Deutschland-Chef von Franklin Templeton Offenlegungsverordnung markiert Wende an den Finanzmärkten

Europa-Flaggen in Frankfurt

Europa-Flaggen in Frankfurt: Die Offenlegungsverordnung betrifft nicht nur Vermögensverwalter, sondern unter anderem auch Versicherer und Pensionskassen. Foto: IMAGO / U. J. Alexander

Investoren werden ab März wichtige Änderungen in der Art und Weise sehen, wie Vermögensverwalter nachhaltigkeitsbezogene Informationen über ihre Produkte zur Verfügung stellen. Dies ist das Ergebnis einer Vielzahl von regulatorischen Anforderungen, die sich aus der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR), auf Deutsch Offenlegungsverordnung, der Europäischen Union (EU) ableiten lassen.

Die neue Regulatorik betrifft nicht nur Vermögensverwalter, sondern auch Versicherer, Pensionskassen, und eine ganze Reihe weiterer Finanzmarktteilnehmer. Bei der Verordnung geht es um mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit für den Kunden. Greenwashing, also das Vortäuschen von Nachhaltigkeit wo keine Nachhaltigkeit existiert, soll damit unterbunden werden.

Wir glauben, dass die Umsetzung der SFDR weitreichende Folgen für die gesamte Finanzdienstleistungsbranche haben wird. Die Verordnung wird Vermögensverwalter in die Lage versetzen, sich stärker mit Kunden in unserer gemeinsamen Verpflichtung zu verbünden, Kapital nachhaltig zu allokieren, um letztlich bessere, im doppelten Sinne nachhaltige Ergebnisse für alle zu erzielen. Kapitalströme werden also nun ab März – von EU-politischer Instanz aus so gewollt – in nachhaltige Anlagen umgeleitet. Die Wirkung, so meinen wir, dürfte bisherige Anstrengungen, unsere Gesellschaft nachhaltiger zu gestalten, im positiven Sinne bei weitem übertreffen.

In den vergangenen Jahren hat die Anlegernachfrage nach Produkten, die die Bereiche Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (engl.: Environment, Social, Governance; kurz: ESG) berücksichtigen, ziemlich rasch angezogen. Es gibt keine Anzeichen für eine Verlangsamung. Anleger wünschen zunehmend Produkte, die ihre Werte und Überzeugungen besser widerspiegeln und damit positive Auswirkungen auf unsere Welt haben, gleichzeitig aber nachhaltige Renditen erzielen.

Quelle: Franklin Templeton

Die beträchtliche Zunahme der Anlegernachfrage und die darauffolgende Reaktion der Vermögensverwalter führten zu einer unübersichtlichen Menge entsprechender Angebote, wodurch es für Anleger schwieriger wird, die ESG-Referenzen von Fonds und die Vermögensverwalter, die diese Produkte erstellen, zu bewerten.

Was bedeutet das für die europäische Vertriebslandschaft?

Flexible Ansätze zur Einbeziehung von ESG-Prinzipien sind vom Tisch. Die Analyse von Nachhaltigkeitsrisiken als Teil der Risikomanagementrichtlinien insgesamt ist wesentlich für den Aufbau von Portfolien, die langfristige nachhaltige Renditen erzielen. Eine Berichterstattung ist für alle drei Artikelkategorien erforderlich. Laut einer Studie von Pricewaterhousecoopers (PwC) werden 77 Prozent der institutionellen Anleger in den kommenden 24 Monaten den Kauf von nicht mit den ESG-Prinzipien vereinbaren Produkten einstellen, und bis 2025 werden 7,6 Milliarden Euro in ESG-Produkten angelegt sein.

Das ist ein Anstieg von heute 15 Prozent auf 57 Prozent des Marktanteils europäischer Vermögenswerte. Unserer Einschätzung nach hängt die Geschwindigkeit dieses Wandels von mehreren Faktoren ab, einschließlich öffentlichen und politischen Drucks und weiterer Regulierung, aber die Marschrichtung ist klar. Das bedeutet, dass die Branche nicht einfach nur in ihren Materialien hervorheben kann, dass ein Produkt nachhaltig ist, sondern dass sie aufzeigen muss, dass dieser Aspekt von vornherein berücksichtigt worden ist.

Die Anbieter müssen Informationen auf Ebene des Unternehmens, also ihre eigene Nachhaltigkeitspolitik, offenlegen; zusätzlich müssen sie aber auch Informationen auf Ebene des Produkts, also zu ihren Finanzprodukten, offenlegen. In beiden Fällen muss die Erwägung wesentlicher nachteiliger Auswirkungen von Anlageentscheidungen auf die Nachhaltigkeitsfaktoren offengelegt werden.