Erschließung neuer Wertsteigerungspotenziale Digital Assessments als Werthebel für das Private-Equity-Portfolio

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Trotz der klaren Ziele einer digitalen Transformationsstrategie scheitert es oft an der Umsetzung. Das heißt: Die generierte Wertschöpfung bleibt hinter den Erwartungen der Private-Equity-Geber zurück. Dies ist nicht selten darin begründet, dass digitale Transformation mehr beinhaltet als nur die Verknüpfung von Daten und neuen Technologien. Für eine erfolgreiche digitale Transformation bedarf es einer klaren strategischen Roadmap mit definierten schnellen Erfolgen und langfristigen Zielen, begleitet durch ein tief in der Kultur des Portfoliounternehmens verwurzeltes Transformationsmanagement.

Digital Assessments als wichtiges Tool in allen drei Phasen des Deal Lifecycles

Digital Assessments sind für innovative Private-Equity-Unternehmen in allen Phasen des Deal Lifecycles unerlässlich geworden. Angefangen von der Digital Due Diligence über die Haltephase bis zum Exit, sollten solche Assessments regelmäßig durchgeführt werden, um eine größtmögliche Wertsteigerung erreichen zu können.

Während der Digital Due Diligence sollten Private-Equity-Unternehmen analysieren, wo die digitalen Chancen, Risiken, Stärken und Schwächen des potenziellen Portfoliounternehmens sowohl auf administrativer als auch operativer Ebene liegen. Handelt es sich bei der Firma um einen digitalen Vorreiter in der Branche, wirkt sich dies unmittelbar auf den Kaufpreis aus. Liegt ein Unternehmen weit hinter den Wettbewerben zurück und ist digital unreif, führt dies oft zu einer negativen Kaufentscheidung. Trotzdem können auch digitale Nachzügler attraktive Investmentmöglichkeiten darstellen, wenn durch ein Digital Assessment signifikante Wertsteigerungspotenziale identifiziert werden können.

Digitale Wertsteigerungspotentiale durch Digital Assessments freilegen und heben

Diese Wertsteigerungspotenziale müssen dann während der Haltedauer (meist fünf bis sieben Jahre) materialisiert werden. In der digitalen Transformation sollten Investoren ihre Portfoliofirmen anleiten, indem sie eine zur Unternehmensstrategie passende Digitalstrategie entwerfen. Darüber hinaus sollten sie deren Umsetzung durch den Aufbau notwendiger Kompetenzen begleiten. Ein starker Anreizpunkt für Private-Equity-Akteure, die digitale Transformation ihrer Portfoliounternehmen aktiv zu managen, ist dabei die attraktive Kapitalrentabilität, die fest in ihren Wertschöpfungsplan integriert sein sollte.


Die Einführung neuer Technologien, zum Beispiel zur Datenanalyse, ist mit einem relativ kleinen Risiko verbunden und verfügt im Regelfall über eine Amortisationszeit von unter 18 Monaten. Um die digitale Transformation von Portfoliounternehmen zu beschleunigen und den nächsten Reifegrad zu erreichen, können Invesotren auch systematisch Venture Building einsetzen. Dieses setzt dort an, wo Portfoliounternehmen über die Nutzung ihrer Assets für neue, innovative Geschäftsmodelle einen unfairen Vorteil gegenüber Wettbewerbern haben. Die Digital Assessments sind dafür eine gute Grundlage und Startpunkt. Venture Building beinhaltet hier besondere Chancen, da mit fortschreitender Digitalisierung Branchengrenzen zunehmend verwischen und zusätzliche Absatzkanäle aufgebaut werden können. Dabei müssen die neuen Ventures nicht zwingend ausgegründet werden, sondern können auch in der Portfoliofirma verbleiben.

Digital Assessments als Grundlage einer attraktiven Investoren Story

Digital Assessments ermöglichen es also Private-Equity-Unternehmen, Wertsteigerungen während der Haltedauer zu erreichen und nach außen zu demonstrieren. So können Private-Equity-Firmen ihre Investorenstory schärfen und schlussendlich einen höheren Kaufpreis erzielen. Beim Exit legen viele Private-Equity-Käufer nämlich besonderen Wert auf eine robuste, langfristig angelegte digitale Strategie, da sie von unternehmerischer Resilienz und der Fähigkeit zum Erkennen neuer Trends zeugt. Außerdem kann eine solche datengetriebene Roadmap klare Anhaltspunkte für weiteres Wachstum nach dem Deal bieten. Effizienz- und Umsatzsteigerungen aufgrund der Nutzung neuer Technologien können Investoren also beim Exit ein höheres Multiple sichern, da potenzielle Käufer die aufgebauten Kompetenzen als wertvoll betrachten.

Fazit

Durch die erhöhte Komplexität einer sich stetig verändernden Welt müssen Private-Equity-Firmen neue Werthebel identifizieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei können Digital Assessments der Schlüssel für eine erfolgreiche Differenzierung in der Branche sein. Weil die Relevanz digitaler Transformation lange vom Private-Equity-Sektor vernachlässigt worden ist, haben viele Unternehmen hier Nachholbedarf. Die Wichtigkeit neuer Technologien und des frühzeitigen Erkennens von Trends wird in der Zukunft aber nur weiter rasant zunehmen. Deshalb ist es für Investoren wichtig, sich jetzt die nötige Expertise aufzubauen, um ihre Portfolioinvestments weiterhin aktiv zum Erfolg zu managen.

Über die Gastautoren: 
Peter Henssen ist Co-Founder von Pacemakers Digital Ventures (in 2021 von Etribes akquiriert) und Venture Building Experte bei der umsetzungsorientierten Digitalberatung Etribes. Zuvor war er als Senior Manager bei Accenture im Bereich Digital Business Building tätig, wo er sich auf den Aufbau neuer Geschäftsmodelle und Innovationseinheiten für große Mittelständler und Konzerne konzentrierte.

Peter Feldmeier ist Partner bei der umsetzungsorientierten Digitalberatung Etribes. Dort bringt er seine Erfahrung im Aufbau von digitalen Geschäftsmodellen und Digital Units für Kunden aus Dax und Mittelstand ein. Feldmeier hat seine Karriere 2002 im Private-Equity-Bereich begonnen, ehe er mit Fokus auf Business Development und Sales jahrelang in der Start-up-Szene aktiv war, wo er diverse weltweite Marktplatz- und Plattformmodelle aufgebaut und skaliert hat.