Pensionskassen in Zeiten von Nullzinsen Chef der Pensionsaktuare fordert Kapitalausstattung

Der versicherungsmathematische Sachverständige für Altersversorgung, Friedemann Lucius, sieht „an der Niedrigzinsfront keine Entspannung“.  | © Heubeck

Der versicherungsmathematische Sachverständige für Altersversorgung, Friedemann Lucius, sieht „an der Niedrigzinsfront keine Entspannung“. Foto: Heubeck

Die seit Jahren niedrigen Renditen auf Anleihen bonitätsstarker Emittenten belasten die Arbeit von Versicherungen und Pensionseinrichtungen. Denn die traditionellen Bestandteile ihrer Kapitalanlage werfen nicht mehr genug ab, um die Rentenversprechen vergangener Tage dauerhaft erfüllen zu können. Betroffen sind vor allem Pensionskassen, deren Hauptaufgabe darin besteht, lebenslange Renten auszuzahlen. Langfristig kann die Zinsflaute negative Folgen für Betriebsrentner haben.

Der versicherungsmathematische Sachverständige für Altersversorgung, Friedemann Lucius, sieht laut einem Bericht der „Börsen-Zeitung“ (bezahlpflichtig) „an der Niedrigzinsfront keine Entspannung. Das können Pensionskassen auf lange Sicht nur mit einer entsprechenden Kapitalausstattung durchhalten“. Gerät eine Kasse in Schieflage, können im Extremfall die laufenden Betriebsrenten gekürzt werden, heißt es in dem Bericht, der von der Nachrichtenagentur DPA-AFX erstellt und von der „Börsen-Zeitung“ aufgegriffen wurde.

„Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung muss der Arbeitgeber diese Kürzungen ausgleichen“, zitiert das Blatt den promovierten Mathematiker weiter. „Wenn der Arbeitgeber insolvent ist, haben Betroffene aber erstmal keine Chance auf Ausgleich“, so Lucius, der hauptberuflich Vorstandssprecher des Beratungshauses Heubeck ist. Lucius sieht hier den Gesetzgeber in der Pflicht: „Das Thema liegt beim Europäischen Gerichtshof. Es könnte durchaus sein, dass auch für diese Fälle eine gesetzliche Insolvenzabsicherung kommt“, sagte der Fachmann zu Beginn der Jahrestagung der Aktuare am Mittwoch (24. April) in Düsseldorf. 

Die Träger einer Reihe von Pensionskassen haben nach Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) im vergangenen Jahr bereits sogenannte Sonderzuwendungen geleistet oder zumindest in Aussicht gestellt, um die finanzielle Ausstattung der Pensionskassen zu verbessern. Ungeachtet dessen sieht Bafin-Präsident Felix Hufeld auch hier bei einigen Pensionskassen nach wie vor „Handlungsbedarf“ und drängt die Arbeitgeber als Träger der Kassen, Geld nachzuschießen, um Kürzungen der Betriebsrente zu vermeiden. Zuletzt hatte die Behörde laut dem Bericht 31 der 137 Pensionskassen unter intensiver Beobachtung. 

Nach Lucius` Erfahrungen ist es aber nicht immer einfach, alle Träger einer Kasse davon zu überzeugen, dass sie Kapital nachschießen, heißt es in dem Bericht weiter. „Je größer die Zahl der Arbeitgeber und je heterogener ihre Interessen, desto schwieriger ist es, eine gemeinsame Linie zu finden“, sagte der Vorsitzende der Standesvertretung der deutschen Pensionsaktuare.