Rund 810 Millionen Euro mehr Provisionsertrag in nur einem Jahr – so viel legte die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter (uVV) 2024 zu. Laut dem PBF Monitor 2026 der Beratungsgesellschaft Proboutiquenfonds stiegen die Netto-Provisionserträge der banken- und versicherungsunabhängigen Häuser in dem Jahr um 45,8 Prozent auf 2,578 Milliarden Euro. Erstmals knackten sie damit die bisherige Bestmarke von 2021 (2,443 Milliarden Euro).
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Rund 810 Millionen Euro mehr Provisionsertrag in nur einem Jahr – so viel legte die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter (uVV) 2024 zu. Laut dem PBF Monitor 2026 der Beratungsgesellschaft Proboutiquenfonds stiegen die Netto-Provisionserträge der banken- und versicherungsunabhängigen Häuser in dem Jahr um 45,8 Prozent auf 2,578 Milliarden Euro. Erstmals knackten sie damit die bisherige Bestmarke von 2021 (2,443 Milliarden Euro).
Beim verwalteten Vermögen meldet die Studie ebenfalls einen Rekord: 442,8 Milliarden Euro lagen zu Ende des untersuchten Jahres in der Obhut unabhängiger Vermögensverwalter.
Der Sprung bei den Erträgen schlägt sich auch im Ergebnis nieder: Die Branche steigerte ihr Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um 87,6 Prozent auf 1,227 Milliarden Euro – der zweithöchste Wert der seit 2017 laufenden PBF-Zeitreihe, wie Proboutiquenfonds anmerkt. Dabei kletterte die Eigenkapitalrendite der 100 größten Adressen auf 67,3 Prozent (uVV-Gesamtmarkt: 27,4 Prozent). Der deutsche Bankensektor sei im selben Jahr dagegen auf gerade einmal 6,0 Prozent gekommen, ziehen die Studienautoren als Vergleich - und berufen sich auf Ergebnisse der Beratungsfirma Bain. Die Top-100-uVV seien damit elfmal profitabler gewesen als klassische Banken.
Rekord mit ungleicher Verteilung
Wer genauer hinschaut, erkennt: Der Boom ist kein Boom für alle. Spitzenreiter Flossbach von Storch steigerte seinen Ertrag allein um 74,9 Prozent auf 789 Millionen Euro und erreichte einen historischen Marktanteil von 30,6 Prozent – ein deutlicher Sprung gegenüber den rund 25,6 Prozent, die das Haus 2023 noch hielt. Zusammen vereinen die 100 größten unabhängigen Vermögensverwaltungen mittlerweile beachtliche 84,5 Prozent aller Provisionserträge der Branche auf sich.
Damit setzt sich ein Trend fort, der sich in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt hat: Das Geschäft konzentriert sich zunehmend an der Spitze. Der breite Mittelbau wächst hingegen langsamer.
Weniger Anbieter
Gegenläufig zu den Ertragszahlen entwickelte sich die Zahl der Marktteilnehmer: 450 lizenzierte Finanzportfolioverwalter zählte der Markt 2024 – der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 2014. Das Jahr 2024 sei dabei erneut von Konsolidierung geprägt gewesen, die Studienautoren verweisen etwa auf Übernahmen durch HRK Lunis, Plutos und die Aktivitäten von Ethenea-Gründer und Investor Luca Pesarini. Ebenso habe die Insolvenz der Falcon Vermögensverwaltung in dem Jahr herausgestochen.
Der PBF Monitor 2026 erwähnt zudem ein strukturelles Problem, das 2024 weiter ungelöst blieb: 39,5 Prozent der Geschäftsführer unabhängiger Vermögensverwalter sind über 60 Jahre alt – die Nachfolgefrage drängt.
DJE liegt beim Strength-Indikator vorn
Größe allein sagt noch wenig über die Qualität eines Geschäftsmodells aus: Das war schon im Vorjahr die Ausgangsthese für den sogenannten PBF-Strength-Indikator, den Proboutiquenfonds hausintern entwickelt hat. Der Indikator bewertet die unternehmerische Leistungsfähigkeit unabhängiger Vermögensverwalter anhand eines standardisierten Scoring-Modells mit 20 Kriterien in vier Dimensionen: Marktposition und Krisenresilienz zählen zu je 25 Prozent, Transparenz & Marktkommunikation zu 20 Prozent und Unternehmenserfolg & Finanzstruktur zu 30 Prozent in die Auswertung hinein.
Bewertet werden dabei unter anderem Provisionserträge und Mittelzuflüsse, Eigenkapitalausstattung und Verlusthistorie in Krisenjahren, die Offenlegungspraxis gegenüber Investoren sowie Kennzahlen wie Cost-Income-Ratio und Ebit-Marge. Die Bewertungslogik folgt einer relativen Skala: Die besten 10 Prozent einer Vergleichsgruppe erhalten die Maximalpunktzahl, die schwächsten 10 Prozent den Minimalwert – daraus ergibt sich eine Höchstpunktzahl von 100.
Die 25 führenden uVV nach PBF-Strength-Indikator (rot: 2024, grau: 2023)
Für den PBF Monitor 2026 wurde die Methodik zudem noch einmal geschärft: Der Indikator fokussiert nun ausschließlich auf reine Wealth- und Asset-Management-Geschäftsmodelle, Gesellschaften mit anderer strategischer Ausrichtung wurden herausgefiltert. Von insgesamt 404 bewerteten Gesellschaften für das Geschäftsjahr 2024 setzt sich an der Spitze der Top 25 ein neuer Name durch: DJE Kapital führt das Ranking für 2024 an, vor Capitell und ICM Investmentbank.
Der Vorjahressieger Acatis (2023: 93,3 Punkte) fällt dagegen auf Platz 8 zurück, Flossbach von Storch – trotz seines historischen Ertragsrekords im Gesamtmarkt – liegt beim Strength-Score nur auf Platz 10. Auffällig ist zudem, wie eng das Feld zusammengerückt ist: Die Top 25 bewegen sich 2024 in einer Bandbreite von 81 bis 87,9 Punkten (Durchschnitt 82,9), während die Spanne im Vorjahr mit 80,2 bis 93,2 Punkten noch deutlich größer war. Der Ausreißerwert von Acatis aus dem Jahr 2023 hat sich 2024 nicht wiederholt – was ebenfalls anzeigt, dass sich das Wettbewerbsfeld verdichtet hat.
KI: Großes Thema, kleine Resonanz
Für die aktuelle Ausgabe des PBF Monitor hat Proboutiquenfonds 430 Lageberichte unabhängiger Vermögensverwalter per KI ausgewertet. Dabei sind die Studienautoren – gerade mit Blick auf Künstliche Intelligenz – auf eine Besonderheit gestoßen: Nur 1,2 Prozent der Gesellschaften hätten bereits 2024 KI strategisch in ihrem Ausblick verankert: ein „deutliches Aufmerksamkeitsdefizit“, diagnostiziert Proboutiquenfonds.
„Das Jahr 2024 zeigt zwei Gesichter der Branche gleichzeitig: einen historischen Rekord und eine wachsende strukturelle Spreizung zwischen wenigen Großanbietern und einem unter Druck stehenden Mittelbau“, ordnet Frank Eichelmann, Gründer und Geschäftsführer sowie hauptverantwortlicher Studienautor von Proboutiquenfonds, die Entwicklung des Jahres 2024 ein.
Die komplette Studie PBF Monitor 2026 lässt sich bei Proboutiquenfonds bestellen.
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