Vorsorge gegen Krisen Plan B für vermögende Familien

Vorsorge gegen Krisen
Plan B für vermögende Familien
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Hans Christian Blum, Partner bei CMS Hasche Sigle

Hans Christian Blum, Partner bei CMS Hasche Sigle Bildquelle: CMS Hasche Sigle

Geopolitische Spannungen, populistische Strömungen und ein zunehmender Vertrauensverlust in politische Institutionen haben das Sicherheitsgefühl vieler Familien verändert. Hinzu kommen etwa aktuelle Debatten um Wehrpflichtfragen mit Blick auf Kinder aus Unternehmer- und Eigentümerfamilien sowie Diskussionen über innere Sicherheit. Viele möchten Deutschland nicht den Rücken kehren – doch der Wunsch, handlungsfähig zu bleiben und einen realistischen Plan B vorzuhalten, nimmt zu.

Was ein Plan B ausmacht: modular, diskret, wirksam

Es gibt nicht den einen Plan B. Er orientiert sich an Familienkonstellation, Vermögensstruktur, Zielen und Motiven – und reicht von einfachen Liquiditäts- und Währungsreserven über Kontozugänge im Ausland bis hin zur zweiten Staatsangehörigkeit und einem klaren Ablaufplan für den Ernstfall. Ziel ist es, Optionen zu schaffen, ohne heute Entscheidungen zu erzwingen.

Erst der Blick nach innen: Wegzug aus Deutschland sauber vorbereiten

Wer die Option eines Wegzugs offenhalten will, beginnt mit den inländischen Konsequenzen – vor allem der Wegzugsbesteuerung. Sie kann greifen, wenn Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt verlegt wird und Gesellschaftsbeteiligungen an Kapitalgesellschaften bestehen; seit 2025 rücken zudem unter anderem ETF-Bestände mit Anschaffungskosten ab 500.000 Euro in den Fokus. Konsequenz: Eine diesbezügliche Prüfung und – wo möglich – strukturelle Anpassungen sind Pflicht.

 

Gleich wichtig ist die Liquiditäts- und Zugriffsfrage: Werden Einkünfte und Vermögen bereits heute im Ausland verwaltet oder erst bei Bedarf transferiert – oder wird ein länderagnostischen Familienpool etabliert, der unabhängig vom künftigen Zielstaat funktioniert, also international flexibel, nicht auf ein Land festgelegt ist? Dies erhöht die internationale Flexibilität der Familienmitglieder entscheidend! In der Praxis erweist sich ein solcher internationaler Familienpool häufig als robuste, flexible Lösung.

Wohin? Standortwahl nach Kriterien statt Klischees

Die Zieljurisdiktion ist höchst individuell. In Europa gelten Monaco, die Balearen und Irland als derzeit gefragt; Italien punktet mit der pauschalen Besteuerung (200.000 Euro jährlich) auf Auslandseinkünfte. Außerhalb Europas werden oft die USA, Kanada, Dubai, Neuseeland oder Australien geprüft. Entscheidend sind Aufenthaltsrecht, Steuer- und Erbschaftsrecht, Rechtssicherheit, Bildungszugang für die Kinder, Gesundheitsversorgung sowie Reise- und Zeitzonenkompatibilität zum Heimatmarkt.

Von „Baseline“ bis „Go-ready“: Vorbereitung in Stufen

Je schneller der Wechsel im Notfall funktionieren soll, desto detaillierter muss die Vorbereitung sein:

  • Baseline:
  • Reisepässe mit ausreichender Restlaufzeit
  • Klarheit über Visa- und Aufenthaltsregeln im Zielstaat
  • Gesicherter Zugriff auf Vermögen außerhalb Deutschlands
  • Wegzug steuersicher denken: 
  • Wegzugsbesteuerung prüfen
  • Strukturoptionen (zum Beispiel KG-Strukturen, Familienstiftung) prüfen
  • Vermögenszugriff international organisieren:
  • Bandbreite von Kontoeröffnungen bis Vermögensstrukturierung im Ausland
  • In der Praxis wählen deutsche Familien häufig eine liechtensteinische Familienstiftung; Trusts sind wegen steuerlicher Hürden selten
  • Gerade die nächste Generation ist international – Bündelung kann unabhängig vom Plan B sinnvoll sein
  • Zusätzlicher Vorteile eines internationalen abschirmenden Familienpools: Generation-Skipping, potenzielle Vermeidung deutscher Schenkung-, Erbschaft- und Erbersatzsteuer, Unterstützung der Internationalisierung der Familienmitglieder 
  • Aufenthaltstitel und Staatsangehörigkeit:
  • Seit 2024 erleichtert eine Gesetzesänderung den Erwerb einer zweiten Staatsangehörigkeit in Deutschland ohne Aufgabe der deutschen
  • Prüfmaßstab: Bedingungen und Fristen des Ziellands
  • In den USA bieten Investitionsprogramme Aufenthaltsrechte; nach aktueller Ankündigung sollen diese mit Blick auf den Weg zur Staatsbürgerschaft („Gold-/Platin-Card“) erweitert werden
  • Immobilien als Anker:
  • Ein Objekt im Zielland schafft faktische Handlungsfähigkeit
  • In vielen Jurisdiktionen sind Aufenthaltsrechte mit Immobilieneigentum verknüpft 
  • Detailtiefe für den Notfall:
  • Steuerliche Pflichten im Zielstaat klären
  • Notfalldokumente (Vorsorgevollmachten, Testamente) aktuell halten
  • „Fluchtwährungen“ wie Gold- oder Silbermünzen definieren
  • Reiserouten und Logistik regelmäßig prüfen und aktualisieren 

Praxisblick: Governance und Kommunikation 

  • Familien-Governance: Ein klarer Entscheidungsrahmen, Zuständigkeiten, Vertretungsregeln und Eskalationspfade sorgen dafür, dass im Ereignisfall keine Zeit verloren geht.
  • Informationsdisziplin: Sensible Vorbereitungen gehören in einen kleinen, verlässlichen Kreis; Daten- und Reputationsschutz sind integraler Bestandteil des Plans.
  • Informationsschutz: In einer Family-Cloud werden bereits heute oft die wichtigsten Unterlagen aller Familienmitglieder. Unterschiedliche Zugriffsrechte, Ort des Servers und Anbieters etc. sollten in der Familie geklärt sein.
  • Liquiditätsmanagement: Mehrwährungsliquidität und abgestufte Abruflinien beschleunigen Bewegungen, ohne Opportunitätskosten aus dem Ruder laufen zu lassen.

Schlussgedanke

Ein Plan B bedeutet keine Abkehr von Deutschland, sondern vorausschauende familiäre Resilienz. Familien, die frühzeitig Vorsorge treffen, sichern sich Handlungsoptionen und bleiben auch in volatilen Zeiten entscheidungsfähig – mit Strukturen, die Sicherheit und Flexibilität vereinen.


Über den Autor:

Hans Christian Blum ist Partner bei CMS Hasche Sigle und berät seit über 25 Jahren Unternehmerfamilien und vermögende Privatpersonen im nationalen und internationalen Kontext in der Vermögensstrukturierung und Nachfolgeplanung.  

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