Der nach eigenen Angaben größte bankenunabhängige Edelmetallhändler Europas hat eine neue Führung. Der Verwaltungsrat der Degussa Holding beschloss nach Unternehmensangaben im gegenseitigen Einvernehmen den Abgang von Geschäftsfüher (CEO) Christian Rauch und Finanzchef (CFO) Mark Sommer mit sofortiger Wirkung.
Gründe für den Doppelabgang nannte das Unternehmen nicht – und die Branche rätselt laut dem Schweizer Branchendienst Finews über die Hintergründe, zumal Rauch das Unternehmen zuletzt in eine Rekordphase geführt hatte: Für 2025 weist Degussa einen Umsatz von mehr als 3 Milliarden Franken aus, das beste Betriebsergebnis der Unternehmensgeschichte.
Neuer CEO ist Alexander Betz. Der 54-Jährige ist seit mehr als drei Jahrzehnten als Gründer und Unternehmer tätig: Er gründete 1993 die eFonds, eine der ersten digitalen Plattformen für deutsche Sachwertfonds, und war dort bis 2024 als CEO und zuletzt als Chairman aktiv. Von 2010 bis 2014 saß er als CPO und CSO im Vorstand der börsennotierten MPC Capital, von 2017 bis 2022 war er als Vorstandsmitglied und CDO bei Patrizia für die Digitalisierung des globalen Immobilienportfolios verantwortlich. Seit 2001 führt er zudem die Unternehmensberatung ab & partner.
Degussa will wohl Geschägt mit Privatbanken und Family Offices ausbauen
Parallel hat Degussa auch die Schweizer Führung neu geordnet. Sandro Eichenberger übernimmt dort die CEO-Rolle und trägt zugleich als Regional Director die Verantwortung für Südeuropa, wie finews berichtete. Eichenberger verbrachte rund 17 Jahre bei der Credit Suisse, wo er zunächst als Relationship Manager startete, Teams für nordische und iberische Märkte aufbaute und leitete und zuletzt als Director Swiss Nationals tätig war. Von Juli 2023 bis April 2026 war er als Executive Director und Desk Head bei der UBS. Eichenberger tritt die Nachfolge von Rauch an, der die Schweizer Leitung nach dem Abgang von Andreas Hablützel Ende 2024 interimistisch übernommen hatte.
Die Interimslösung auf dem CFO-Posten übernimmt Verwaltungsratsmitglied Tino Porzel; die Suche nach einem dauerhaften CFO sowie einem neu geschaffenen Chief Revenue Officer läuft bereits. In der Branche gilt Eichenbergers Berufung als Signal, dass Degussa das B2B-Geschäft mit Privatbanken, Vermögensverwaltern und Family Offices intensivieren will.
Degussa gehört Unternehmerdynastie von Finck
Verwaltungsratspräsident August François von Finck lässt sich mit den Worten zitieren, Degussa stehe „auf einem starken Fundament und ist besser aufgestellt denn je." Mit Betz habe man einen erfahrenen Gründer und Unternehmer gewonnen, „der gemeinsam mit dem gesamten Team die nächste Etappe der Degussa erfolgreich gestalten" werde.
Hinter Degussa steht die Unternehmerdynastie von Finck, deren Vermögen bis auf Wilhelm von Finck zurückgeht, Mitbegründer von Allianz und Münchener Rück im 19. Jahrhundert – und über Generationen Eigentümer der Privatbank Merck Finck, die August von Finck junior 1990 für rund 600 Millionen Mark verkaufte. Zum Zeitpunkt seines Todes im November 2021 schätzten Bloomberg und Forbes das Familienvermögen auf rund 8 Milliarden Euro. Neben Degussa ist François von Finck Mehrheitsaktionär der Bank von Roll und hält weitere Mandate in der Mövenpick-Gruppe. Die Beteiligung am Industriekonzern Von Roll verkaufte die Familie 2023.
August von Finck junior erwarb 2010 die Namensrechte des historischen Degussa-Konzerns und gründete damit den heutigen Goldhandel neu – als reinen Edelmetallhändler ohne institutionelle Verbindung zum einstigen Chemie- und Industriekonglomerat. Nach dem Tod des Seniors übernahm sein Sohn François von Finck 2022 den Verwaltungsratsvorsitz. Das Unternehmen ist heute mit Standorten in Deutschland, der Schweiz, Spanien und Großbritannien sowie einer Vollmitgliedschaft in der London Bullion Market Association einer der gewichtigsten Akteure im europäischen Edelmetallmarkt.