Pensionsverpflichtungen im Dax Corona-Pandemie verschärft Bilanzdruck

Thomas Hagemann ist Chefaktuar von Mercer Deutschland: Angesichts der seit Jahren sinkenden Zinsen müssen die 30 Dax-Konzerne höhere Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen bilden. | © Mercer

Thomas Hagemann ist Chefaktuar von Mercer Deutschland: Angesichts der seit Jahren sinkenden Zinsen müssen die 30 Dax-Konzerne höhere Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen bilden. Foto: Mercer

Die Pensionsverpflichtungen deutscher Unternehmen sind im vergangenen Jahr aufgrund der anhaltenden Zinsschmelze erneut kräftig gewachsen. Das zeigen Hochrechnungen und Schätzungen des Beratungsunternehmens Mercer auf der Grundlage der bereits veröffentlichten Geschäftsberichte der Dax-30-Unternehmen sowie aktuelle Kapitalmarktinformationen.

Demnach kletterte der Wert der Pensionsverpflichtungen der 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex im vergangenen Jahr von 365 Milliarden Euro auf den neuen Rekordwert von etwa 409 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von etwa 12 Prozent. „Damit ist das Ende der Fahnenstange leider noch nicht erreicht. Allein die Marktentwicklungen aufgrund des Coronavirus seit Anfang des Jahres haben das Zinsniveau mittlerweile um bis zu 0,4 Prozentpunkte sinken lassen“, erläutert Thomas Hagemann, Chefaktuar von Mercer Deutschland.

Die Unternehmen konnten sich mit ihren Kapitalanlagen im vergangenen Jahr gegen diese negative Zinsentwicklung stemmen: Den bilanzierten Verpflichtungen standen bei den 30 Dax-Mitgliedern Ende 2019 Pensionsvermögen im Wert von etwa 275 Milliarden Euro gegenüber.

Gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres (245,6 Milliarden Euro) wuchs das für Betriebsrentner investierte Vermögen um gut 11 Prozent. Setzt man die Pensionsanlagen der 30 Blue Chips mit ihren Pensionsverpflichtungen ins Verhältnis, zeigt sich, dass die Unternehmen etwa 66 Prozent ihrer Pensionsverpflichtungen mit Vermögenswerten unterlegt haben. Wie die blaue Linie in der folgenden Grafik zeigt, verharrt der so berechnete Deckungsgrad seit Jahren in etwa auf diesem Niveau. 

Aufgrund sinkender Zinsen haben die Pensionsverpflichtungen der 30 Dax-Konzern im vergangenen Jahr ein neues Rekordniveau erreicht. 
Quelle: Mercer 

Die Entwicklung der Pensionsverpflichtungen wird vor allem durch die sinkenden Zinsen beeinflusst. Der Rechnungszins nach der Mercer Yield Curve, einem Verfahren zur Herleitung des Rechnungszinssatzes nach dem Bilanzierungsstandard IAS 19, ist im vergangenen Jahr für eine Duration von 15 Jahren von etwa 2,0 Prozent auf zirka 1,3 Prozent und für eine Duration von 20 Jahren von zirka 2,2 auf rund 1,5 Prozent gesunken.

Nach Angaben von Mercer haben die Dax-Unternehmen Siemens und Infineon, deren Bilanzstichtag der 30. September ist, den für die Berechnung der Pensionsverpflichtungen relevanten Rechnungszins zur Zeit des Jahrestiefs festgelegt: bei den beiden Unternehmen lag der Zinssatz bei unter einem Prozent. Aber auch beim Bilanzstichtag 31. Dezember 2019 haben mehrere Unternehmen einen Zins von einem Prozent festgesetzt.

Corona-Virus belastet Betriebsrentenplänen

Die Auswirkungen des Corona-Virus führen nach Einschätzung von Mercer zu erheblichen Belastungen im Geschäftsjahr 2020. Einerseits erreichen die Verpflichtungen neue Rekordhöhen, während auf der anderen Seite das Vermögen in den vergangenen Wochen drastisch an Wert verloren haben dürfte. 

Mercer weist darauf hin, dass es sich bei dem Anstieg der Pensionsverpflichtungen in den Bilanzen der Unternehmen zunächst nur um eine rein bilanzielle Bewertung handelt. Die Verpflichtungen selbst seien in der Regel nicht zinsabhängig. Die in der Zukunft liegenden Versorgungszahlungen für Betriebsrentner würden durch die Zinsentwicklung nicht beeinträchtigt.