PBM-Kolumnist Norbert Paddags Neue Fintechs verschärfen den Wettbewerb

Dr. Norbert Paddags: „Noch funktioniert digital zumindest aktuell ohne analog nicht wirklich“.   | © Dr. Paddags Strategieberatung

Dr. Norbert Paddags: „Noch funktioniert digital zumindest aktuell ohne analog nicht wirklich“. Foto: Dr. Paddags Strategieberatung

Ob Easyfolio, Liquid, Quirion, Robin, Visualvest, Solidvest, Warburg Navigator oder Zeedin – auf der Geldanlage- und Finanzmesse Invest in Stuttgart tummelten sich 2019 zahlreiche bereits bekannte Fintech-Adressen. Auf den ersten Blick ist dies erstaunlich, handelt es sich doch um digitale Anbieter, die nach der reinen Lehre auch ihre Akquise in erster Linie digital betreiben und so Kostenvorteile heben sollten. Aber bekanntermaßen ist die Welt auch für Robo Advisor längst nicht mehr nur digital: So bietet beispielsweise der Marktführer Scalable Capital mittlerweile in verschiedenen Städten für größere Volumina auch persönliche Beratung an und führt pro Jahr eine Vielzahl von Präsenzveranstaltungen durch.

Akquise ist erfahrungsgemäß teuer. Wie teuer sie ist, lässt sich am Beispiel einer E-Mail von Scalable zeigen, die mich als Kunde erreichte. Bis 10. April erhielt man bei einer Neuanlage von beispielsweise 50.000 Euro, die ein Jahr gehalten werden muss, 300 Euro, die in ETFs investiert werden. Schnelle Bierdeckelrechnung: Eine Marge von 55 Basispunkten laut Scalable-Website, das bedeutet ohne Umsatzsteuer 46 Basispunkte. Bei 50.000 Euro beläuft sich der Umsatz also auf 230 Euro pro Jahr. Die Prämie wäre also nach 1,3 Jahren wieder hereingeholt.

Auf den ersten Blick scheint dies zur Analyse von Heinz-Roger Dohms zu passen, der titelte: „Scalable Capital verdient mit seinen Kunden nach weniger als 18 Monaten Geld.“ Hierbei ist jedoch zu beachten, dass es sich um Prämien für die Volumenerhöhung bei Bestandskunden handelt! Der Robo investiert also so stark, um das Volumen pro Kunde zu steigern, das im vergangenen Jahr im Durchschnitt bei rund 30.000 Euro lag.

Fast kostenloses Handeln

Doch nun vom Marktführer zum ersten neuen Fintech Trade Republic, welches das Konzept des Anbieters Robin Hood aus den USA nach Deutschland holen will. Das Berliner Start-up bietet Trading – fast – kostenlos an, das heißt es werden keine eigenen Kosten, sondern in der Regel nur Fremdgebühren von 1 Euro pro Trade berechnet. Zielgruppe sind digitalaffine Millenials, die bereit sind, ausschließlich über die App zu handeln. Aktuell gibt es eine Warteliste, auf der laut Unternehmen 15.000 Kunden stehen, jedoch konnte man sich als Messebesucher direkt registrieren und ein Konto anlegen. Sprich, die Prozesse sind wohl noch in der Testphase, sonst würde man den Zugang nicht so selektiv gestalten.