Philipp Graf von Königsmarck von LGIM „Robo-Advice erzeugt erheblichen Druck“

Philipp Graf von Königsmarck: „Mich hat es gereizt, das Wholesale-Geschäft eigenverantwortlich in Deutschland aufbauen zu können“.  | © LGIM

Philipp Graf von Königsmarck: „Mich hat es gereizt, das Wholesale-Geschäft eigenverantwortlich in Deutschland aufbauen zu können“. Foto: LGIM

private banking magazin: Fast 14 Jahre waren Sie bei Fidelity, zuletzt leiteten Sie den Fondsvertrieb an Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter. Was hat Sie zu LGIM gezogen?

Philipp von Königsmarck: Mich hat es gereizt, das Wholesale-Geschäft eigenverantwortlich in Deutschland aufbauen zu können. Zumal für ein gut aufgestelltes Haus mit sehr langer Tradition. 1836 gegründet ist LGIM heute mit 1.100 Milliarden Euro AuM der zweitgrößte Asset Manager Europas und der elftgrößte weltweit. Mit rund 2.200 Mitarbeitern sind wir zudem schlank aufgestellt und sehr gut für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet. Da konnte ich nicht Nein sagen.

Können Sie die Besonderheiten Ihres neuen Arbeitgebers beschreiben?

von Königsmarck: Bei LGIM ist der Investmentansatz das herausragende Merkmal. Er ist eine Kombination aus Top-down und Bottom-up. Da wir uns bislang überwiegend auf institutionelle Kunden fokussiert haben, mussten wir hier schon immer eine sehr gute Performance abliefern. Die erfolgreichsten Strategien bieten wir als Sicav-Fonds nun deutschen Wholesale-Kunden an. Außerdem investieren wir verantwortungsvoll. Das bedeutet, dass wir in allen unseren aktiv gemanagten Fonds bei der Auswahl der Einzeltitel ESG-Kriterien anwenden und eine ganze Reihe von reinen ESG-Fonds anbieten. Was uns ebenfalls hervorhebt ist, dass wir ein aktivistischer Investor sind. Wir gehören zu den wenigen Asset Managern, die ihre Stimmrechte bei Unternehmen aus ihren Anteilen an ETFs und Indexfonds auch nutzen. Wir haben dafür eigens ein Corporate-Governance-Team, das aktiv auf die Unternehmen einwirkt, ESG-Kriterien in ihre Geschäftsstrategie zu integrieren.

Wie können Sie das Unternehmen im Spannungsfeld zwischen Discountern auf dem ETF-Markt und Spezialitätenhäusern mit aktivem Management positionieren?

von Königsmarck: Das ist relativ einfach. Beim aktiven Management fokussiere ich mich auf die Fonds, die für deutsche Kunden den größten Mehrwert liefern, wie zum Beispiel den Global High Yield mit sehr hohem Alpha, den Emerging Market Debt Short Duration mit einem Information Ratio größer 3 und den Absolute Return Bond Plus, der seit 2013 kein negatives Kalenderjahr verzeichnet hat. Und bei den ETFs konzentriere ich mich auf thematische Fonds, die deutlich günstiger als aktiv gemanagte Aktienfonds und zum Teil nahezu einzigartig sind. Ein Beispiel dafür ist der Cyber Security Fund, der 2017 eine Performance von knapp 26 Prozent vorweisen konnte.

Welche Strategie verfolgt LGIM mit der Expansion in Kontinentaleuropa?

von Königsmarck: LGIM ist in den vergangenen zehn Jahren international ganz erheblich gewachsen. Allein 2017 hatten wir 37 Milliarden Euro Net Sales außerhalb des Vereinigten Königreichs. Dieses Ergebnis wurde vor allem mit institutionellen Kunden erzielt. Nun erweitern wir unser Geschäft, indem wir zusätzlich Wholesale-Kunden, ansprechen. Wir wachsen organisch, treiben die Expansion in Kontinentaleuropa voran und verstärken gezielt unsere Präsenz in den einzelnen Ländern. Ich persönlich fokussiere mich in einem ersten Schritt auf die sogenannten Fundbuyer. Das sind Kunden, die unsere Fonds als Bausteine für ihre eigenen Produkte wie Dachfonds oder die Vermögensverwaltung verwenden. Sukzessive werde ich hier in Deutschland ein entsprechendes Team aufbauen.

Sehen Sie sich eher im strategischen oder im operativen Vertriebsgeschäft?

von Königsmarck: Ganz klar im operativen Geschäft. Der Vorteil: Dabei sehe ich sofort, was unsere Kunden brauchen und entwickle ein Gespür für neue Trends auf dem Markt. Diese Erkenntnisse fließen natürlich auch in unsere strategische Ausrichtung ein.