Jahre – verglichen mit 9,1 Prozent für Nordamerika. Core-Plus-Infrastruktur zeigt dabei besonders gute Ergebnisse in Europa und bietet laut Erhebung zudem besseren Schutz vor Abwärtsrisiken als nordamerikanische Vergleichsprodukte.
Allein in der ersten Jahreshälfte 2025 wurden 55,4 Milliarden Euro für europäische Infrastrukturfonds eingesammelt – bereits mehr als im gesamten Jahr 2024 mit 53,3 Milliarden Euro. Diese Dynamik spiegelt die wachsende Nachfrage nach Investments in Energiewende, digitale Infrastruktur und Verkehrsnetze wider.
Private Credit verdoppelt sich bis 2030
Der Private-Credit-Markt in Europa soll bis Ende 2025 auf über 450 Milliarden Euro anwachsen und sich bis 2030 auf über 800 Milliarden Euro nahezu verdoppeln. Ein entscheidender Treiber: Über 90 Prozent der Unternehmen in der EU und Großbritannien mit einem Jahresumsatz von über 100 Millionen Dollar befinden sich in Privatbesitz. Diese Firmen sind auf private Finanzierungsquellen angewiesen – ein struktureller Vorteil für Private-Credit-Fonds.
Demokratisierung durch neue Vehikel
Mit neuen Fondsstrukturen wie Eltif 2.0 und dem britischen Long-Term Asset Fund (LTAF) wird der Zugang zu Private Markets vereinfacht. Die Studienautoren erwarten, dass vermögende Anleger in EMEA ihre Private-Markets-Allokation künftig auf 20 Prozent des Portfolios ausbauen werden – aktuell liegt der Durchschnitt bei einem Prozent. Die angestrebte Portfolioaufteilung: 50 Prozent Aktien, 30 Prozent Anleihen, 20 Prozent Private Markets.
Investorenstimmung dreht zugunsten Europas
Die Stimmung unter institutionellen Investoren hat sich zugunsten Europas gedreht. Laut der aktuellen Preqin-Umfrage unter mehr als 460 Investoren nannten 62 Prozent der Befragten Westeuropa (ohne UK) im Juni 2025 als Region mit den besten Chancen – ein Anstieg um 12 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Besonders bemerkenswert: Auch die Einschätzung für den UK-Markt verbesserte sich um 20 Prozentpunkte.
Die Gründe für das gestiegene Interesse sind vielfältig: sinkende Zinsen, attraktivere Bewertungen im Vergleich zu Nordamerika und neue Wachstumsinitiativen der europäischen Regierungen. Hinzu kommt die verbesserte Performance europäischer Private-Markets-Fonds, die 2024 erstmals seit Jahren mit nordamerikanischen Pendants gleichzog.
Private Equity: Qualität vor Quantität
Die Anzahl der Private-Equity-Deals ging in der ersten Jahreshälfte 2025 um 441 Transaktionen gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Doch die Qualität der Deals nimmt zu: Der IT-Sektor macht weiterhin 25 Prozent des Deal-Volumens in Europa aus, während das Interesse am Finanzdienstleistungssektor deutlich wächst.
Eine bemerkenswerte Entwicklung zeigt sich bei grenzüberschreitenden Transaktionen: Immer mehr internationale Investoren nutzen die attraktiveren Bewertungen in Europa. In Deutschland beispielsweise sank der Anteil rein inländischer Deals auf unter 40 Prozent – ein Rekordtief. Ausländische Investoren sehen Chancen beim deutschen Mittelstand, wo viele familiengeführte Unternehmen vor Nachfolgefragen stehen.
Philipp Hildebrand, Vice Chairman von Blackrock, ordnet die Entwicklung ein: „Wir befinden uns inmitten einer generationenübergreifenden Neuausrichtung der globalen Kapitalmärkte, die durch strukturelle Megatrends wie KI und den Übergang zu kohlenstoffarmen Wirtschaften vorangetrieben wird. Da sich die Mehrheit der kleinen und mittelständischen Unternehmen Europas in Privatbesitz befindet, ist es von entscheidender Bedeutung, dass diese Unternehmen auf tiefe Kapitalpools zurückgreifen können, um ihr zukünftiges Wachstum zu finanzieren."
Zentrale Trends laut Preqin-Report
Die Studie identifiziert vier Haupttrends für europäische Private Markets:
- Fundraising beschleunigt sich: Angeführt von Private Equity und Infrastruktur. Westeuropa (ohne UK) hat bereits 89 Prozent des gesamten Fundraising-Volumens von 2024 in der ersten Jahreshälfte 2025 erreicht.
- Investorenstimmung verbessert sich deutlich: Westeuropa verzeichnete den stärksten Anstieg (plus 12 Prozentpunkte) bei Investoren, die die Region als chancenreich bewerten.
- Grenzüberschreitende Deals nehmen zu: Europa wird zunehmend zum Ziel internationaler Investoren, die von niedrigeren Bewertungen profitieren wollen.
- Infrastruktur führt Wachstum an: Mit einer prognostizierten jährlichen Wachstumsrate von 14,5 Prozent zwischen 2024 und 2030 übertrifft europäische Infrastruktur alle anderen Regionen weltweit.
Fazit: Europa im Aufwind
Die Studienergebnisse zeichnen ein klares Bild: Europa etabliert sich zunehmend als attraktiver Standort für Private-Markets-Investments. Niedrigere Bewertungen, verbesserte regulatorische Rahmenbedingungen durch Eltif 2.0 und LTAF sowie die gute Performance insbesondere im Infrastrukturbereich machen die Region für institutionelle Investoren und vermögende Privatanleger gleichermaßen interessant.
Für Investoren aus der DACH-Region ergeben sich dabei besondere Chancen: Der heimische Mittelstand sucht Kapital für Wachstum und Nachfolgeregelungen, während deutsche institutionelle Investoren ihre durchschnittliche Private-Markets-Quote von derzeit rund 5 Prozent weiter ausbauen können. Die Infrastruktur-Investments können zudem von den ehrgeizigen Klimazielen und dem Ausbau der digitalen Infrastruktur in Europa profitieren.
