Private Credit jenseits der Direktkredite Das Etikett sagt wenig, die Struktur entscheidet

Jessica Bailey und Laura Parrott von Nuveen.

Jessica Bailey und Laura Parrott von Nuveen: „Ein zentrales Thema im ABF-Markt ist die Frage, wie Anleger in Stressszenarien geschützt werden.“ Bildquelle: Nuveen

Asset-Based Finance (ABF) zählt zu den Bereichen der privaten Kreditmärkte, die bei institutionellen Investoren zunehmend Aufmerksamkeit erhalten. Hintergrund sind unter anderem der Rückzug vieler Banken aus komplexen Kreditprodukten sowie der steigende Finanzierungsbedarf in digitale Infrastruktur und Energiewende, der nicht mehr in ausreichendem Maße von den traditionellen Kreditmärkten gedeckt wird. Die Größenordnung ist beträchtlich. Der Markt für besicherte Kreditanlagen wird auf mehrere Billionen US-Dollar geschätzt, und Ratingagenturen erwarten, dass sich das Wachstum im Private Credit zunehmend von der klassischen Unternehmensfinanzierung hin zu Asset-Based Finance verschiebt.

Für Altersvorsorgeanbieter, Versicherungen und andere langfristig orientierte Anleger bietet die Anlageklasse auf den ersten Blick einige vorteilhafte Eigenschaften. Dazu zählen vertraglich abgesicherte Zahlungsströme, potenzielle Renditeaufschläge gegenüber vergleichbaren liquiden Anleihen sowie eine geringere Abhängigkeit von klassischen Unternehmensrisiken. Gleichzeitig macht die zunehmende Breite des Marktes deutlich, dass sich hinter dem Begriff Asset-Based Finance unterschiedliche Anlagestrategien verbergen. Für institutionelle Investoren stellt sich deshalb zunehmend weniger die Frage, ob ABF grundsätzlich einen Platz im Portfolio haben kann. Wichtiger ist, welche Teilsegmente hinsichtlich Risiko, Laufzeit und regulatorischer Anforderungen tatsächlich zur jeweiligen Anlagestrategie passen.

 

Eine Anlageklasse mit vielen Facetten

Unter Asset-Based Finance werden Kreditanlagen zusammengefasst, deren Rendite durch bestimmte Vermögenswerte oder Zahlungsströme abgesichert ist. Anders als bei Direktkrediten an Unternehmen hängt die Werthaltigkeit somit nicht in erster Linie vom Unternehmenswert und dem operativen Cashflow ab. Das Spektrum reicht von Verbraucher- und Leasingkrediten über Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bis hin zu Infrastructure Debt, Datacenter-Finanzierungen, Musikrechten, Credit Tenant Loans oder C-Pace-Strukturen zur Finanzierung energetischer Maßnahmen an Immobilien. Infrastrukturinvestitionen sind derzeit besonders gefragt, wie eine institutionelle Investorenbefragung von Nuveen zeigt:

Abbildung 1: Top-Anlageoptionen für Institutionen, die ihre Private-Fixed-INcome-Allokation erhöhen möchten.
Top-Anlageoptionen für Institutionen, die ihre Private-Fixed-INcome-Allokation erhöhen möchten. | Bildquelle: Nuveen Equilibrium Umfrage 2026

 Unterschiedliche Risikoprofile hinter demselben Label

Viele Marktbeobachter sehen den Begriff Asset-Based Finance deshalb eher als Dachkategorie denn als eigenständige Anlageklasse. Für Investoren bedeutet das, dass eine differenzierte Analyse der jeweiligen Teilstrategie unverzichtbar bleibt. Zur Orientierung lässt sich der Markt grob in zwei Gruppen einteilen.

  • Die erste Gruppe umfasst Strategien, die auf breit diversifizierten Forderungspools basieren, etwa Verbraucher- oder Leasingkreditportfolios. Ihre Entwicklung wird vergleichsweise stark von konjunkturellen Faktoren beeinflusst, etwa von Beschäftigung, Konsumverhalten oder allgemeinen Kreditausfallraten.
  • Die zweite Gruppe umfasst Finanzierungen, die durch Sachwerte und Infrastruktur besichert sind. Hier beruhen die Erträge häufig auf vertraglich gesicherten Zahlungsströmen, gesetzlichen Pfandrechten oder langfristigen Verpflichtungen.

Auch die Laufzeiten unterscheiden sich deutlich. Während viele Forderungsportfolios Laufzeiten von wenigen Jahren aufweisen, können Infrastrukturkredite oder Credit Tenant Loans Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten erreichen. Für Pensionskassen, Versorgungswerke oder Versicherungen kann dies insbesondere mit Blick auf das Asset-Liability-Management interessant sein. Eine grobe Einteilung nach Rendite und Laufzeit bietet folgende Abbildung:

Unterschiede bei Rendite und Laufzeit innerhalb des ABF-Universums.
Unterschiede bei Rendite und Laufzeit innerhalb des ABF-Universums.Bildquelle: Nuveen

Entscheidend ist die Struktur

Ein zentrales Thema im ABF-Markt ist die Frage, wie Anleger in Stressszenarien geschützt werden. Die besten Voraussetzungen, das Potenzial von ABF auszuschöpfen, haben Investoren, die nicht pauschal in die Anlageklasse investieren, sondern die Qualität der Schutzmechanismen, des Sourcing-Modells und des Underwritings beurteilen. Bei Forderungspools beruht die Stabilität häufig auf einer breiten Diversifikation.